Schweizer sind nicht gerade für ihren Humor bekannt. Ausser Emil Steinberger haben es nur wenige geschafft, über die Landesgrenzen hinaus Menschen zum Lachen zu bringen. Nun will ein Urdorfer frischen Wind in die hiesige Comedy-Szene bringen: Nico Grüniger feiert am kommenden Samstag in Urdorf seine Premiere vor grossem Publikum. Er spricht schnell und viel. Seine grossen, wachen Augen signalisieren, dass er stets Ausschau nach der nächsten Pointe hält. Angestrengt wirkt er dabei nicht, viel eher geniesst er seine Rolle.

Seinen Humor bezeichnet der 32-Jährige selber als direkt und bisweilen gar derb. «Auf Verkleidung oder das Spielen von Charakteren verzichte ich», so Grüniger. Auf der Bühne sei er sich selbst mit einem Barhocker und einem Mikrofon in der Hand. Das ist alles. Diese simple Form der Stand-up-Comedy ist im englischsprachigen Raum verbreiteter als auf dem europäischen Festland.

Hier bedienen sich Komödianten traditionellerweise eher der Sketches oder des Schlüpfens in andere Charaktere als Unterhaltungsmittel. «Ich erzähle aus meinem Leben und und teile meine Gedanken dazu mit. Jeder kann sich damit identifizieren», sagt Grüniger. Seine Vorbilder finden sich eher im nordamerikanischen Raum. Lustig findet er beispielsweise Russel Peters, einen Kanadier. Doch auch der deutsche Comedian Mario Barth habe für seine Leistungen viel Respekt verdient. «Stand-up-Comedy ist etwas sehr Individuelles. Jeder ist auf seine eigene Art und Weise lustig. Die Schwierigkeit ist, diese Lustigkeit auf einer Bühne per Knopfdruck rauszulassen.»

Schweizer sind verklemmt

Dass seine Form der Comedy in der Schweiz noch nicht recht Fuss fassen konnte, erklärt er sich mit der humoristischen Tradition des Landes: «Emil Steinberger feierte mit seinen Sketches und Imitationen grosse Erfolge. Das hat sich in die DNS der Bürger eingebrannt.» Auch seien die Schweizer verklemmt: «Zeigt man viel von seinem Innenleben auf der Bühne, fassen das manche als zu offensiv auf.»

Der gebürtige Urdorfer ist gelernter Landschaftsgärtner und heute diplomierter Polier. Er wohnt in Regensdorf, da er in Zürich Affoltern arbeitet. Er sei in seinem Umfeld schon immer als einer bekannt gewesen, der gut Geschichten erzählen kann. «Der Aufbau einer Pointe liegt mir», sagt er. Doch sind es nicht klassische Witze, die er in seinem Programm zum besten geben wird. «Viel eher erzähle ich Geschichten, die lustige Elemente beinhalten.» Das Themenspektrum ist breit. So nimmt er beispielsweise junge Eltern auf die Schippe: «Alle finden, ihre Sprösslinge seien die Schönsten und die Klügsten», sagt er lakonisch. Dabei habe er festgestellt, dass dumme Eltern auch dumme Kinder haben: «Das Problem dabei ist: Dumme Menschen bekommen eher Kinder, weil sie mehr Freizeit haben als die Klugen.» So lautet seine Erklärung, warum die Jugend von Generation zu Generation dümmer wird.

Auch sein Singleleben nimmt Grüniger kritisch unter die Lupe: «Das Zurechtfinden in der Singlewelt ist eine Quelle für unterhaltsame Geschichten.» So sei er erst kürzlich aus einer längeren Beziehung gekommen. «Viele Frauen sagen, dass sie Männer mit Humor suchen. Da ich noch immer single bin, glaube ich schon, dass die einen oder anderen Damen der Schöpfung bei diesem Punkt ein wenig flunkern.»

Auch am Thema Ausländer findet der Comedian Gefallen. Er denkt, dass es hier in der Schweiz mehr davon braucht: «Kommen keine Ausländer in die Schweiz, dann haben wir bald keine brauchbaren Sportler mehr.» In diesem Sinne würde er die Schweizer Grenzen für alle Nationen der Erde öffnen, solange sie gute Sportler sind.

Nur ein Thema lässt Grüniger aussen vor: die Politik. «Davon habe ich keine Ahnung, und ich finde, nur Leute, die etwas davon verstehen, sollten über Politik sprechen.» Das gelte auch für Politiker, denn die sollten erst recht nur dann den Mund auf machen, wenn sie etwas vom Thema wissen.

Bisher fanden Grünigers Auftritte im kleinen Rahmen statt. Vor Freunden und Bekannten bin ich schon für rund eine Viertelstunde aufgetreten. «Ein einstündiges Programm zu füllen, ist aber bereits eine ganz andere Liga. Man muss unglaublich viel reden.» Seinen Stoff findet er im Alltag: Fällt ihm etwas Lustiges auf oder hört er ein Gespräch mit, dann schreibt er diese Dinge auf. Ein Skript zu seiner Show gibt es aber nicht. Er arbeitet mit Stichworten und Themenblöken. «Würde ich mein Programm Wort für Wort vorbereiten und einstudieren, fehlte die Unmittelbarkeit und Authentizität», sagt er. Stand-up-Comedy müsse immer auch etwas Spontanes haben und die Stimmung des Publikums aufnehmen.

«Stand-up By Nico» Das Comedy-Debüt von Nico Grüniger samt Special Guest. Samstag, 3. Oktober, um 19 Uhr im Embrisaal in Urdorf. Eintritt frei.