Reformierte Kirche Dietikon

Die Reformation war auch für die Kirchenmusik eine Revolution – was das mit der Sprache zu tun hat

Bass-Sänger Tobias Schmid und Sopranistin Regina Meyer sangen «Gott, der Herr ist Sonn’ und Schild» im Duett. Ly Vuong

Bass-Sänger Tobias Schmid und Sopranistin Regina Meyer sangen «Gott, der Herr ist Sonn’ und Schild» im Duett. Ly Vuong

Der Kirchenchor steckte viel Zeit und Mühe in die Vorbereitung seines Konzerts zum Reformationsjubiläum.

Die Musik spielte eine wichtige Rolle bei der Verbreitung des Gedankenguts der Reformation. Das sagte André Lichtler, Dirigent es reformierten Kirchenchors am Sonntag anlässlich eines Konzerts zum Reformationsjubiläum. «Die Musik wurde zugänglicher für das breite Volk, weil die Liedtexte nicht mehr auf Latein, sondern auf Deutsch gesungen wurden», so Lichtler. Auch Kirchenchor-Präsidentin Doris Müller betonte im Konzertprogramm die Wichtigkeit der Musik für die Reformation.

Um die Tatsache zu feiern, dass Martin Luther vor 500 Jahren am 31. Oktober 1517 mit seinen Thesen die Reformation einläutete, sang der Kirchenchor drei Bach-Kantaten. Begleitet wurde er vom Limmattaler Kammermusikkreis, der Organistin Elisabeth Berner sowie drei Solisten. Der Auftritt in der gut gefüllten reformierten Kirche war Teil der Reformationsfeierlichkeiten im Kanton Zürich, die mit vielfältigen Veranstaltungen bis Anfang 2019 – dem Jahr als sich Huldrych Zwingli in Zürich der Bewegung anschloss – das 500-jährige Jubiläum feiern.

Auch wenn der Komponist Johann Sebastian Bach erst 200 Jahre nach Luther wirkte, stand seine Familie doch stark in der lutherischen Kirchenmusiktradition. «Luther war überzeugt, dass das Evangelium auch durch die Musik gepredigt wird», sagte Pfarrerin Britta Hess in ihrer Einleitungsrede. Viele Kompositionen habe Bach mit «soli deo gratia» (Gott allein die Ehre) unterzeichnet.

Bach habe die Kantaten für Bubenstimmen geschrieben. Die hohen Passagen seien deshalb besonders schwierig. Dafür habe der 35-köpfige Kirchenchor Unterricht bei der Stimmenbildnerin Vera Wenkert genommen, sagte Präsidentin Müller. «Die Kantate ‹Gott, der Herr ist Sonn’ und Schild› ist die musikalische Antwort Bachs auf Luthers Forderung, dass nur die Bibel als Quelle des Glaubens dient», so die Pfarrerin. Diese Kantate sei am schwierigsten zu lernen gewesen. «Wie es sich für gute Reformierte gehört, haben wir etwas gezweifelt und uns lange gefragt, ob wir es schaffen, diese Bach-Kantate mit viel Stimmvolumen und Tempo zu singen», so Chorsänger Paul Isenring.

Doch es kam gut. Feierlich stieg der Chor mit der Passage «Freut euch alle» aus der Bachkantate 207a ins Konzert. Mit den Zeilen «Unsre Stimmen sollen bringen diese Botschaft jedem Ohr» wurde das Evangelium musikalisch verkündet. Darauf anschliessend griff Organistin Elisabeth Berner die gesungene Melodie auf der Orgel mit einer energischen und fröhlichen Jazz-Improvisation auf. Damit schlug sie eine Brücke von der Klassik zur Gegenwart. Die Kantate «Ich bin vergnügt mit meinem Glücke» mit einem Solo von Sopranistin Regina Meyer wurde klassisch interpretiert. Besinnlich und leicht melancholisch gab die Musik zu verstehen, dass sie die Tiefen des Lebens kennt, sich aber gleichzeitig mit dem begnügt, was ihr Gott gegeben hat. Beim Stück «Gott, der Herr ist Sonn’ und Schild» füllte der Chor die reformierte Kirche mit einem Gefühl von Geborgenheit. Auch die Alt-Sängerin Cecilia Scheibengraf-Meissner und der Bass-Sänger Tobias Schmid, im Duett mit Sopranistin Meyer, wussten mit ihren Einsätzen zu überzeugen.

Das über 350-köpfige Publikum wurde gebeten, jeglichen Applaus für das Ende des Konzerts aufzuheben – entsprechend inbrünstig fiel dieser aus. «Obwohl ich katholisch bin, hat mich das Konzert sehr berührt», sagte Zuhörerin Ursula Dähler. «Ich bin ergriffen. Man konnte die Feinheiten hören und spüren», fand die Dietikerin Eva Achermann.

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