Birmensdorf

Noch ein letztes Mal strammstehen: 82 Limmattaler werden entlassen

In Birmensdorf wurden am Freitag 395 Angehörige der Armee entlassen. 82 davon stammen aus dem Bezirk Dietikon.

Auf dem Waffenplatz Reppischtal in Birmensdorf fanden sich am Freitagmorgen rund 400 Soldaten, Gefreite und Unteroffiziere aus den Bezirken Dietikon, Andelfingen, Horgen und Bülach ein. Sie alle haben ihre Militärdienstpflicht erfüllt und sind angereist, um ihr persönliches Armeematerial abzugeben. Aus dem Bezirk Dietikon wurden dieses Jahr 82 Angehörige der Armee aufgeboten.

Die Mehrheit der Soldaten erschien in Uniform. Wer in Zivilkleidern auftauchte, wurde aber nicht bestraft. «Uns geht es darum, sie möglichst schnell und effizient abzurüsten», sagte Major Karl-Heinz Eberli, Projektleiter der Wehrmännerentlassung. Er begrüsse jedoch, wenn die Armeeangehörigen für die Feier, die nach der Materialabgabe stattfindet, noch die Uniform tragen. Schon die Tage zuvor rüstete man in Birmensdorf Soldaten ab: Insgesamt 1569 Männer und 5 Frauen aus dem Kanton Zürich wurden verabschiedet.

Man hat die Soldaten gestaffelt aufgeboten

Eberli und sein Team planen die Entlassungsfeier schon seit einer ganzen Weile: «Etwa ein Jahr vorher beginnen wir mit der Planung. Wir müssen uns beispielsweise früh genug um die Logistik kümmern.» Am Freitag waren 17 Soldaten des kantonalen Betriebsdetachements und 12 Angestellte der Logistikbasis vor Ort, um die Soldaten bei der Abrüstung zu unterstützen. «Da jeden Morgen rund 400 Armeeangehörige ihr Material abgeben, haben wir sie gestaffelt aufgeboten», sagte Eberli. Die ersten trafen schon um 8.15 Uhr ein und mussten anschliessend warten, bis alle andern fertig waren. «Leider gibt es lange Wartezeiten», sagt der Projektleiter. Auch komme es immer wieder vor, dass Armeeangehörige trotz Aufgebot nicht erscheinen. «Jeweils rund vier Prozent der aufgebotenen Soldaten tauchen nicht auf», sagte Eberli. Wer der Wehrmännerentlassung fern bleibt, muss mit einer Busse rechnen.
Bei der Abgabe des Armeematerials wird unterschieden zwischen Material, das abgegeben werden muss, und Material, das behalten werden darf. So dürfen die Soldaten etwa T-Shirts, Hemden und Kampfstiefel behalten, während sie den Helm abgeben müssen. Auch das Gewehr kann man behalten. Dabei müssen jedoch einige Kriterien erfüllt sein. So muss man etwa einen Waffenerwerbsschein beantragen. Jeweils rund sieben Prozent der Armeeangehörigen behalten ihr Gewehr.

Der letzte Tag in Grün weckte Erinnerungen. So erzählte der 28-jährige Wangyal Lang etwa, dass er seinen Militärdienst gemütlich fand. Er sei aber auch froh, dass er das Aufgebot zur Wehrmännerentlassung erhalten habe: «Je früher desto besser.» Weniger Freude am Militär hatte Thomas Weber. Auch er durfte am Freitag sein Material abgeben. «Meine Begeisterung für die Armee hielt sich stets in Grenzen», sagte der 35-Jährige, der 2006 die Rekrutenschule absolvierte. Er gehört zu den Älteren, die verabschiedet wurden. Zudem wohnt er im Kanton St. Gallen. «Ich habe einmal für eineinhalb Jahre in Schlieren gewohnt. Vermutlich musste ich deshalb hierher kommen», sagte er.

Limmattaler Politiker besuchten die Feier

Nach der Abgabe des Materials besammelten sich die Armeeangehörigen für die Entlassungsfeier in der Turnhalle der Kaserne. Ein letztes Mal mussten sie in Reih und Glied strammstehen. Daraufhin richtete SP-Regierungsrat Mario Fehr einige Worte an die Soldaten: «Ich bin stolz, dass wir über 100 Ehrengäste hier haben und die Ehrengäste sind stolz auf Sie.» Er bedankte sich bei den Armeeangehörigen für den Dienst, den sie geleistet haben.
Da 82 Armeeangehörige aus dem Bezirk Dietikon entlassen wurden, waren viele Limmattaler Politiker unter den Gästen. Unter anderem nahmen die Unterengstringer FDP-Gemeinderäte Urs Muntwyler und Yiea Wey Te am Anlass teil. «Es weckt Erinnerungen an meine eigene Entlassungsfeier vor über 25 Jahren», sagte Muntwyler. Te, der im Rang eines Majors noch aktiv Dienst leistet, hat diese noch vor sich: «Wenn ich aus der Armee entlassen werde, bin ich definitiv älter als die Soldaten, die heute entlassen werden.» Auch Johann Jahn (Forum), Gemeindepräsident von Aesch, war älter, als er den Dienst beendet hatte. «Ich habe 1974 die Rekrutenschule absolviert und bin stets Soldat geblieben. Früher wurde man aber erst mit über 40 aus der Armee entlassen», so Jahn. Eine deutlich kürzere Dienstzeit hatte der Schlieremer Parlamentspräsident Walter Jucker (SP): «Mit 25 Jahren ging ich zur Kantonspolizei Zürich. Dadurch musste ich keinen Militärdienst mehr leisten.»
Die Urdorfer Gemeindepräsidentin Sandra Rottensteiner (EVP) findet es wichtig, dass der Einsatz der Wehrmänner und -frauen mit einer Feier gewürdigt wird. Insbesondere habe sie Hochachtung vor Frauen, die Militärdienst leisten. Auch der Dietiker Kantonsrat Josef Wiederkehr (CVP) schätzt den Anlass: «Es ist eine schöne Geste gegenüber den Soldaten.» Er selbst ist Oberst und wird noch bis nächstes Jahr aktiv Dienst leisten.

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Autor

Manuel Reisinger

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