Dietikon
Niderfeld: Das Quartier richtet sich auf den Park aus

Eine sechs Hektaren grosse Grünfläche soll dereinst das Herzstück des neuen Stadtquartiers Niderfeld in Dietikon bilden. Läuft alles nach Plan, fahren 2022 die ersten Bagger im Niderfeld auf.

Sandro Zimmerli
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Heute ist das Dietiker Niderfeld noch mehrheitlich grün, doch das wird sich in nicht allzu ferner Zukunft ändern.

Heute ist das Dietiker Niderfeld noch mehrheitlich grün, doch das wird sich in nicht allzu ferner Zukunft ändern.

Sophie Rüesch

Bislang war das Niderfeld ein grosses, aber wenig besiedeltes Gebiet im Westen von Dietikon. Nun erhält es ein neues Gesicht – zumindest auf dem Papier. Gestern stellten Stadtpräsident Otto Müller und Stadtplaner Jürg Bösch den Masterplan Niderfeld vor. Dieser zeigt auf, wie sich das mit seinen rund 40 Hektaren Fläche grösste noch zusammenhängende Entwicklungsgebiet des Kantons Zürich dereinst zu einem neuen Stadtquartier entwickeln soll (siehe Boxen rechts). Gleichzeitig bildet der Masterplan die Basis für die kommenden Planungsschritte.

Kernstück des neuen Quartiers ist die Parkanlage, um die sich sämtliche Baufelder anordnen. Diese soll dem Stadtteil ein «prägendes Image» verleihen, wie Bösch erklärte. Erarbeitet wurde der Masterplan aufgrund eines von der Stadt 2012 lancierten Studienverfahrens. Dafür wurden drei international zusammengesetzte interdisziplinäre Planungsteams ausgewählt. Ihre Aufgabe war es, Ideenvorschläge zur städtebaulichen Struktur des neuen Stadtquartiers zu entwickeln. Dabei wurden sie durch eine Fachjury begleitet. In verschiedenen Workshops wurden die Vorschläge mit zahlreichen Beteiligten wie der Stadt Dietikon, dem Kanton und Vertretern der Grundeigentümer diskutiert.

Aus all den Vorschlägen der Teams hat das begleitende Fachbüro nun eine Synthese erarbeitet und die Eckwerte der angestrebten Entwicklung des Niderfelds im Masterplan festgehalten. Dieser «entspricht den neusten Erkenntnissen des Städtebaus», so Müller. Das Ergebnis sei erfreulich; das Niderfeld solle Modellcharakter haben. Neben der Lage des Parks macht der Masterplan unter anderem auch Aussagen zur Erschliessung des Gebiets mit der Limmattalbahn, zum Strassennetz und zur Nutzungsverteilung. Er zeigt auch, dass die bestehenden Einfamilienhäuser ebenfalls ihren Platz im Quartier haben. Entstehen soll so ein möglichst vielfältiges Quartier, in dem dereinst sogar eine Seilbahn Passagiere zwischen der Limmattalbahn-Haltestelle und einer möglichen S-Bahn-Station Silbern auf der anderen Seite der Gleise befördern könnte.

Bis allerdings die ersten Bagger im Niderfeld auffahren werden, wird es noch eine Weile dauern. Bereits im Sommer soll mit der Erarbeitung des rechtsverbindlichen Gestaltungsplans begonnen werden. Laut Bösch wird dies rund zwei bis zweieinhalb Jahre dauern. Parallel dazu muss ein Quartierplan erstellt werden. Dieser ist für die Landumlagerung und die Erschliessung des Niderfelds notwendig. Ziel ist es, dass bis zur Inbetriebnahme der Limmattalbahn um 2022 die ersten Baufelder die Baureife erlangt haben.

Nutzung: Im Westen die Arbeitsplätze, im Norden die Wohnlagen

Für die Stadt ist es wichtig, dass sich das Niderfeld als eigenständiges Quartier positioniert. Dessen prägendes Element ist die Parkanlage (siehe Box unten). Diese wird gemäss Masterplan von verschiedenen Baufeldern umgeben. Innerhalb des neuen Quartiers sind verschiedene Nutzungsformen vorgesehen, die sich auf unterschiedliche Teilgebiete verteilen. Im Westen des Planungsperimeters ist das Arbeitsplatzgebiet geplant. Für ein Logistikcenter der Dietiker Firma Planzer ist im Nordwesten ein Baufeld vorgesehen. Dieses wird von der Mutschellenstrasse und dem Gleisfeld der Ortsgüteranlage der SBB begrenzt. Allerdings ist für die Logistiknutzung ein zum öffentlichen Gestaltungsplan ergänzender Gestaltungsplan notwendig (siehe Box unten). Südlich von diesem Gebiet, an der Ecke Mutschellen- und Überlandstrasse, soll klassisches Gewerbe angesiedelt werden. Im Süden, entlang der Überlandstrasse, ist eine Mischnutzung aus Dienstleistungsbetrieben in den Erdgeschossen und Wohnungen vorgesehen. Die reinen Wohnlagen befinden sich am Nord- und Westrand des Parks. Sie sind vor allem für Familien gedacht. Im Norden, entlang des Gleisfeldes, ist weiterer Wohnraum, allenfalls gemischt mit Büros, vorgesehen. Am Parksüdrand, entlang des Trassees der Limmattalbahn, ist ebenfalls ein gemischt genutztes Quartier vorgesehen. Zudem sind im Masterplan zwei mögliche Schulstandorte aufgezeigt: eines im Süden, im Übergang zum Gewerbegebiet, das andere im Osten gegenüber dem Wohngebiet Gjuch. Letzteres wird wohl im Gestaltungsplan aufgenommen. (zim)

Verkehr: Zwei Haltestellen der Limmattalbahn sind geplant

Gemäss Masterplan soll das Niderfeld einen hohen Anteil an öffentlichem und Langsamverkehr aufweisen. Vorgesehen ist, dass die Limmattalbahn das Gebiet ab etwa 2022 mit zwei Haltestellen («Niderfeld» im Norden und «Maienweg» im Süden) erschliesst. Sollte die Limmattalbahn nicht realisiert werden, würden wohl Busse zum Einsatz kommen, obschon der Regierungsrat festgelegt hatte, dass das Niderfeld mit einem schienengebundenen Verkehrsträger erschlossen werden muss. Die Limmattalbahn wird an der Ecke Badenerstrasse in das Niderfeld fahren, dieses auf einem Boulevard durchqueren und es am Knoten Mutschellenstrasse wieder verlassen. An beiden Haltestellen ist ein öffentlicher Platz vorgesehen. Dort sollen Lebensmittelgeschäfte, Cafés oder andere Einrichtungen angesiedelt werden. Der motorisierte Individualverkehr wird über drei Knoten ans Niderfeld angebunden. Zwei befinden sich an der Überlandstrasse, einer an der Mutschellenstrasse. Von Letzterem aus soll das Arbeitsplatzgebiet erschlossen werden. Die beiden anderen sind zur Erschliessung des Gebiets mit Mischnutzung und jenes mit den Wohnlagen gedacht. Zentrale Achse ist der Boulevard. Für Autos ist er nicht durchgehend befahrbar. Damit soll Schleichverkehr durch das Quartier verhindert werden. Im gesamten Gebiet ist ein flächendeckendes Tempo-30-Regime geplant. Zudem wird das Niderfeld durch ein dichtes Netz an Fuss- und Radwegen erschlossen. (zim)

Erholungsgebiet: Das Limmattal erhält einen Central Park

Herzstück des neuen Stadtgebiets ist der sogenannte Central Park. Seine Fläche umfasst rund sechs Hektaren. Das sind zwei Hektaren weniger als in der Bau- und Zonenordnung vorgegeben. Ausgeglichen wird dies durch weitere Grünräume im Quartier. Der Park soll einerseits als Erholungsraum für das Quartier dienen und andererseits die Funktion eines Stadtparkes übernehmen. Ziel ist es, dass er von verschiedenen Gruppen genutzt wird. Unter anderem ist vorgesehen, den Teischlibach zu renaturieren. Geplant sind zudem grössere Wiesenflächen. Bei Bedarf könnten auch Sportanlagen für den potenziellen Schulstandort in den Park integriert werden. Denkbar wäre etwa auch ein Quartierzentrum. Der Park wird von Baumreihen eingefasst sein. Weitere solcher Alleen sind entlang der wichtigsten Verkehrsachsen im Niderfeld sowie entlang der Überlandstrasse vorgesehen. Die bestehenden Familiengärten im Osten und Südosten sollen gemäss Masterplan soweit als möglich erhalten werden. Im nordwestlichen Parkbereich könnten neue Familien- und Gemeinschaftsgärten so gestaltet werden, dass sie Teil des offen zugänglichen Parks sind. Sie würden den Bewohnern für Projekte im Bereich des Urban Gardening zur Verfügung stehen. Kleinere Sportplätze, etwa eine Skateanlage oder Bike Trails sind Gebiet der Gleise möglich. Grundsätzlich sollen sämtliche Freiräume einen Beitrag zur Förderung der Biodiversität leisten. (zim)

Logistik: Quartier soll vor Lärm geschützt werden

Im Nordwesten des Niderfelds ist eine Parzelle für ein Logistikzentrum der Firma Planzer reserviert, da der jetzige Standort im Silbernquartier nicht genug Platz bietet. Damit dieses realisiert werden kann, ist zum öffentlichen Gestaltungsplan ein ergänzender Gestaltungsplan notwendig. Wie Bernhard Ruhstaller, Geschäftsführer des Vereins der Grundeigentümer im Niderfeld, gestern sagte, hätte man lieber alles in einem einzigen Gestaltungsplan festgelegt. Ansonsten sei man grundsätzlich zufrieden mit dem Masterplan. Zudem hat sich Planzer an diverse Vorschriften zu halten. So ist etwa die bebaubare Fläche auf rund 70 000 Quadratmeter begrenzt. Die Erschliessung der Ortsgüteranlage muss zudem über das Logistikgebiet selber erfolgen, also von der Mutschellenstrasse her. Heute kann diese Parzelle via Überland- und Güterstrasse erreicht werden. Diese Anbindung soll künftig jedoch nur noch als Erschliessungsstrasse für das geplante, nördlich des Parks gelegene Wohngebiet fungieren. So werden Anwohner nicht vom Transportverkehr belästigt. Auf der nördlichen Seite der Wohnzone planen die SBB bei der Ortsgüteranlage ein Cargo-Verteilzentrum für die Region. Wie diese Pläne genau aussehen, wisse man zwar noch nicht. Stadtpräsident Otto Müller versichert jedoch, dass sich die Stadt dafür einsetzen werde, dass ein späterer Ausbau der SBB-Anlage zu einem Gateway von nationaler Bedeutung keine Option wird. (aru)