Knappheit
Noch gibt es Limmattaler Kartoffeln im Regal

Die Kartoffelernte war im vergangenen Jahr unter anderem aufgrund der Wetterverhältnisse nicht bei allen Landwirten ertragreich. Heimische Knollen wird es daher vorerst nur un regionalen Läden zu kaufen geben.

Thomas Mathis
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Im vergangenen Jahr ernteten die Limmattaler Landwirte eher kleine Kartoffeln. Sie lassen sich dennoch verkaufen.

Im vergangenen Jahr ernteten die Limmattaler Landwirte eher kleine Kartoffeln. Sie lassen sich dennoch verkaufen.

KEYSTONE

Die Vorräte an Schweizer Kartoffeln schwinden. Grossverteiler und Kartoffelverarbeiter wie Zweifel-Chips in Spreitenbach sind bereits jetzt auf Importe aus fernen Ländern angewiesen. Auch im Limmattal mussten die Landwirte Einbussen in Kauf nehmen, wie eine Umfrage in der Region zeigt.

Für den Ernteausfall war unter anderem das Wetter verantwortlich. Viele Bauern konnten im Frühling die Knollen nicht gegen Krautfäule spritzen, weil die Felder wegen der starken Niederschläge nicht befahrbar waren. «Dies verursachte bei mir Ausfälle von rund 20 Prozent», sagt Hans Jürg Stalder, Landwirt in Uitikon. Seine Vorräte werden voraussichtlich knapp reichen.

Dem Dietiker Landwirt Kurt Bräm geht es ähnlich. Er ist bereits jetzt knapp an Kartoffeln. «Zum witterungsbedingten Ausfall kam dazu, dass ich weniger angebaut habe», sagt er. Zudem hatte er mit Drahtwürmern zu kämpfen. Seine Ernte war rund einen Drittel kleiner als in anderen Jahren. Um in seinem Hofladen trotzdem Knollen aus der Region anbieten zu können, ging er ein Joint Venture ein mit dem Weininger Landwirt Daniel Müller, der ihn nun mit Kartoffeln beliefert.

Rechts der Limmat war es besser

Weniger prekär war die Situation auf der rechten Seite der Limmat, wie Müller sagt: «Bei uns hat es nicht so viel geregnet, sodass wir die Äcker befahren und gegen die Krautfäule vorgehen konnten. Zudem fliesst das Wasser besser ab, weil die Böden leichter sind.» Obwohl er wegen einer Schneckenplage viel Ausschuss hatte, sind in seinen Lagern noch genügend Knollen vorrätig. Auch Walter Bühler, Landwirt in Oetwil, kann sich nicht beklagen. Er produziert Saatgut und beliefert Kartoffelverarbeiter. «Meine Ernte war sehr gut, weil ich schon früh gepflanzt habe», sagt er. Die Krautfäule hielt ihn jedoch während der ganzen Saison auf Trab. Aufgrund des Mangels in der Schweiz konnte er seine Kartoffeln im Herbst gut verkaufen.

Das Wetter war nicht nur für den Ernteausfall verantwortlich, sondern auch dafür, dass die Kartoffeln nicht so gross geraten sind. «Meine Kartoffeln sind kleiner als üblich», sagt Bräm. Dies sei für ihn aber kein Problem, weil seine Kunden gerne kleine Raclettekartoffeln kaufen. Auch Stalder kann die kleinen Kartoffeln absetzen, obschon er unter anderem Restaurants beliefert, die sich für die Weiterverarbeitung grosse Kartoffeln wünschen. «Weil ich meine Kunden seit vielen Jahren kenne und sie Wert auf regionale Produkte legen, kann ich meine Kartoffeln auch dann verkaufen, wenn sie nicht der Normgrösse entsprechen», sagt er. Würde er mit Grosshändlern zusammenarbeiten, müsste er viele Kartoffeln vernichten.

Ausfall hat Folgen auf Produktion

Neben den Auswirkungen auf den Verkauf hat der Ernteausfall auch Folgen für die diesjährige Produktion. «Die Produzenten von Saatkartoffeln sind ebenfalls betroffen vom Ausfall», sagt Stalder. Es sei deshalb absehbar, dass dieses Jahr Saatgut importiert werden muss. Darauf deutet auch die Aussage von Bühler hin: «Die Qualität der Saatkartoffeln war hoch, die Menge aber etwas kleiner als sonst.»

Eine Entspannung der Situation wird erst die Ernte der Frühjahrskartoffeln bringen. Bis dahin sind heimische Kartoffeln nur in regionalen Läden erhältlich. Ab Juli kann Bräm in seinem Hofladen dann wieder frische Knollen anbieten.

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