Reisebericht(13)
Nicht ein Krümel Erde durfte der Inspektor am Auto finden

Romy Müller und Miro Slezak sind unterwegs auf ihrer dritten Etappe: Australien. Zuvor mussten sie das Auto verschiffen – keine leichte Aufgabe. Der Schmutz am Auto wird zum ernsthaften Hindernis.

Romy Müller
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Bis fünf Meter hoch sind die Termitentürme im Litchfield-Nationalpark.

Bis fünf Meter hoch sind die Termitentürme im Litchfield-Nationalpark.

Limmattaler Zeitung

Der Entschluss ist gefallen, wir wollen unser Auto von Singapur aus nach Australien verschiffen. Es ist die kürzeste und preisgünstigste Verbindung. Doch diesen Entschluss in die Tat umzusetzen, das ist nicht ganz einfach. Camper dürfen auf Singapurs Strassen nicht fahren. Die Gründe dafür sind uns schleierhaft, aber die Bestimmung lässt sich nicht umgehen. Das heisst, wir müssen unser Fahrzeug ab der Grenze bis zum Hafen abschleppen lassen.

Von Urdorf nach Australien Romy Müller und Miro Slezak reisen in drei sechsmonatigen Etappen mit ihrem VW-Bus von Urdorf nach Australien. Derzeit sind sie auf der dritten Etappe unterwegs durch Australien. Die erste Etappe führte sie von Europa über die Seidenstrasse bis nach Kathmandu in Nepal, die zweite bis nach Singapur.

Von Urdorf nach Australien Romy Müller und Miro Slezak reisen in drei sechsmonatigen Etappen mit ihrem VW-Bus von Urdorf nach Australien. Derzeit sind sie auf der dritten Etappe unterwegs durch Australien. Die erste Etappe führte sie von Europa über die Seidenstrasse bis nach Kathmandu in Nepal, die zweite bis nach Singapur.

Limmattaler Zeitung

Uns hat sich noch ein Schweizer Paar angeschlossen, das den Container mit uns teilt. Doch zuerst sind einige Tage intensives Putzen angesagt, denn die Bestimmungen in Australien sind sehr streng, nicht ein Krümel Erde oder andere Verschmutzung darf der Quarantäneinspektor am und im Auto finden.

Unsere Dokumente werden an der Grenze von Singapur so lange einbehalten, bis der Abschleppwagen eintrifft. Dann wird die hintere Achse des Autos angehoben und an den Abschleppwagen gehängt. Unter die vordere Achse montiert man eine Art Schlitten, der auf zwei kleinen Rädern fährt. Damit berührt kein Rad Singapurs Boden - so muss es sein. Die neun Tage, bis das Schiff in Darwin ankommt, verbringen wir bei einem Zwischenstopp in Bali.

Australien empfängt uns mit viel Sonnenschein und Muli-Kulti. Nicht weniger als 60 verschiedene Ethnien leben in der 120 000 Einwohner zählenden Hauptstadt des Nordens. Hier begegnen wir auch Aborigines, den Ureinwohnern von Australien. Unser erster Gang gilt der Verschiffungsagentur. Doch das Schiff mit unserem Container ist noch nicht angekommen, es hat zwei Tage Verspätung und weitere drei Tage sind nötig, um das Auto zu entladen. In dieser Zeit lernen wir jeden Winkel der Stadt kennen, denn die bürokratischen Hürden für die Einfuhr eines Autos sind enorm.

Wir laufen von einem Büro zum nächsten, holen da ein Papier, dort einen Stempel, und immer wieder fehlt doch noch eine Bewilligung. Dann kommt der wichtigste Tag: Der Termin mit dem Quarantäneinspektor steht an. Eher etwas missmutig, wie mir scheint, widmet er sich zuerst dem Auto, das dem Schweizer Paar gehört, das mit uns verschifft hat. Sie müssen den ganzen Inhalt ihres Autos nach draussen tragen, jeder Löffel, alle Kleidung, das Toilettenpapier, einfach alles wird genauestens nach Schmutz- und Erdspuren untersucht, biorisikoreiches Material, nennt sich das. Nach dieser Prozedur untersucht der Beamte das Auto von aussen. Seine Leibesfülle lässt es nur knapp zu, sich unter das Auto zu zwängen.

Nach kurzer Zeit verkündet er: «Ich habe eine Stelle gefunden, die nicht ganz sauber ist, das Auto muss nachgereinigt werden.» Das darf aber der Besitzer nicht persönlich erledigen, es muss von Amtes wegen gemacht werden. Für den Inspektor ist damit die Arbeit für heute getan. Unseren Wagen schaut er gar nicht erst an. Dieser wird nicht freigegeben, bis das andere Auto in Ordnung ist, so wollen es die Bestimmungen. Die Logik ist für uns schwer nachvollziehbar, aber ändern können wir es nicht. Es ist Freitag und wir bekommen erst am Dienstag wieder einen Termin bei der Quarantäne.

Im Glauben, wir könnten das Auto heute in Empfang nehmen, haben wir kein Hotelzimmer gebucht. Doch jetzt, am Wochenende, ist alles belegt. So bleibt uns nur, einen Camper zu mieten, um ein Dach über dem Kopf zu haben. Damit fahren wir in den Litchfield-Nationalpark und überbrücken so die vier Tage, bis der Kontrolleur von der Quarantäne sich unseres Autos erneut annimmt.

Beim zweiten Anlauf klappt es, beide Fahrzeuge werden als «rein» eingestuft. Aber noch sind nicht alle Einfuhrbestimmungen erledigt. Jetzt müssen wir zum Strassenverkehrsamt, wo unser Fahrzeug einer ausführlichen, technischen Kontrolle unterzogen wird. Hier haben wir mehr Glück, das 25-jährige Auto besteht die Prüfung auf Anhieb, und das nach fast 50 000 Kilometern auf schlechten Strassen, durch Zentralasien, Tibet, Indien und Südostasien.

Jetzt brauchen wir nur noch die Haftpflichtversicherung. Diese können wir, trotz mehrmaligem Nachhaken, nur für diesen Bundesstaat abschliessen. Im nächsten Staat müssen wir uns wieder neu versichern lassen. Bevor wir dort aber in eine Stadt kommen, müssen wir zwangsläufig einige Hundert Kilometer ohne Versicherung durch die Wüste fahren. Jetzt kann uns aber nichts mehr halten, die riesigen Weiten des Outbacks rufen.

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