Uitikon

Noch mehr Vorwürfe an die Adresse des ehemaligen Gemeindepolizisten

Der ehemalige Uitiker Dorfpolizist.

Der ehemalige Uitiker Dorfpolizist.

Neben dem Vorwurf der Veruntreuung ist ein ehemaliger Uitiker Dorfpolizist auch wegen Amtsmissbrauch und passiver Bestechung angezeigt – die Gemeinde sagt, sie habe schnell reagiert.

Schon im vergangenen Jahr brodelte die Gerüchteküche in Uitikon. Im Zentrum stand dabei der Dorfpolizist der Gemeinde, der es mit dem Gesetz nicht so genau nehme, so sagt man sich hinter vorgehaltener Hand. «Gerüchte sind mit Vorsicht zu geniessen. Ich brauche Fakten. Und solche hat mir damals niemand geliefert», sagt der Uitiker Sicherheitsvorstand und Chef des Polizisten Patrik Wolf (FDP).

Im Januar überschlugen sich die Ereignisse, denn die Gemeinde reichte eine Strafanzeige gegen den Polizisten ein und kündigte ihm fristlos. Der Vorwurf: Er soll Bussengelder veruntreut, sprich in die eigene Tasche gesteckt haben. Erich Wenzinger, Sprecher der Zürcher Staatsanwaltschaft, bestätigt die Eröffnung des Verfahrens auf Anfrage.

Der 61-jährige Polizist war der Staatsanwaltschaft aber schon zuvor bekannt. «Es wurden bereits verschiedene Verfahren gegen ihn geführt», so Wenzinger. Ein Verfahren, das derzeit ebenfalls laufe, betreffe den Vorwurf des Amtsmissbrauchs und der passiven Bestechung. Dies heisst, ihm wird vorgeworfen, er habe sich bestechen lassen.

Auch hier gelte bis zu einer allfälligen rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung. «2017 gab es eine weitere Strafanzeige einer Privatperson, die dem Polizisten vorwarf, 2011 für eine Busse über 120 Franken keine Quittung ausgestellt zu haben», so Wenzinger. Dieses Verfahren sei aus Mangel an Beweisen jedoch eingestellt worden.

Gefährliche Mutmassungen

Über solche und ähnliche Vorwürfe wurde in Uitikon spekuliert. Warum wurde Wolf nicht tätig? «Vor etwas mehr als einem Jahr führten Hinweise aus der Bevölkerung dazu, dass wir unsere internen Prozesse anpassten», so Wolf. Die Kontrolle der Quittungen bei bar bezahlten Bussen sei überarbeitet worden. Aber: «Arbeitet man wie der Polizist 22 Jahre in einer Gemeinde, hat man immer Freunde und Feinde. Für mich steht fest: Solche Mutmassungen sind gefährlich», so Wolf. Er verweist darauf, dass der Gemeinderat schnell reagierte, als die ersten konkreten Vorwürfe im Dezember 2018 im Raum standen.

Ans Tageslicht kamen die Unregelmässigkeiten dank Karsten Neumann. Gegenüber dem «Blick» sagte er, dass er sein Auto 2016 auf einem Behindertenparkplatz abstellte und der Dorfpolizist ihn dafür büssen wollte. 160 Franken hätte eine Busse gekostet, doch bot ihm der Polizist an, er könne auch 120 Franken in bar bezahlen. Neumann hatte jedoch lediglich 110 Franken bei sich, woraufhin der Polizist diese akzeptiert habe. Neumann stellte er jedoch eine Quittung über 120 Franken aus.

Der Verkehrssünder wurde darauf stutzig und meldete sich bei der Kantonspolizei (Kapo), um zu erfahren, was mit der 10-Franken-Differenz geschehen sei. Dort hat man jedoch nie von der Bussen-Nummer 1831, jene von Neumann, gehört. «So konnte der Polizist aufschreiben, was er wollte und kassierte ab. Und niemand bekam etwas mit», sagt Neumann gegenüber «Blick». Weil er jedoch mögliche Konsequenzen fürchtete, habe er den Namen des Polizisten gegenüber der Kapo nicht herausgegeben: «Nicht dass ich dann plötzlich Polizeikollegen vor meiner Türe stehen habe."

Hinweise aus Bevölkerung

Ende 2018 entschied er sich dann anders und ging auf die Gemeinde, woraufhin die Exekutive am 21. Januar die Strafanzeige einreichte und den Polizisten fristlos entliess, wie Wolf sagt. Wann das Verfahren abgeschlossen sein wird, könne noch nicht gesagt werden, sagt Wenzinger.

Im Verlauf des gestrigen Tages rief die Boulevardzeitung dazu auf, sich zu melden, wenn man auch das Gefühl hat, vom Polizisten über den Tisch gezogen worden zu sein. Neben einem Postboten, der seine reduzierte Busse ebenfalls bar entrichtete, und das Gefühl hatte, der Polizist stecke das Geld ein, kam eine Frau zu Wort, die darauf verwies, es bestehe eine Zwei-Klassenpolitik. «Bei uns wurden etwa alle Bauarbeiter gebüsst, als wir unser Haus bauten.» Beim Nachbar hätten sich solche Probleme mit einer Flasche Wein lösen lassen.

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