Was an jenem Samstag im Februar 2015 vor dem Restaurant Steinerhof geschah, hat das Leben von fünf Personen dramatisch verändert – und für niemanden zum Guten. Zwei Männer, die damals mit Schlaginstrumenten brutal zusammengeschlagen wurden, erlitten Verletzungen, die sie noch monatelang beeinträchtigten. Einem von ihnen wurde der Schädel gebrochen; er überlebte nur dank einer Notoperation. Noch heute leidet er unter den Folgen.

Die drei jungen Männer wiederum, die am Dienstag am zweiten Verhandlungstag vor dem Bezirksgericht Dietikon standen, werden mit zwischen zwei und vier Jahren Gefängnis bestraft, wobei nur einer mit einer bedingten Strafe davonkommt. Gerichtspräsident Stephan Aeschbacher sprach bei der Urteilseröffnung von einer «feigen Tat» und einer «erschreckenden Brutalität».

Was damals geschah, ist im Grundsatz unbestritten, denn alle drei Täter sind zumindest teilweise geständig. Trotzdem bleiben gewisse strittige Punkte, die unter anderem daher rühren, dass keiner der Verurteilten für die massiven Kopfverletzungen verantwortlich sein will, dass sich Teile ihrer Schilderungen nicht decken und einer teilweise die Aussage verweigert hat.

Auslöser war ein Faustschlag

Klar ist jedoch: Zwei der Täter gerieten in Urdorf in einen kurzen Streit mit einer Gruppe von Männern, die danach weiterzog ins Restaurant Steinerhof – nachdem einer von ihnen einem der jungen Männer einen Faustschlag verpasst hatte. Dieser forderte daraufhin telefonisch die Verstärkung eines weiteren Mannes an, der mit einem Schlagstock ausgerüstet dazukam, und holte aus seinem Auto eine Metallstange und einen Baseballschläger.

Zu dritt machten sie sich auf den Weg zum Steinerhof, um sich zu rächen. Sie baten den Mann, der den Faustschlag platziert hatte, «zum Reden» nach draussen. Dort schlugen sie diesen sowie einen weiteren Gast, der ihm beistehen wollte, mit den Schlaggeräten zusammen – wobei sie noch auf sie einprügelten und traten, als diese bereits am Boden lagen.

Am Dienstag wurde der älteste der drei nun Verurteilten vor Gericht befragt. Er war vor zwei Wochen am ersten Prozesstag zusammengebrochen. Im Spital Limmattal, in das er gebracht wurde, sei ihm ein Nervenzusammenbruch diagnostiziert worden, sagte sein Anwalt gestern. Er sei nervös gewesen, weil «alles etwas aus dem Ruder gelaufen sei damals», sagte er selber. Gestern wirkte er immer noch nervös, konnte aber befragt werden – auch dank eines Beruhigungsmedikaments, das er eingenommen hatte.

Er gab zu, einen der Geschädigten, der unter anderem einen Mittelhandbruch davontrug, mit dem Baseballschläger geschlagen zu haben, jedoch nur am Oberkörper. Wieso dieser Prellungen am Kopf erlitten habe, wisse er nicht. Er erzählte zudem, dass er eine Therapie besuche, um seine «Aggressionen in den Griff zu bekommen» – und dass gegen ihn eine weitere Strafuntersuchung läuft.

Ihm wird vorgeworfen, im August in Dietikon eine Person angefahren zu haben. Sein Anwalt führte am Dienstag aus, sein Klient könne sich an keine Einzelheiten erinnern, weil ihm wohl K.-o.-Tropfen ins Bier geschüttet worden seien. Er beschrieb den Angeklagten als «feinfühligen Mensch», der noch bei seiner Mutter wohne und sich tadellos aufführe. Den Vorfall vom Februar 2015 nannte er eine «grosse Dummheit». Sein Mandant habe sich nur revanchieren und seinem Kontrahenten höchstens «geringfügige Beeinträchtigungen» zufügen wollen.

Das sah der Anwalt eines der Opfer anders: «Wer sich zu dritt bewaffnet an eine Stelle begibt um mit Schlaginstrumenten auf andere einzuschlagen, nimmt schwere Körperverletzungen oder gar den Tod in Kauf», sagte er.

Noch weitere Delikte

Das Gericht sah das ähnlich: Es verurteilte alle drei Männer zu Gefängnisstrafen. Derjenige, der unter anderem für schwere Körperverletzung verurteilt wurde, muss für vier Jahre ins Gefängnis. Die beiden anderen Täter wurden maximal der einfachen oder versuchten schweren Körperverletzung schuldig gesprochen.

Einer von ihnen wird mit 28 Monaten Gefängnis bestraft, wovon sechs Monate unbedingt sind. Der dritte Mann erhält eine Freiheitsstrafe von 24 Monaten bedingt. Alle drei wurden auch für weitere Delikte schuldig gesprochen, unter anderem Sachbeschädigung, Diebstahl, versuchte Erpressung und das Vergehen gegen das Waffengesetz. Sie müssen ihren Opfern zudem Schadenersatz von knapp 1000 beziehungsweise 7900 Franken und Genugtuungen von 3000 beziehungsweise 18 000 Franken bezahlen und die Gerichtskosten tragen.