Erst vor wenigen Wochen zügelte der Mittagstisch des Sozialdiensts Limmattal für 20 bis 25 Randständige ins derzeit nicht verpachtete Restaurant Mühleacker. Wegen des Baus der Limmattalbahn musste das Angebot sein Chalet auf dem Chilbiplatz räumen, woraufhin eine Zwischenlösung gefragt war. Im Mühleacker, wo die Senioren der Alterswohnungen ihr Mittagsmenu zu sich nehmen, fand man diese.

Verstehen sich Menschen, die wegen Suchtproblemen durch die Maschen gefallen sind, gut mit solchen, die ihren Lebensabend geniessen wollen? «Ich habe nur positives Feedback erhalten», sagt Susanne Tanner, Abteilungsleiterin Alter und Pflege der Stadt Schlieren. Und Madeleine Nigg, die den Sozialdienst Limmattal leitet, ergänzt: «Wir dachten, die Senioren seien skeptisch. Doch uns erreichte bislang keine kritische Stimme.» Zu einer grossen Durchmischung komme es zwar nicht, da Senioren und Randständige an unterschiedlichen Tischen speisen.


Doch mit der ungewöhnlichen Paarung der Mittagstische ist es bald vorbei. Der Tennisclub-Gastronom Franco Salihi wird ab Anfang Januar das Restaurant Mühleacker pachten. Im Vertrag enthalten ist auch, dass die neue Pächterschaft die Mittagsmenus der Bewohner der Alterswohnungen zubereitet. Für die Randständigen bleibt dann kein Platz, weshalb die Stadt Schlieren nach einer neuen Unterbringung des Angebots sucht. Vergangene Woche publizierte sie eine Bauausschreibung, in welcher die Erstellung von Modulbauten auf dem Gemeindeplatz zwischen Zürcher- und Engstringerstrasse für die Durchführung des Mittagstischs verkündet wurde.

Laut Albert Schweizer, Bereichsleiter Liegenschaften, kann das Provisorium frühestens im März 2018 in Betrieb genommen werden. «Module aus Schulhäusern, etwa dem Kalktarren, werden nicht mehr benötigt und könnten für den Mittagstisch eingesetzt werden», so Schweizer. Dass dieser Plan aber überhaupt umgesetzt wird, sei alles andere als sicher. So sei die Bauausschreibung vorsorglich in die Wege geleitet worden, für den Fall, dass sich keine andere Lösung finden lasse, sagt Schweizer. Ein konkretes Projekt mit Kostenvoranschlag für die Container-Variante steht noch nicht. Und wenn sie zustande kommt, hat der Mittagstisch ab Anfang Januar für zwei bis drei Monate keinen Unterschlupf.


Zentrale Lage ist zwingend
Auch für diesen Fall sucht Schweizer derzeit nach einer Lösung. Dabei fokussiere er auf leerstehende Gewerbeliegenschaften, die über rund 200 Quadratmeter Fläche verfügen. Zudem wäre eine offene Küche sinnvoll, ergänzt Sozialdienstleiterin Nigg. So hätten die Betreuerinnen die Besucher im Aufenthaltsraum stets im Blickfeld. Dadurch lasse sich das Konsumverbot von Suchtmitteln besser durchsetzen. Auch sollte der Mittagtisch an zentraler Lage untergebracht werden, da viele Klienten über keine öV-Abonnements verfügen. «Bei einer Übergangslösung müssen jedoch nicht sämtliche Kriterien erfüllt sein», sagt Nigg. Die Unterbringung in Containern auf dem Gemeindeplatz wäre für sie die perfekte Lösung.

In der Bauausschreibung ist jedoch vermerkt, dass diese Variante auf drei Jahre angelegt ist. Danach kann auf lange Sicht auf dem Gemeindeplatz – so steht es in der städtischen Bau- und Zonenordnung wie auch im Stadtentwicklungskonzept – ein Hochhaus erstellt werden. Nigg: «Optimal wäre natürlich gewesen, wenn wir von der Zwischenlösung im Mühleacker direkt an einen Ort hätten umziehen können, wo unser Angebot langfristig durchgeführt werden kann.»
Was wäre, wenn sich keine Lokalität für eine Zwischennutzung finden liesse?

Müsste der Mittagstisch des Sozialdiensts Limmattal pausieren? «Dies ist keine Option», sagt Schweizer auf Anfrage. Auch für Nigg ist das Einlegen einer Pause kein Thema. «Albert Schweizer sagt, er finde eine Lösung. Darauf vertraue ich.»