E-Bikes
Noch ist der Markt gross genug - Velohändler setzen auf E-Bikes

Die Migros-Tochter M-Way dringt ins Limmattal vor — ansässige Händler nehmens vorerst gelassen.

Tobias Hänni
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Noch sind Elektrovelos im Alltag in der Minderheit. Doch Limmattaler Velohändler wittern im Geschäft mit den E-Bikes grosses Potenzial. Hae

Noch sind Elektrovelos im Alltag in der Minderheit. Doch Limmattaler Velohändler wittern im Geschäft mit den E-Bikes grosses Potenzial. Hae

Tobias Hänni

Zürich, St. Gallen, Winterthur, Bern, Biel: Das Elektro-Zweirad-Geschäft M-Way hat innerhalb der letzten drei Jahre ein schweizweites Filialnetz aufgebaut. Vor kurzem ist das Tochterunternehmen der Migros nun auch ins südliche Limmattal vorgedrungen. An der Zürcherstrasse in Dietikon wurde der 26. Ableger von M-Way eröffnet. Im gemäss Medienmitteilung «umfassenden Angebot»: Velos, Roller, Motos und Kickboards mit Elektroantrieb. Dazu gebe es das passende Zubehör, Infrastrukturlösungen und Online-Tools.

Das tönt eigentlich nach ernst zu nehmender Konkurrenz für ansässige Händler und Fachgeschäfte für Elektrovelos. Doch diese nehmen die neue Konkurrenz ziemlich gelassen. «Die müssen erst beweisen, dass sie besser sind als wir», sagt etwa Urs Stähelin, Geschäftsführer des Velo Lade Schlieren. Er wolle M-Way nichts unterstellen, aber ein Grossteil der Geschäfte, die im Markt mit E-Bikes tätig seien, «hat keinen Plan, was sie verkaufen». Darüber hinaus fehle es bei vielen an Servicedienstleistungen oder der Beratung. «Ohne angeben zu wollen: Wir haben immer geöffnet und beraten unsere Kunden jederzeit», sagt Stähelin, dessen Geschäftspartner den Velo Laden in Urdorf führt.

Internet ist grösster Konkurrent

Natürlich bedeute jedes E-Bike, das anderswo gekauft werde, möglicherweise weniger Umsatz für die eigenen Shops. Und grosse Anbieter wie M-Way könnten mit dem Preis tiefer gehen als kleinere Mitbewerber, sagt Stähelin. «Der grösste Konkurrent ist aber das Internet.» Mit dem starken Franken seien die schon vorher teils brutalen Preisunterschiede zum Ausland noch grösser geworden, «bei gewissen Produkten bis zu dreissig Prozent». Da könne er jene Leute verstehen, die sich ein teures Bike lieber übers Internet kaufen und so deutlich weniger zahlten. Glück hat der Schlieremer Velohändler mit seinem Lieferanten der Marke Trek: «Da beträgt der Preisunterschied wenn überhaupt fünf Prozent.» Und: Trek arbeite nur mit kleinen Fachgeschäften zusammen. Im Markt der Elektrozweiräder sieht Stähelin nach wie vor grosse Wachstumschancen. «Auch im Limmattal ist das Potenzial auf jeden Fall da.» Gerade staugeplagte Pendler, die mit dem Auto zur Arbeit fahren, sieht Stähelin als Kundengruppe mit viel Potenzial. Diese Einschätzung teilt er mit Guido Grossenbacher, Geschäftsführer von V-Sport in Dietikon und Regensdorf: «Elektrovelos sind ein Konkurrenzprodukt für die Automobilbranche.» In seinen Geschäften macht der Verkauf normaler Velos zwar nach wie vor den Grossteil des Umsatzes aus. «Aber die E-Bikes sind eine Chance.» Der «trendy» Markt mit den guten Wachstumsaussichten zieht deshalb regelmässig neue Mitbewerber an, wie Grossenbacher sagt. «Die kommen und gehen.» M-Way werde er beobachten, als Bedrohung sehe er deren neue Dietiker Filiale aber nicht. «Das wäre sie nur, wenn wir einen schlechten Job machen würden.» V-Sport sei mit dem Angebot, dem Service und der Bekanntheit in der Region «gut aufgestellt». Gerade der Service – «auch nach dem Kauf» – sei angesichts der wachsenden Konkurrenz wichtig. «Je mehr Mitbewerber, desto besser muss man in diesem Bereich sein.»

Erst Schock, dann Chance

Zu Beginn etwas geschockt vom Eintritt des «grossen Konkurrenten» in den Limmattaler E-Bike-Markt war Andreas Jakob, Inhaber von Stöckli Bike in Geroldswil. «Wir haben ja doch einige Kunden aus Dietikon.» Inzwischen sehe er den neuen Mitbewerber aber als Chance. Je grösser und bekannter das Angebot, desto eher würden Leute auf ein E-Bike umsatteln. Und damit auch in seinem Laden einkaufen. Das Wachstum der elektrobetriebenen Zweiräder schätzt Jakob im Limmattal als hoch ein. «Es gibt viele Neubauten und damit Neuzuzüger, die oft zur Arbeit nach Zürich pendeln.» Im Gegensatz zu früher kauften nicht mehr nur «Grossmami» ein E-Bike, sondern auch junge Menschen.

Das zeigt sich bei Stöckli Bike auch im steten Wachstum der E-Bike-Verkäufe. «Zurzeit machen sie zwischen einem Fünftel und einem Viertel des Umsatzes aus», so Jakob. Der Anteil werde aber wohl noch grösser.

Dass es im E-Bike-Markt noch reichlich Luft nach oben gibt, glaubt auch Daniel Rey, Geschäftsführer von E-Motion E-Bike in Dietikon. «Zurzeit ist etwa jedes sechste verkaufte Velo in der Schweiz ein E-Bike. Doch das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange.» Die M-Way-Filiale in Dietikon sieht Rey denn auch als Belebung des Marktes, auch wenn die Migros-Tochter «eine Verdrängungsstrategie fährt», die Schweiz mit Filialen übersähe und dank der Möglichkeit der Quersubventionierung im Migros-Bund «eine grosse Kriegskasse» habe. «Wir sind aber selbstbewusst genug, dass wir uns deswegen keine Sorgen machen.» Nach nur einem Jahr in Dietikon sei das Wachstum von E-Motion besser als erwartet. «Und die Konkurrenz ist ein Ansporn, es noch besser zu machen.» Ein Problem ortet Rey höchstens bei einer Überschneidung des Angebots. «Wenn Mitbewerber die gleichen Marken im Angebot haben, kommt es zur gegenseitigen Kannibalisierung.» Ebenfalls problematisch könne es sein, wenn ein grosser Anbieter wie M-Way dank seiner Einkaufsstärke tiefere Preise anbieten könne.