Der silberne Cowboyhut an ihrer Halskette deutet bereits auf ihr Hobby hin. Seit 1993 ist Antoinette Meier im Country-Western-Dance-Club «No Limits». «Als ich vor 25 Jahren hierherzog, sah ich die Ankündigung und seither mache ich mit», sagt sie.

Der Country-Virus liess die Schlieremerin bis heute nicht mehr los: Viermal wurde sie Schweizer Meisterin im Country-Paartanz. «Als ich mich von meinem Partner trennte, hörte ich auf», sagt sie. Doch das Tanzen blieb ihr erhalten, immer wieder zog es sie auf das Parkett.
Es war jedoch mehr als nur tanzen: «Für mich ist Country ein Lifestyle», sagt die 59-jährige Telefonistin. Es geht ihr dabi nicht nur um das Tanzen, sondern auch um Musikgeschmack, Kleiderstil und Freundeskreis. «Ich beschäftigte mich eine Weile stark mit Country-Kleidern», sagt sie. Während dieser Zeit habe sie auch schon im Zug von Unbekannten ein Lob für ein paar Hosen im Country-Stil erhalten. Doch es geht ihr dabei weniger um ihr Aussehen, als darum, in allen Bereichen zu ihrem Hobby zu stehen. «Nicht Country hören, sondern Country leben», das ist ihr Motto.

Die Mehrheit sind Frauen

Im Saal hinter dem Restaurant Salmen schwingen die Tänzerinnen und Tänzer das Bein zu Liedern wie «From nine to five», «Go cat go» oder dem «Midnight Walz». Ihr gefalle, dass man beim Country Dance so viele verschiedene Tanzstile ausprobieren könne. Dabei sei es nicht das Ziel, möglichst fehlerfrei zu tanzen, sondern gemeinsam eine gute Zeit zu verbringen. «Die Anfänger verlieren ihre Scheu, wenn sie sehen, dass andere auch Fehler machen», so Meier. Dabei sei es praktisch, dass jeder für sich tanzen könne. «Grosse, Kleine, Sportliche, Alte und Junge: Alle sind bei uns willkommen.» Beim Linedance muss man nicht zwingend einen Partner haben. So ist es auch kein Problem, dass die Mehrheit der Anwesenden Frauen sind.

An jedem Kursabend wird ein neuer Tanz gezeigt, diesen können die Teilnehmer zu Hause weiter üben. Meier selber habe das in den früheren Jahren oft getan, besonders während der Zeit, in der sie mit ihrem Partner an Wettkämpfe ging. Heute ist sie Präsidentin des Vereins. Das Amt begeistert sie, auch wenn es pro Tag rund eine Stunde Arbeit gebe. Diese Zeit brauche sie um Protokolle zu korrigieren, Feste zu organisieren und die Leute zusammenzutrommeln.
«Besonders die letzte Zeit war anstrengend. Grund dafür ist das Clubfest, das wir nächsten Samstag veranstalten werden», sagt Meier. Das «No Limits Clubfest» im Restaurant Salmen ist eines der grössten Country-Veranstaltungen der Region. Es haben sich bereits 160 Leute angemeldet, die das Zusammensein mit Tanz und Musik erleben wollen.

Die Unterstützung ist gering

Nebst dem «No Limits Club» gibt es noch einen weiteren Linedance Verein im Raum Zürich. Die bekannteste Country-Veranstaltung ist wohl das 31-tägige Treffen im Albisgüetli. Doch auch wenn die Veranstaltungen zunehmen, die Tanzart sei immer noch ein Nischensport. In der Schweiz wurde sie erst 2002 als offizielle Sportart anerkannt und gefördert. «Doch ganz anders als in den USA oder in England ist es hierzulande nicht möglich von Linedance zu leben.»
Im letzten Vierteljahrhundert, seit Meier als 80. Mitglied in den Verein eingestiegen ist, blieb die Zahl der Teilnehmenden relativ konstant; heute sind es 78. «Auch wenn ich nicht mehr sehr lange Präsidentin sein werde, das Tanzen wird mich so lange es geht begleiten.»