Aufwendige Choreografien, kreative Gesänge, bedingungslose Unterstützung - die Kurve ist das Herzstück des Fussballstadions. Dort steht der harte Kern der Fans, jene, die auch lange Auswärtsfahrten nicht scheuen. Sie sorgen für die Stimmung im Stadion. Mit ihren Ritualen und Gesängen haben sie eine eigene Fankultur etabliert.

Angesichts verschiedener, auch gewalttätiger Vorfälle rund um Fussballspiele ist diese Kultur arg in Verruf geraten. Vielerorts gelten Fussballfans als Gewalttäter, die den Fussball als Vorwand nehmen, um sich zu prügeln. Diesem Bild seiner Fans will die Fansozialarbeit des FC Zürich mit einer Wanderausstellung entgegentreten. Von nächstem Mittwoch bis zum Freitag gastiert die Ausstellung mit dem Titel «Mir sind alli Fans!» im Schlieremer Jugendraum Kube.

Überblick über Thema Fankultur

«Über Fussballfans existieren viele Vorurteile. Bei meinen Besuchen an Schulen stelle ich immer wieder fest, dass die Fankurve mit Hooligans und Schlägereien gleichgesetzt wird», sagt Roman Castillo, Fansozialarbeiter beim FC Zürich. Ziel der Ausstellung sei es, den Jugendlichen einen Überblick über das Thema Fankultur zu verschaffen, damit sie sich differenziert damit auseinandersetzen können. «Viele Jugendliche haben den Eindruck, das Fussballstadion sei ein Ort, um sich zu prügeln. Tatsächlich gibt es manchmal Probleme mit Leuten, die speziell zu den grossen Spielen erscheinen, in der Hoffnung sich dort einen Kick zu holen», so Castillo. Dieses Bild wolle man mit der Ausstellung revidieren.

«Wir zeigen beispielsweise ein Video mit den schönsten Choreografien der Südkurve», hält Castillo fest. An einer Audiostation könnten sich die Besucher Fangesänge anhören. «So zeigen wir den Jugendlichen das kreative Potenzial der
Fankultur», so Castillo. Zudem würden viele Bilder gezeigt und Begriffe wie Ultras, Hooligans oder Pyros erklärt. «Die Darstellung der Fanszene in den Medien wird ebenfalls Bestandteil der Ausstellung sein», sagt Castillo.

Schlieren wird erst der dritte Ort sein, an dem die Ausstellung gezeigt wird. Trotzdem hat Castillo bislang gute Erfahrungen mit dem Projekt gemacht. «Die Ausstellung richtet sich speziell an ältere Jugendliche, auch solche, die bislang mit Fussball nicht viel am Hut hatten. Aber gerade mit jungen Leuten, die schon im Stadion waren, haben sich gute Diskussionen ergeben», so Castillo. Sie würden viele Fragen stellen, beispielsweise wie die Eingangskontrollen funktionieren oder was mit Leuten geschehe, die mit Pyromaterial erwischt werden. «In solchen Gesprächen kann man viele Vorurteile abbauen und den Jugendlichen erklären, wie die Fankurve funktioniert», hält Castillo fest.

Besonders die Geschichte mit der «Stüehl-use»-Aktion der FCZ-Fans sorge für Erstaunen. «Viele wissen zwar, dass die Fans in der Südkurve während eines Spiels die Sitze abmontiert haben, um auf ihr Anliegen nach Stehplätzen in der Kurve aufmerksam zu machen», sagt der Fansozialarbeiter. Was die meisten aber nicht wüssten, sei die Tatsache, dass die Fans drei Tage später die Sitze wieder montiert hätten, um dem FC Zürich nicht zu schaden und eine politische Lösung zu ermöglichen.

Hoffen auf gute Diskussionen

Auch in Schlieren hofft man auf gute Diskussionen. «Wir wurden von der Fansozialarbeit angefragt, ob wir bereit wären, die Ausstellung bei uns zu beherbergen», sagt Christoph Hak, Leiter der Fachstelle Jugend der Stadt Schlieren. In Schlieren gebe es viele friedliche jugendliche FCZ-Fans, die auch regelmässig ins Stadion gingen und in der Südkurve stünden. «Es gibt aber auch solche, die an Spieltagen beim Bahnhof Altstetten stehen, wo die Auswärtsfans ankommen. Die Jugendlichen hoffen, dass es dann Action gibt», so Hak. Deshalb erachte er es als gute Idee, das Thema Fankultur in einem solchen Rahmen zu diskutieren. «Ich hoffe, dass wir den Jugendlichen so aufzeigen können, was es heisst, Fan zu sein.»

Die Ausstellung im Jugendraum Kube dauert vom 23. bis zum 25. Januar. Sie ist an allen drei Tagen jeweils von 15 bis 18 Uhr geöffnet.