«Nein, noch nicht», sagt Giuliano Broch. Der Leiter Spielbetrieb beim FC Dietikon klingt enttäuscht. Seit Mitte Januar sucht der FC Dietikon per Aufruf auf seiner Website zusätzliche Schiedsrichter. Vier Unparteiische stellt der Limmattaler Verein zwar schon.

Damit haben sie pro Aktivteam einen, so wie es vom Zürcher Fussballverband vorgeschrieben ist – die Juniorenmannschaften sind ausgenommen. Doch im vergangenen Jahr konnte einer der Schiedsrichter nicht jene sechs Spiele pfeifen, die er gemäss Verbandsregeln hätte pfeifen müssen. Dadurch wurde er vom Verband nicht anerkannt. Und der FC Dietikon kassierte eine Busse von 2000 Franken.

«Es ist für uns schwierig mitzuverfolgen, wie viele Spiele unsere Schiedsrichter gepfiffen haben», sagt Broch. «Der Verband bietet die Unparteiischen auf.» Teils ziehe der Verband die Schiedsrichter gar selber zurück. Das passiere aber nur, wenn gewisse Standards nicht eingehalten worden seien, sagt Andreas Baumann, Leiter Abteilung Schiedsrichter beim Fussballverband Region Zürich (FVRZ). «Zum Beispiel, wenn jemand zweimal unentschuldigt nicht zu einem Spiel erscheint oder unsportliches Verhalten zeigt.» Und über die Anzahl Partien, die sie geleitet hätten, seien die Unparteiischen informiert.

Deren Rekrutierung gestaltet sich allerdings schwierig, obwohl der FC Dietikon wie andere Vereine auch die Kosten für die Ausrüstung und den Grundkurs übernimmt. Dieser Grundkurs besteht aus fünf Teilen. Der erste Teil ist ein dreistündiger Eintrittstest, bei dem unter anderem Sprachkenntnisse und die Fitness geprüft werden. Der zweite Teil ist der Hauptkurs, der ein Wochenende dauert. Bei diesem werden vor allem die Regeln erläutert.

Im dritten Teil beobachtet man eine Partie in der Region Zürich, bevor man im vierten Teil selber die Leitung von vier Spielen bei den Junioren übernimmt. Der fünfte Teil schliesslich ist ein obligatorischer Lehrabend bei der Fifa in Zürich. Alles in allem nimmt die Ausbildung etwa drei Tage in Anspruch, plus Spielbeobachtung und -leitung.

Doch gibt es auch bei den anderen Limmattaler Vereinen einen Schiedsrichtermangel? Beim FC Schlieren kennt man dieses Problem nicht: Die Schlieremer haben neun Unparteiische bei sechs Aktivmannschaften, also mehr als genug. «Bei uns herrscht eine Luxussituation», sagt Daniele Santangelo, Verantwortlicher für die Schiedsrichter beim FC Schlieren. Das läge auch daran, dass man ein grosses Netzwerk habe: «Dadurch bekomme ich manchmal Bewerbungen von Schiedsrichtern.» Santangelo räumt aber ein, dass es dieses Problem vor rund zwölf Jahren auch bei den Schlieremern gegeben habe.

«Das wollen wir auf keinen Fall»

Auch beim FC Oetwil-Geroldswil gibt es momentan neun Unparteiische und sechs Aktivteams. «Wir haben viele Junioren und deshalb nie Mühe, Schiedsrichter zu finden», sagt Levent Özpoyraz, Schiedsrichterobmann bei Oetwil-Geroldswil. «Und wenn wir Abgänge haben, schauen wir uns gleich nach Ersatz um.»

Beim FC Urdorf hat man ebenfalls genügend Unparteiische. Doch Heinrich Weidmann, Verantwortlicher für die Schiedsrichter bei den Junioren, räumt ein, dass es schwierig sei, Nachwuchs zu finden: «Das ist tatsächlich ein Problem.»

Beim FC Dietikon hofft man, dass sich noch jemand auf den Aufruf meldet. Denn die Busse von 2000 Franken könnte erst der Anfang gewesen sein. Sollten Broch und die Verantwortlichen bis Sommer nicht genügend Schiedsrichter stellen, würde eine weitere Busse ausgesprochen, die dann höher wäre – wie hoch, hängt allerdings von verschiedenen Faktoren ab. Doch für Broch ist klar: «Das wollen wir auf keinen Fall.»