Kantonsschule Limmattal

Nichtbestehensquote in der Probezeit: «Integration von Sek-Schülern ist wichtig»

Die Nichtbestehensquote der Schüler des Kurzzeitgymnasiums konnte gesenkt werden, sagt Werner De Luca, Rektor der Kantonsschule Limmattal.

Die Nichtbestehensquote der Schüler des Kurzzeitgymnasiums konnte gesenkt werden, sagt Werner De Luca, Rektor der Kantonsschule Limmattal.

Massnahmen zur Bekämpfung der hohen Austrittsquote zeigen bereits Wirkung.

Die Zürcher Bildungsdirektorin Silvia Steiner (CVP) zeigte sich diese Woche besorgt. Laut einer Studie haben die Austritte nach der Probezeit an Zürcher Kurzgymnasien im letzten Jahrzehnt markant zugenommen. Zwar lasse sich nicht genau sagen, ob das grosse Alternativangebot auf dem Lehrlingsmarkt, die Zulassungsprüfung oder die Probezeit der Grund für diese Tendenz seien, so Steiner. Doch kamen teils grosse regionale Unterschiede zutage.

An Orten, die eine hohe Ausländer- und Sozialhilfequote sowie eher tiefe Einkommen aufweisen, bestehen mehr Schüler die Probezeit nicht. Auch haben Schüler, die nicht Deutsch als Muttersprache haben, schlechtere Karten, so die Kernaussage. An der Kantonsschule Limmattal (KSL) in Urdorf hat man das Problem der Austritte seit längerem erkannt. Die getroffenen Massnahmen zeigen Wirkung, wie Rektor Werner De Luca im Gespräch sagt. Trotzdem spiele der Standort einer Schule eine gewisse Rolle beim Erfolg ihrer Schüler.

Herr De Luca: Mit 23 Prozent weist die KSL im Zeitraum zwischen 2006 und 2016 mit die höchste Austrittsquote bei Schülern des Kurzzeitgymnasiums auf. Bereitet Ihnen dies Sorgen?

Werner De Luca: Sorgen nicht, aber wir hatten und haben stets ein Augenmerk auf diesen Umstand. Bereits für das aktuelle Schuljahr ist diese Ziffer in unserer Schule markant gesunken und liegt derzeit bei rund 13 Prozent, was im kantonalen Vergleich ein Durchschnittswert ist. Dies zeigt: Der Wert unterliegt grossen Schwankungen. Die Ausfallquote im Langzeitgymnasium liegt im aktuellen Jahr bei 8 Prozent, was vergleichsweise tief ist.

Wie haben Sie diese Senkung bewerkstelligt? Zumal der Grund für eine hohe Austrittsziffer beim sozialen Milieu der Schüler gesucht wird.

Dieses spielt sicherlich auch eine grosse Rolle. Die Höhe des Anteils an fremdsprachigen Schülern erklärt einen Teil dieser Unterschiede zwischen den Zürcher Gymnasien. Der Standort einer Schule spielt eine gewisse Rolle beim Erfolg ihrer Schüler. Doch gibt es auch andere Faktoren, wie etwa Schüler, welche die Mittelschule freiwillig verlassen, weil sie sich für einen anderen Weg entschieden haben.

Welche Massnahmen haben Sie konkret ergriffen?

Wir verstärkten unsere Bemühungen zur Integration von Sek-Schülern. Wir wollten ihnen den Übertritt in die Kantonsschule Limmattal erleichtern. Die Arbeitsgruppe VSGYM dient hierbei als Austauschgefäss. Nach dem Eintritt in die KSL bieten wir Hilfestellungen in Lerntechnik und Förderlektionen beispielsweise in Mathematik, in welchen gewisse Inhalte nochmals repetiert werden. Auch Informationen für Eltern und Unterstützung in Sachen Lerntechniken sind enthalten. Zudem wurde unsere Lehrerschaft auf die Problematik eines Übertritts sensibilisiert und begleitet die Schüler nun enger. Fachschaftübergreifend wurden darüber hinaus Anpassungen am Lernstoffplan gemacht, da die Sek-Schüler nach dem Übertritt ins Gymnasium gewisse Lücken aufweisen.

Welche?

Beispielsweise sind Inhalte aus den Bereichen Physik, Chemie und Biologie in der Sekundarschule im Fach «Mensch und Umwelt» zusammengefasst. Im Gymi werden diese Inhalte jedoch bereits ab dem ersten Jahr als eigene Fächer behandelt. Sie sehen, diese Lücken sind gewissermassen systembedingt und nicht, weil die Schüler oder ihre Lehrpersonen schlecht gearbeitet haben. Wir wollen die Sek-Schüler bei uns integrieren, und dies nicht erst seit der Veröffentlichung dieser Studie.

Doch auch im Langzeitgymnasium gibt es Herausforderungen zu meistern. So wurden die Kriterien für die Aufnahmeprüfung aus Spargründen verschärft. Ziel war es, dass weniger Schüler aufgenommen werden.

Dabei handelt es sich um einen Auftrag des Regierungsrates, den die Verantwortlichen für die Aufnahmeprüfungen umsetzen – dies ist legitim. Persönlich bin ich der Auffassung, dass nicht primär ökonomische Überlegungen, sondern die Leistung der Schüler über den Zutritt zum Gymnasium entscheiden sollten.

Die Jurierung des Architekturwettbewerbs für die Erweiterung der KSL läuft bereits. Wird dem Projekt mit einer Senkung der Schülerzahlen nicht die Legitimation entzogen?

Das voraussichtliche Bevölkerungswachstum der Region Limmattal lässt keinen Zweifel daran, dass diese Erweiterung notwendig ist. Dies zeigen auch die Zahlen der letzten beiden Jahre, in denen jeweils mehr Schüler ins Kurz- und Langzeitgymnasium der KSL aufgenommen wurden als im jeweiligen Vorjahr. Die Annahme von 1100 Schülern im Jahr 2040, während es aktuell rund 750 sind, ist also realistisch.

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