Ein durchdringendes Quieken ist zu hören. Erschrocken rennt ein Säuli über die Wiese. Es hat Bekanntschaft mit einem Elektrozaun gemacht. Seine 14 Artgenossen kümmert das wenig. Sie wühlen mit ihrem Rüssel genüsslich im Boden. «Die Schweine haben zum ersten Mal Erde unter ihren Füssen. Zuvor lebten sie im Stall, zwar mit Auslauf aber auf Betonboden», sagt der Weininger Bauer Godi Werffeli. Und seine Frau Nicole Werffeli fügt an: «Wir freuen uns jedes Mal auf die Säuli. Es ist schön mitzuerleben, wie sie die Wiese neu entdecken.»

Die Tiere haben gestern auf der Wiese des Ehepaars neben der Regensdorferstrasse oberhalb von Weiningen ein neues 5000 Quadratmeter grosses zu Hause mit Blick auf das Limmattal erhalten. Dazu gehört auch ein kleines Waldstückchen, eine Suhle sowie ein Unterschlupf, der mit Stroh ausgelegt ist.

Für die rund 30 Kilo schweren Schweine ist es aber nur ein zu Hause auf Zeit. Im Juli, wenn die Tiere bis zu 125 Kilo wiegen, kommen sie zum Metzger. Das Fleisch landet aber nicht bei Detailhändlern in den Kühlregalen. 12 der 15 Schweine wurden von Kunden bereits reserviert. Godi Werffeli und seine Frau Nicole stellen seit einem Jahr ihre Wiese für das Projekt «Mein Schwein» zur Verfügung und beherbergen schon zum dritten Mal eine Gruppe Säuli. 

„Mein Schwein“ in Weiningen

Die drei Monate alten Säuli fühlen sich wohl in ihrem neuen Zuhause.

«Intelligente und soziale Tiere»

Bei «Mein Schwein» handelt es sich um eine Aktion, die sich für tiergerechte Haltung und gegen Food-Waste einsetzt. «Schweine sind intelligente und soziale Tiere, die in einem Stall niemals ihre natürlichen Bedürfnisse ausleben können», sagt Fabio Müller. Er gründete das Projekt 2008 in Dägerlen.

«Es begann damit, dass ich selber zwei Schweine auf einer Wiese eines befreundeten Bauers hielt und das gesamte Fleisch für den eigenen Konsum verwendete», sagt Müller. Das habe sich herumgesprochen. Die Nachfrage stieg. Und so kam es, dass er auf diversen Bauernhöfen im Kanton Zürich Schweinewiesen eröffnete.

Derzeit arbeitet er mit fünf Betrieben in Henggart, Kleinandelfingen, Nürensdorf, Rümlang und Weiningen zusammen. Kunden können Anfang und Mitte Jahr ein viertel, ein halbes oder ein ganzes Schwein bestellen und das Fleisch vier Monate später, im Juli oder Dezember, abholen.
«Das Projekt fördert das Bewusstsein für das, was man isst. Es zeigt, woher das Fleisch kommt und wie es produziert wird», sagt Müller. Das Fleisch werde wieder mehr geschätzt.

„Mein Schwein“ in Weiningen

So leben die 15 jungen Säuli auf dem Bauernhof der Familie Werffeli.

«Ich habe Kunden, die sich in der Zeit, in der sie auf das Fleisch warten, bereits Rezepte überlegen. Und dies eben nicht nur für Filets und Koteletts, sondern auch für speziellere Fleischstücke wie etwa Brustspitz oder Voressen.» Zudem schaffe die Aktion wieder einen Bezug zum Bauern und zur Landwirtschaft. «Kunden, die das Fleisch bestellt haben, können die Schweine auch besuchen und dabei dem Bauer konkrete Fragen stellen.»

Von der anfänglichen Zurückhaltung ist ein paar Minuten nach Ankunft der drei Monate alten Säuli nichts mehr zu merken. Sie tollen bereits auf der Wiese herum. Einige inspizieren ihren Schlafplatz und andere sonnen sich. Die Werffelis kümmern sich um die Tiere, während Müller das Marketing, die Kundenbetreuung und die Buchhaltung übernimmt.

Kennen gelernt hat man sich über den gemeinsamen Metzger in Mesikon, der dem Ehepaar von Müllers Projekt erzählte. «Uns gefällt die Idee, dass die Tiere mit Respekt bis zum Tag X behandelt werden», sagt Nicole Werffeli. So könne man mit gutem Gewissen Schweinefleisch essen. Sie hat für Kunden, die es verpasst haben ein Säuli zu reservieren, vorgesorgt. «Wir haben ein Schwein bestellt und bieten einzelne Fleischstücke bei uns im Hofladen an.»