Limmattal
Nicht nur zusammenwachsen – Verein will regionales Wachstum lenken

Zwei Kantone und 13 Gemeinden schliessen sich dem Verein «Regionale Projektschau Limmattal» an. Eines seiner Ziele sei es, der zunehmenden Skepsis gegenüber dem Wachstum entgegenzutreten, sagt der Aargauer Regierungsrat Stephan Attiger.

Florian Niedermann
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Zwei Kantone und 13 Gemeinden schliessen sich im Verein «Regionale Projektschau Limmattal» zusammen: Gründungsversammlung des Vereins im Restaurant «Zu den zwei Raben» beim Kloster Fahr. (fni)

Zwei Kantone und 13 Gemeinden schliessen sich im Verein «Regionale Projektschau Limmattal» zusammen: Gründungsversammlung des Vereins im Restaurant «Zu den zwei Raben» beim Kloster Fahr. (fni)

Die Limmat verbindet als grünes Band eine Region, die zu den dynamischsten der ganzen Schweiz gehört: Rund 300 000 Menschen leben bereits heute zwischen Zürich und dem Wasserschloss bei Turgi-Untersiggenthal, wo der Fluss in die Aare mündet. Bis 2050 könnten die Bevölkerungszahlen in den Gemeinden und Städten in diesem Raum um ein Drittel ansteigen – damit verschmilzt der Siedlungs- immer mehr zu einem einzigen grossen Lebensraum. Um diese Entwicklung grenzübergreifend in die richtigen Bahnen lenken zu können, haben die Kantone Aargau und Zürich zusammen mit mehr als 13 Gemeinden und Städten in der Region den Verein «Regionale Projektschau Limmattal» aus der Taufe gehoben. Am Montagabend fand im Restaurant «Zu den zwei Raben» beim Kloster Fahr die offizielle Gründungsversammlung statt.

Es sei ein «Leuchtturmprojekt» mit landesweiter Ausstrahlung, das hier aufgegleist werde, erklärte Martin Tschopp vom Bundesamt für Raumentwicklung (ARE) den über 30 Behördenvertretern an der Versammlung: «In Zukunft wird das Denken in grenzübergreifenden Räumen in der Schweiz immer wichtiger. Eine Projektschau, wie sie das Limmattal nun schaffen will, gab es bisher noch nicht.»

Der Aargauer Regierungsrat Stephan Attiger resümierte kurz, weshalb die gemeinsame Planung der beteiligten Gemeinden und Kantone so wichtig ist. In der Boomregion Limmattal werde das Wachstum nicht mehr nur positiv aufgenommen, sagte er: «Umso wichtiger ist es, dass wir eine gute Planung der Siedlung, des Verkehrs und der Erholungsräume ermöglichen.» Und die ehemalige FDP-Kantonsrätin Brigitta Johner, welche die Vereinsmitglieder an der Gründungsversammlung zu ihrer Präsidentin wählten, ergänzte in ihrer Antrittsrede: «Wir müssen den Raum, in dem wir leben, selbst gestalten. Sonst wird er gestaltet und im schlimmsten Fall gar verunstaltet.»

Kommendes Jahr wird es konkret

Doch was will dieser Verein konkret? Im Konzept der «Projektschau» steht, dass der Verein «grenzübergreifende Projekte mit Modellcharakter für die Menschen im Limmattal» initiieren, realisieren und präsentieren wolle. Dazu will man die Kräfte der Mitgliedergemeinden bündeln und die Zusammenarbeit auf kommunaler, kantonaler und nationaler Ebene verstärken. Schliesslich will der Verein auch eine regionale Identität, ein Zugehörigkeitsgefühl der Bevölkerung zum gemeinsamen Lebensraum schaffen und die Ausstrahlung der Region verbessern. Konkrete Projekte konnte Vereinspräsidentin Johner am Montag noch keine nennen. «Wir wollen zunächst den Verein fertig aufbauen. Die ersten Ideen werden wir im Verlauf des kommenden Jahres präsentieren.»

In seinem Konzept führt der Verein unter den drei Haupthandlungsfeldern «Gesellschaft von morgen», «Infrastruktur der Zukunft» und «Agglopark im Fluss» dann aber doch einige Ansätze auf, die eine ungefähre Vorstellung davon vermitteln, in welche Richtung es gehen könnte. So werden dort als Projektideen unter anderen ein Festival der Kulturen, die Stärkung der Ortszentren oder ein nicht weiter ausgeführtes Vorhaben mit dem Titel «Landwirtschaft beflügelt Naherholung» genannt.

Verein will Private einbinden

Die «regionale Projektschau» unterscheidet sich klar von Planungsgremien mit gesetzlichem Auftrag wie etwa Baden Regio oder der Zürcher Planungsgruppe Limmattal (ZPL). Ihr Verein sei freier und ziele insbesondere auch darauf ab, private Akteure und Institutionen sowie die Standortförderungen einzubinden, erklärte Johner.

Angelegt ist die «Projektschau» auf einen Zeithorizont von zehn Jahren. 2019 sollen erste Projekte lanciert und eine Erfolgskontrolle durchgeführt werden. Die Gesamtkosten für die ersten fünf Jahre beziffert der Verein auf 2,2 Millionen Franken, wovon die beiden Kantone Zürich und Aargau je 900 000 Franken beisteuern. Die Gemeinden und Städte beteiligen sich ab 2016 mit einem Beitrag von jeweils 50 Rappen pro Einwohner jährlich. So bezahlt die Stadt Dietikon kommendes Jahr beispielsweise 13 500 Franken.

Bisher sind dem Verein erst 13 Gemeinden und Städte beigetreten. In den kommenden Monaten soll er aber noch wachsen. Der Zürcher Baudirektor Markus Kägi erklärte am Montag, dass insbesondere Gemeinden rechts der Limmat teilweise noch skeptisch seien, was den Nutzen der «Regionalen Projektschau» für ihre Bevölkerung angehe: «Wenn der Verein erst einmal aktiv wird, werden aber sicher viele Gemeinden beitreten, die bisher abgewartet haben», sagte er.