Weiningen

Nicht alle nehmen den Umweg wegen der Baustelle in Kauf — draunter leidet das Gewerbe

Derzeit werden in Weiningen die Wasser- und Stromleitungen erneuert sowie Wärmeleitungen verlegt. Zudem soll die Verkehrssicherheit auf den Strassen erhöht werden. Während der Grossbaustelle kann man nur noch in einer Richtung durch Weiningen fahren — draunter leidet das Gewerbe.

Die Baggerschaufel wühlt im Weininger Boden. Ein Bauarbeiter misst, wie tief der Graben in der Zürcherstrasse werden muss. An einer anderen Ecke diskutieren zwei Bauarbeiter, wie die drei Fernwärmerohre, die von der Badenerstrasse West, der Dietikonerstrasse und der Badenerstrasse Nord kommen, verbunden werden können. Derzeit werden in Weiningen die Wasser- und Stromleitungen erneuert sowie Wärmeleitungen verlegt. Zudem soll die Verkehrssicherheit auf den Strassen erhöht werden. Dafür werden unter anderem Verkehrsinseln in die Strasse gebaut. «Wir hoffen, dass die Strasse ohne Baustelle dann für die nächsten 25 Jahre halten wird», sagt Tobias Klapproth, Projektleiter beim Tiefbauamt des Kantons Zürich. Er ist verantwortlich für die Baustelle, bei der sechs Bauherren involviert sind.

Die Fäden von Kanton, Gemeinde Weiningen, Limeco, Swisscom, Grundwasserversorgung und den Elektrizitätswerken des Kantons Zürich (EKZ) laufen bei der Bauleiterin Janine Heinz zusammen. «Wir treffen uns alle zwei Wochen an der Bausitzung, um die aktuelle Lage zu evaluieren», sagt Klapproth. Momentan ist die Limeco am Drücker, da die Rohre für die Fernwärme verlegt werden. Auf der anderen Seite der Strasse werden die EKZ im nächsten Jahr die Stromkabel verlegen. Insgesamt wurden bereits 915 Meter Wasserrohre und 515 Meter Rohre für Fernwärme verlegt. «Wir sind gut im Zeitplan und haben bislang keine unangenehmen Überraschungen erlebt», sagt Klapproth. Doch noch sei es zu früh, um zu beurteilen, ob das angestrebte Ziel, Ende Dezember 2021 mit der Baustelle fertig zu werden, wirklich eingehalten werden könne.

Bei Baulärm will niemand auf der Terrasse sitzen

Während der ganzen Bauzeit können die Autos nur in Richtung Engstringen durch Weiningen fahren. Wer von Unterengstringen her kommt, muss die Umfahrungsstrasse nehmen. Nur der Bus darf in beide Richtungen verkehren, deshalb regeln Lichtsignale an den Dorfeingängen den Verkehr. «Die Lichtsignale sind ein Kompromiss, den wir zu Gunsten des öffentlichen Verkehrs machen mussten», sagt der Weininger Gemeindepräsident Mario Okle (parteilos). Die Bauleitung ist zufrieden mit der Verkehrsführung: «Der Verkehr läuft zu 90 Prozent flüssig durch das Dorf», sagt Klapproth. «Jede Baustelle ist einmalig. Bei dieser haben die sechs Bauherren sich entschieden, den Verkehr in einem Einbahnsystem durch das Dorf zu leiten», sagt er. Von der Bevölkerung seien bislang keine negativen Rückmeldungen gekommen, nicht mal Lärmklagen hätten sie erhalten. Vorher habe es mit dem Lichtsignal an der Lindenkreuzung einen Stop-and-go-Verkehr im Dorfzentrum gegeben. «Nun haben wir einen konstanten Verkehrsfluss. Es ist fast verkehrsberuhigend», sagt der Projektleiter.

Wenn man aber im Gewerbe nachfragt, tönt es weniger positiv. Im Dorfladen spürt man die Baustelle etwa in Form von rückläufigen Kundenzahlen: «Einige der Kunden wollen den Umweg nicht fahren», sagt eine Verkäuferin. Auch für das Gastgewerbe ist die Situation schwierig. Der «Löwen» musste einen Rückgang der Kundschaft in Kauf nehmen. Die Terrasse sei beispielsweise wegen des Baulärms unattraktiver geworden, sagt eine Angestellte. Auch die «Linde» hat weniger Gäste als in der Zeit vor der Baustelle. «Besonders als wir die Baustelle direkt vor dem Haus hatten, war es schwieriger, doch nun in der Hochsaison läuft es wieder besser», sagt Wirtin Maya Grossmann. Sie hat sich vorgenommen, sich mit der Situation zu arrangieren und kreative Lösungen zu finden. «Eine Weile haben wir sogar Baustellen-Menus angeboten, das fanden die Leute gut», sagt sie. Der Coiffeur beim Restaurant Löwen lebt beinahe ausschliesslich von Stammkunden: «Diese nehmen den Umweg in Kauf», sagt er.

Später folgt eine Gesamtsperrung der Hauptstrasse

Der Weininger Gemeindepräsident erhielt bereits einige negative Rückmeldungen aus dem Gewerbe. Doch ihm sind die Hände weitestgehend gebunden: «Als Behörde kann man ja niemanden bevorzugen», sagt Okle. Das Einzige, was man machen könne, sei die Bevölkerung zu sensibilisieren, und sie zu ermutigen, im Dorf einzukaufen: «Wenn jeder Bewohner etwas tut, kann die Gesamtlast auf das Gewerbe gesenkt werden.» Zudem sei es ihm wichtig, dass die Zufahrten zu den Privathäusern und den Betrieben immer offen bleiben. Die Gemeinde habe sie gut über die anstehenden Bauarbeiten informiert, sagt denn auch Wirtin Grossmann. Falls es trotzdem zu Unstimmigkeiten gekommen sei, hätten sie schnell gehandelt. «Als beispielsweise unsere Einfahrt gesperrt war, musste ich nur kurz anrufen, da kamen die Verantwortlichen schon vorbei und behoben das Problem», sagt sie.

In wenigen Monaten werden die Absperrungen auf der nördlichen Seite der Strasse aufgehoben. Dann können die Autos dort wieder durchfahren. Dafür wird jedoch die südliche Strassenseite aufgerissen und für den Verkehr gesperrt. Später folgt für den Einbau der obersten Belagsschicht noch eine Gesamtsperrung der Hauptstrasse, das Datum dafür ist noch offen.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1