Herr Hoffmann, wenn man wie Sie in einem Gartencenter aufwächst, ist da der berufliche Werdegang bereits vorgezeichnet?

Ralph Hoffmann: Ja und Nein. Als Kinder haben wir im Gartencenter unser Sackgeld verdient. An der Dahlienschau habe ich als 7-Jähriger meiner Tante geholfen, Bratwürste zu verkaufen. Später habe ich an der Kasse gearbeitet. Und am Wochenende gehörte es dazu, in der Gärtnerei mitzuhelfen. So bin ich früh in den Gärtnerberuf hineingewachsen. Ursprünglich wollte ich aber Chemiker werden. 

Warum sind Sie es nicht geworden?

Ich habe gerne verschiedene Substanzen zusammengemischt. Irgendwann gab es dann aber einen Knall und mein Zimmer brannte. Es hat sich danach abgezeichnet, dass der Gärtnerberuf für mich vorbestimmt war. Ich habe dann eine Zierpflanzengärtnerlehre begonnen.

Nachdem Sie sich für eine Gärtnerlehre entschieden haben, war es auch klar, dass sie dereinst das Geschäft übernehmen werden?

So konkret waren die Pläne meines Bruders und von mir zu Beginn noch nicht. Als ich jung war, hatte ich mit den Pflanzen, die ich aus Madagaskar importierte noch ein zweites Standbein, mein Steckenpferd. Während zehn Jahren arbeitete ich nur halbtags im Betrieb. Den anderen halben Tag beschäftigte ich mich mit diesem Madagaskar-Sukkulenten-Thema.

2004 haben Ihr Bruder und Sie das Geschäft dann doch übernommen.

Im Laufe der Jahre haben wir immer wieder nachgehakt, weil wir glaubten zu erkennen, dass wir gewissen Dinge besser machen könnten. Wie ältere Generationen aber sind, hiess es, das könnt ihr dann machen, wenn ihr an der Reihe seit. Da konnten wir es dann kaum abwarten, das Ruder zu übernehmen. 2004 war es soweit, und wir haben begonnen vieles umzustellen.

In einem Familienbetrieb wird von der einen auf die andere Generation auch viel Tradition weitergegeben. Hatten Sie nie ein mulmiges Gefühl, dass diese verloren gehen könnte, wenn Sie alles umstellen?

Nein, im Gegenteil. Wir haben das im positiven Sinne als Weiterentwicklung gesehen. Man darf nicht vergessen, dass wir vor elf Jahren wesentlich flachbrüstiger da standen als jetzt. Heute geht unser Pflanzenbestand am Saisonbeginn in die Millionen.

Wie muss man sich diese Entwicklung vorstellen?

2004 mussten wir viele Gespräche mit Lieferanten führen, beispielsweise als wir ins Bonsai-Geschäft einstiegen. Uns wurde sehr viel Goodwill entgegengebracht. Es hiess dann, das ist die vierte Generation, diese will neue Wege gehen. Wir konnten also Bonsais einkaufen und mussten die Rechnung nicht bereits nach 30 Tagen, sondern erst Ende Jahr begleichen. Wir sind seither jedes Jahr ein bisschen gewachsen. Und der Erfolg gibt uns recht. Allerdings sind diesem Wachstum auch Grenzen gesetzt.

Inwiefern?

Die Platzverhältnisse im Gartencenter sind vorgegeben. Im Dienstleistungsbereich sind wir aber immer noch stark am Wachsen. Wir haben unlängst sechs neue Mitarbeiter eingestellt, weil laufend neue Aufträge reinkommen.

Wie erklären Sie sich diesen Erfolg?

Das hat viel mit dem Fundament zu tun, auf dem wir aufbauen konnten. Schon in jungen Jahren wurde uns eingeprägt, dass die Qualität und die Spezialisierung die wichtigsten Erfolgsfaktoren sind. Ansonsten würden wir nicht lange überleben.

Qualität und Spezialisierung als Rezept gegen die Konkurrenz von Grossverteilern?

Genau. Ein Grossverteiler würde nie auf eine Bonsai-Palette setzen. Dafür hat er weder das Personal noch das Know-how. Solche Nischen sind unsere Chancen. Deshalb wollen wir sie immer weiter ausbauen. Das bedingt, dass wir immer weiter reisen, um spezielle Pflanzen zu suchen. Unser Anspruch ist es, ein Sortiment zu präsentieren, das man in der Schweiz nicht so leicht nochmals findet. Und die Kunden bestätigen uns darin.

Spüren Sie die Konkurrenz der Grossanbieter stark?

Im Vergleich zu einem Grossverteiler bieten wir beispielsweise nicht ein komplettes Sortiment rund um Gartengeräte an. Wir haben uns auf Pflanzen spezialisiert. Der Grossverteiler konkurrenziert uns vor allem im Bereich von kleinen Pflanzen, wie Gewürzen, Sommerflor und Kleinsträuchern. Vergleicht man nun die Sträucher, sieht man schnell, weshalb er bei uns mehr kostet. Wir wissen, dass wir mit diesen Preisen nicht konkurrenzieren können. Also suchen wir die beste Qualität. Bei uns hat eine Forsythie mindestens zehn Triebe, sonst kommt sie nicht ins Sortiment. Unser Kunde hat also mehr von seiner Pflanze. Wobei auch die Dienstleistung hohen Ansprüchen genügen muss.

Sie meinen die Beratung?

Wenn jemand etwas Spezielles kauft, dann hat das seinen Preis. Das bedeutet, dass auch die Beratung stimmen muss. Es gehört aber auch dazu, dass man immer wieder Neues im Angebot hat, damit man interessant bleibt.