Kein Kandidat, über 200 vereinzelte Stimmen und über 2000 leere Wahlzettel: So verlief die Wahl für den freien Sitz in der reformierten Bezirkskirchenpflege (siehe Ausgabe von gestern). Die Wahl hatte Seltenheitswert. «Ich bin seit 2009 Schreiber des Bezirksrats und habe noch nie eine Wahl ohne Kandidaten erlebt», sagte gestern Stephen Bosshard.

Am Sonntag fiel auf, dass Unterengstringen darauf verzichtete, das kommunale Resultat bekannt zu geben. Und dass sich der Kanton – anders als bei der Bülacher Bezirkskirchenpflegewahl – nicht zum Limmattaler Bezirksresultat verlauten liess, da die Dietiker Bezirksratskanzlei dieses noch nicht freigegeben hatte.

Es ist aber nichts schiefgelaufen. Da der Bezirksrat und nicht die Gemeinde wahlleitende Behörde war, habe man in Anbetracht des Resultats auf die Bekanntgabe des Teilresultats verzichtet, erklärt der Unterengstringer Gemeindeschreiber Pascal Brun. Auf Anfrage der Limmattaler Zeitung wurde das Resultat gestern veröffentlicht (144 leere Wahlzettel und 22 vereinzelte Stimmen). Auch Bezirksratsschreiber Bosshard gibt Entwarnung. Da nur leere Wahlzettel und vereinzelte Stimmen resultierten und die Vereinzelten weit entfernt vom absoluten Mehr waren, habe dem Bezirksresultat sowieso die Aussagekraft gefehlt.

Wahlzettel für Nicht-Berechtigte

Speziell war die Bezirkskirchenpflegewahl auch in Bezug auf die Gemeinde Oberengstringen. Die dortige reformierte Kirche gehört seit 1. Januar zur reformierten Kirchgemeinde der Stadt Zürich, entsprechend waren die reformierten Oberengstringerinnen und Oberengstringer nicht wahlberechtigt. Trotzdem wurden auch ihnen die Wahlzettel zugesandt, denn die wahlleitende Behörde, in diesem Fall der Bezirksrat, stellte diese der Gemeinde Oberengstringen zu. Als die Wahl vorbereitet wurde, war Oberengstringen schliesslich noch Teil der reformierten Kirche im Bezirk Dietikon. Für Verwirrung hat das aber offenbar nicht gesorgt. «Wir erhielten dazu keine Anfragen aus der Bevölkerung», sagt der Oberengstringer Gemeindeschreiber Matthias Ebnöther. «Am Abstimmungssonntag haben wir die Wahlzettel entgegengenommen, aber nicht ausgezählt», sagt Ebnöther. Mehrere hundert Wahlzettel seien eingegangen. Viele seien mit viel Fantasie ausgefüllt worden. «Wir haben gesehen, dass auch der ehemalige Papst Benedikt Stimmen erhalten hat», so Ebnöther. Unter vorgängiger Absprache mit dem Bezirksrat und dem Gemeindeamt werde Oberengstringen wie üblich alle Wahlzettel aufbewahren, bis das Wahlergebnis in Rechtskraft erwachsen ist.

Sobald eine Kandidatur für den fünften Sitz in der Bezirkskirchenpflege feststeht, soll ein zweiter Wahlgang stattfinden, voraussichtlich im Herbst.