Dietikon
Nils Althaus wagt einen satirischen Blick auf den Advent

Nils Althaus ist als junges Schauspieltalent des Schweizer Films bekannt. Er ist aber auch Liedermacher und Kabarettist. Von diesen Talenten hat er in Dietikon eine Kostprobe gegeben. Im Stadtkeller präsentierte er sein Programm «Apfänt, Apfänt!»

David Hunziker
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Mit weihnachtlicher Besinnlichkeit tut er sich schwer: Nils Althaus. David Hunziker

Mit weihnachtlicher Besinnlichkeit tut er sich schwer: Nils Althaus. David Hunziker

Solothurner Zeitung

Das Adventsprogramm des Berner Liedermachers und Kabarettisten Nils Althaus ist das stimmungsmässige Gegenstück zur vorweihnachtlichen Besinnlichkeit. Weil er sich damit so schwer tue, falle er immer ins Melancholische oder Satirische. Und schon da ist er satirisch, denn von Besinnlichkeit sieht Althaus auch um ihn herum nicht viel: längere Ladenöffnungszeiten, Vollkontaktschlägereien in der Spielwarenabteilung und triefende Jahresabschlussessen. Mit seiner «kritischen, aber nicht blasphemischen» Haltung zieht Althaus durch den heiligsten Monat des Jahres. Am Freitagabend machte er im Stadtkeller Dietikon halt.

Durch sein geschicktes Spiel mit dem Publikum baut Althaus schnell Distanz ab und schon nach kurzer Zeit wirkt er eher wie ein Alleinunterhalter, mit dem alle am Tisch sitzen, als ein Künstler auf einer entfernten Bühne. Ein Fehler im Lied wird so zur zusätzlichen Pointe und ein Kommentar aus dem Publikum zur willkommenen Ergänzung des Programms. Einmal darf sogar jemand etwas vorlesen: Althaus’ Geschenk-Tipp aus dem «Conrad»-Katalog, der die absurdeste Technik präsentiert, ein Rauchwarenmelder mit Stummschaftfunktion. Das ist Nils Althaus, der Komiker.

Althaus erinnert - da und dort - an Mani Matter

Wenn er in Berndeutsch zu singen beginnt, erinnert Althaus da und dort an den grossen Mani Matter. Er besingt alltägliche Unzulänglichkeiten mit Tiefsinn und teilweise einer sanft moralischen Note, wie etwa die Begegnung mit einem widerspenstigen Klebeband, das sich um ihn statt ums Geschenk wickelt und dem Menschen seine Grenzen zu zeigen scheint. Oder mit einer hübschen Dame, der er das Richtige nicht zu sagen getraut. Auch um die Liebe dreht sich das ernsthafteste Stück im Programm, das sich trotz der Melancholie flüssig ins komödiantische Programm einfügt.

Und Althaus setzt noch eines seiner Talente ein, das Schauspielern. Einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde er mit Filmen wie «Breakout», «Happy New Year» oder «Tannöd». Im Dietiker Stadtkeller versucht er sich am Stück «Erna, der Baum nadelt» von Robert Gernhardt, das ihm gleich acht Rollen aufgibt. Althaus imitiert die komischsten deutschen Dialekte einer kleinen Hausgemeinschaft, die sich ab dem Spektakel des nadelnden Baums so entzückt, dass die halbe Welt davon erfährt.

Jesus als Direktor eines Wirtschaftsdepartements

Das Titelstück des Programms «Apfänt, Apfänt!» schliesslich breitet genüsslich den satirischen Ton aus, der das ganze Programm durchzieht. Jesus kommt darin zur Erde zurück und trifft auf den erstaunten Direktor eines Wirtschaftsdepartements.

Da es mit Weihnachten nun vorbei sein soll, kann dieser aber wenig mit dem Heiland anfangen. Im Dezember würden halt die besten Umsätze gemacht. Er bietet ihm einen Deal: Gewinnbeteiligung bei Rückkehr in den Himmel. Weihnachten scheint für Althaus vor allem ein grosser Spass zu sein – wohl, weil er sie nicht ganz ernst nehmen kann.