Schlieren
Nirgendwo sonst gehen die Schüler sonntags so gern in die Schule

Das Sportangebot «Open Sunday» erzielt 30 Prozent mehr Besucher als anderswo.

Alex Rudolf
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Für 23 000 Franken kommen die «Open Sundays» in die zweite Saison in Schlieren.

Für 23 000 Franken kommen die «Open Sundays» in die zweite Saison in Schlieren.

Chris Iseli/Archiv

Schlieremer Primarschüler sind offenbar wild darauf, sonntags in die Schule zu gehen. Dies taten sie an 14 Sonntagen im vergangenen Winter im Rahmen des Projekts «Open Sunday», das ab Oktober erneut durchgeführt wird. Dafür sprach der Stadtrat erst kürzlich 23 000 Franken. Das Prinzip ist einfach. Das von der Stiftung Idée Sport organisierte Projekt öffnet die Turnhalle des Schulhauses Zelgli an Sonntagnachmittagen. Coaches führen mit den Primarschülern am Nachmittag verschiedene Bewegungsspiele durch.

Aus dem Beschluss der Schlieremer Exekutive geht Bemerkenswertes hervor: So verzeichnen andere Städte und Gemeinden, welche «Open Sundays» durchführen, durchschnittlich 28 Kinder pro Anlass. An den Veranstaltungen in Schlieren, die zwischen Januar und April dieses Jahres durchgeführt wurden, nahmen im Schnitt 22 Knaben und 18 Mädchen teil. Mit insgesamt 40 Primarschülern wird der Schweizer Schnitt um 30 Prozent übertroffen. Aktuell werden die «Open Sundays» an 50 Standorten in der Schweiz durchgeführt, 20 davon befinden sich im Kanton Zürich, elf in Turnhallen der Stadt Zürich. «Aufgrund der Besucherzahlen und der Rückmeldungen kann das Pilotprojekt als Erfolg gewertet werden», so der Stadtrat.

Start bereits im Oktober

Neben dem Schlieremer Stadtrat ist auch die Leitung des Schulhauses Zelgli bereit, die anstehende Saison mitzugestalten. Auch würden Erkenntnisse aus dem Pilotbetrieb in die Neuauflage einfliessen, heisst es weiter. Beispielsweise werde bereits Ende Oktober mit den Veranstaltungen begonnen. Dies, weil zwischen den Herbst- und Weihnachtsferien mehr Teilnehmer zu erwarten seien, so der Stadtrat. Im Gegenzug sollen aber keine Veranstaltungen während der Sportferien und nach Ostern mehr stattfinden, weil dann weniger Kinder die Sporthalle aufsuchen.

Open Sunday im Februar 2016.

Open Sunday: Turnen am Sonntag im Schulhaus Zelgli
8 Bilder
Viele der Kinder kennen sich bereits und treffen sich zum gemeinsamen Austoben
Spiel und Spass steht im Vordergrund der gewählten Teams die Gegeneinander antreten
Leiter Simon Peter erklärt die Regeln und das Programm für den Nachmittag
Ich treffe hier meine Freundinnen meint Alyssa zufrieden
Coaches betreuen die Kinder und sorgen für ein abwechslungsreiches Programm
In den Startllöchern für den Hindernislauf durch die Halle
Eine treue Besucherin der Open Sundays ist die neun jährige Alyssa

Open Sunday: Turnen am Sonntag im Schulhaus Zelgli

Cynthia Mira

Ob die «Open Sundays» definitiv in den Schlieremer Schulkalender aufgenommen werden, ist jedoch nach wie vor offen. Dies werde sich erst im kommenden Frühling zeigen, schreibt der Stadtrat. «Es hängt vom weiteren Erfolg des Projektes und auch von den Kapazitäten der Schulen und der Werkabteilung ab.» Dass noch keine definitive Einführung des «Open Sunday» erfolgt sei, habe ähnliche Gründe wie die Ablehnung gegenüber dem Skatepark, sagt der Schlieremer Werkvorstand Stefano Kunz (CVP). «Derzeit mag das Bedürfnis zwar vorhanden sein. Wie es jedoch in fünf oder zehn Jahren aussieht, weiss man noch nicht.»

Ansturm mangels Alternativen?

Dass in Schlieren durchschnittlich 30 Prozent mehr Schüler an diesen Angeboten teilnehmen als anderswo in der Schweiz, könnte ein Zeichen dafür sein, dass in Schlieren Alternativen für die Jugend fehlen: «Dies kann durchaus so ausgelegt werden», sagt Kunz. Eine andere Erklärung für den grossen Ansturm auf die «Open Sundays» sei aus seiner Sicht jedoch plausibler. «Die Zelgli-Schulleiterin Eveline Marcarini war sehr begeistert vom Projekt und hat die Schüler dementsprechend auf das Angebot aufmerksam gemacht», so Kunz. So würde der Erfolg der «Open Sundays» auch mit der Unterstützung der Lehrerschaft und jener des Werkhofs stehen und fallen.

Für die 18 zwischen Oktober dieses Jahres und April 2017 geplanten Veranstaltungen belaufen sich die Kosten für die Stadt auf 23 000 Franken. Der Grossteil davon wird für das Personal ausgegeben. Der Anteil der Kosten, welche die Gemeinde zu tragen hat, erhöht sich im Vergleich zur ersten Saison um 3700 Franken. Dies sei durch den Wegfall von kantonalen Beiträgen sowie eine Erhöhung der Tarife von Idée Sport zu erklären. In diesem Jahr habe Idée Sport erstmals nach 17 Jahren ihre Stundenansätze von 90 auf 118 Franken erhöht. «Die Differenz zu den Vollkosten von stündlich 140 Franken trägt Idée Sport weiterhin selbst.»