Alt und arbeitswillig
Nicht nur Schulen zählen auf Senioren

So geben pensionierte Limmattaler ihr Wissen ausserhalb des ehemaligen Arbeitgebers weiter.

Alex Rudolf
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Fahrweider Sprachtalent: Wolfgang Honold will unterrichten.

Fahrweider Sprachtalent: Wolfgang Honold will unterrichten.

Alex Rudolf

Der 80-jährige Wolfgang Honold spricht Deutsch, Englisch, Italienisch, Spanisch, Portugiesisch, Französisch und Russisch. Früher arbeitete er – unter anderem – als Übersetzer. Nun sucht er eine neue Herausforderung: Gerne würde er seine Sprachkenntnisse Kindern im Vorschulalter weitergeben, wie er sagt. «Ich habe mir schon mehrere Möglichkeiten überlegt, wie man dies spielerisch machen könnte.» Diese didaktischen Ideen übermittelte er der Primarschule Geroldswil-Oetwil und hofft nun, dort bald Tiere, die in den unterschiedlichsten Sprachen beschriftet werden, an die Wandtafel eines Klassenzimmers malen zu können. «Ob der Bedarf danach besteht, weiss ich nicht – in diesem Alter sind Kinder aber am empfänglichsten für das Lernen von Fremdsprachen», so Honold. Privat hat sich dies ausgezahlt: Seine beiden Kinder sind nach eigenen Angaben fünfsprachig.

Heute engagieren sich im Kanton Zürich knapp 850 Seniorinnen und Senioren im Rahmen des Projekts «Generationen im Klassenzimmer» der Pro Senectute. Im Jahr 2010 waren es noch gut 800. Fünf der insgesamt 85 Partnerschulen liegen im Bezirk Dietikon (Oberengstringen, Oetwil, Schlieren, Urdorf und Weiningen). Durchschnittlich würden Senioren rund fünf Jahre regelmässig in den Klassenzimmern von Primar- und Oberstufenschulen sowie im Kindergarten mit anpacken, wie die Projektverantwortliche Ariane Schwickert auf Anfrage sagt. «Ob beim Rechnen, Lesen oder Vorlesen: Mit diesem Engagement helfen die Freiwilligen mit, das Verständnis zwischen den Generationen auszubauen.» Aber auch spielen die Interessen der Senioren eine wichtige Rolle: Wer handwerklich begabt ist, unterstützt im Werkunterricht, Sprachtalente üben das Schreiben mit den Kleinen.

Unterengstringer Gemeindepräsident René Rey hilft in Mathematik.

Unterengstringer Gemeindepräsident René Rey hilft in Mathematik.

Mario Heller

Rentner bieten ihr Wissen an

Nicht nur die Pro Senectute bietet Senioren die Möglichkeit, im Klassenzimmer zu helfen – einige Schulen organisieren die Zusammenarbeit mit Senioren selbst. So auch die Schule Unterengstringen. Deren prominentester Senior im Klassenzimmer dürfte wohl der Gemeindepräsident sein. René Rey geht bereits seit mehreren Jahren jeden Mittwochmorgen ins nahegelegene Schulhaus Büel und hilft beim Rechnen.

Doch nicht nur im Schulunterricht braucht es Senioren, die mitanpacken. Auf der Internet-Plattform «Rent a Rentner» bieten Hunderte von Senioren ihre Dienste an. Besonders viele Angebote gibt es in den Bereichen Administration, Computer und Internet sowie Haushalt. Aber auch Rechtsberatungen und Musikunterricht werden auf der Plattform von Senioren angeboten.