Dietikon

Noch hat das Silbern-Gewerbe Geduld

Die Einmündung der Moosmattstrasse in die Silbernstrasse ist dem ansässigen Gewerbe ein Dorn im Auge.

Die Einmündung der Moosmattstrasse in die Silbernstrasse ist dem ansässigen Gewerbe ein Dorn im Auge.

Der blockierte Gestaltungsplan sorgt für Unmut im Industriequartier – wie auch die Verkehrssituation.

Heterogenität – dieses Wort fiel an der Versammlung der Interessensgemeinschaft (IG) Silbern fast häufiger als der Gebietsname selbst. Für den neuen Gebietsmanager Dieter Beeler ist sie die dominierende Eigenschaft des Dietiker Industriequartiers an der Grenze zum Aargau – und damit Fluch und Segen zugleich. «Die grosse Bandbreite an Nutzern und Anbietern ist einerseits eine Herausforderung, andererseits gerade auch die Stärke der Silbern», erklärte Beeler, der sich gerade erst mit dem Gebiet vertraut gemacht hat, das er in Zukunft managen soll.

Zurzeit befindet sich das Gebietsmanagement, das sich die Stadt 50 000 und die IG 10 000 Franken kosten lassen, noch in der Analysephase, die Ende Monat abgeschlossen sein soll. Was Beeler aber heute schon sagen kann: Das Industriequartier muss sichtbarer werden und sich ein besseres Image zutun. Potenzial läge dafür genug brach, zuerst müsse man sich aber entscheiden, «wohin die Reise gehen soll». Gleichzeitig warnt Beeler vor Schnellschüssen: «Eine Gebietsaufwertung ist ein langjähriger Prozess. Wir können nicht einfach einen Hebel umschalten und morgen ist alles gut.»

Heterogen – so fallen die Antworten aus, die Beeler im Rahmen einer grossen Befindlichkeitsumfrage von Silbern-Ansässigen erhalten hat. Dennoch zeichnen die 43 Befragten – die meisten von ihnen Eigentümer, ein knappes Drittel Mieter – in ihrer Gesamtheit das Bild einer mehrheitlich zufriedenen Gewerbelandschaft. So gaben rund 89 Prozent der Befragten an, dass sie mit der heutigen Silbern zufrieden oder gar sehr zufrieden sind. Nur 11 Prozent können diese Meinung nicht teilen.

Für die Silbern sprechen der Mehrheit zufolge etwa die gute Erreichbarkeit, die Nähe zum Wirtschaftszentrum Zürich, ein breites und gut gemischtes Waren- und Dienstleistungsangebot sowie die gute Zusammenarbeit zwischen Eigentümern, Nutzern, IG und Stadt.

Das soll aber nicht heissen, dass im Land der Megastores alles nur rosig ist. Allem voran sorgt der vor über zweieinhalb Jahren vom Stimmvolk genehmigte, jedoch nach wie vor nicht rechtsgültige Gestaltungsplan Silbern-Lerzen-Stierenmatt (SLS) für Unmut. «Der momentane Zustand ist höchst unerfreulich», sagte IG-Präsident Urs Jenny. Für Verzögerungen und damit für Planungsunsicherheit sorgen die Schutzbestimmungen für das angrenzende Flachmoor. Bis diese definiert sind, geht in der Silbern gar nichts. Im Juni erhielt der Regierungsrat vom Kantonsrat zwar den Auftrag, innert maximal zwei Jahren einen Bericht zu erstellen, wie schnellstmöglich eine Schutzverordnung erlassen werden kann. Laut Stadtplaner Jürg Bösch soll im Oktober ein Entwurf davon vorliegen.

Allmählich verlieren die Eigentümer in der Silbern aber die Geduld. Ihre Pläne, im Gebiet dereinst Wohnraum für 3000 und neue Arbeitsplätze für 6000 Leute zu schaffen, sind nun schon lange nicht mehr als eben das: Pläne.

Derweil treiben das Gewerbe aber auch noch ganz andere Sorgen um. Vor allem über den Verkehr regen sich viele immer wieder auf. Heterogen sind allerdings auch hier die Ansätze, wie man den Problemen begegnen könnte.
Privatverkehr: Häufiger Stau und gefährliche Stellen auf den Hauptachsen in der Silbern sorgen im Industriequartier für Ärger. So sei es bei der Einmündung der Moosmatt- in die Silbernstrasse «nur eine Frage der Zeit, bis etwas Schlimmes passiert», so Jenny. Ein besonderer Dorn im Auge ist dem ansässigen Gewerbe auch die separate Busspur, die auf der Heimstrasse dem Rapidplatz entlang verläuft. «Der Verkehr staut sich zu Spitzenzeiten bis weit ins Industriegebiet zurück, weil im Limmatfeld eine Spur nur dem Bus zur Verfügung steht», monierte Jenny. Die IG fordert deshalb, dass die Busspur verkürzt wird.

Die separate Busspur im Limmatfeld führe zu Stosszeiten für Stau bis weit ins Dietiker Industriegebiet.

Die separate Busspur im Limmatfeld führe zu Stosszeiten für Stau bis weit ins Dietiker Industriegebiet.

Öffentlicher Verkehr: Obwohl die eine separate Busspur, die es bereits gibt, gar nicht gut ankommt, strebt die IG doch eine Entflechtung des privaten und öffentlichen Verkehrs mittels separater Busspuren an – damit der Privatverkehrsfluss nicht durch den öV behindert wird. Ebenso sollen sämtliche Bushaltestellen in einer Einbuchtung Platz finden, von der Fahrbahn weg. Ein weiteres Problem: Die Busse, die zwischen Bahnhof und Silbern verkehren, sind zu Spitzenzeiten oft überfüllt. Über die S-Bahn-Station Silbern – ein Kernanliegen der IG – gab es heuer dafür nur Positives zu berichten. Denn diese fand im Frühling Eingang in den kantonalen Richtplan. «Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit kommt die Station», sagte Jenny erfreut.

Parkplätze: Auch die Parkiermöglichkeiten befriedigen weitaus nicht alle Gewerbler. Zwar bemerkten diejenigen, die auf ihrem eigenen Gelände einen grossen Parkplatz zur Verfügung stellen, sinnigerweise kein Problem mit dem Angebot. Viele finden hingegen, dass öffentliche Parkplätze fehlen.

Freiraum/Erholung: Zwar schätzen einige der Befragten die Nähe zur Limmat und zum Naturschutzgebiet. Dieter Beeler musste aber feststellen, dass viele gar nicht wissen, was die Silbern alles zu bieten habe. Weiter fehle einigen ein Park für die Mittagspause: «Sie wollen auch mal woanders als auf der Laderampe ein Sandwich essen.»

Gebietsstrukturen: Obwohl sich viele nicht an den Strukturen störten, die Beeler «chaotisch, weil historisch gewachsen» nennt, würden sich doch einige der Befragten modernere Bauten wünschen – nicht zuletzt auch deshalb, weil diese versprechen, sich positiv auf das Gebietsimage auszuwirken.

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