Ladenöffnungszeiten
Nicht alle «Lädeli» wollen länger öffnen, obwohl sie das bald dürfen

Vor allem im Sommer würden sich längere Öffnungszeiten lohnen, sagen Befürworter. Da könnten die Kunden auch nach Feierabend noch bequem einkaufen, sagt Mustafa Kara vom Lebensmittelgeschäft «Red Apple».

Florian Niedermann
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Lädeli-Besitzer Pasquale Aleardi will nicht länger offen haben
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Aleardi will seinen Laden auch in Zukunft um 17 Uhr schliessen - längere Öffnungszeiten hin oder her.
Pasquale Aleardi verkauft in Schlieren seit 29 Jahren italienische Spezialitäten und Frischprodukte.

Lädeli-Besitzer Pasquale Aleardi will nicht länger offen haben

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Der Bundesrat will, dass künftig alle Geschäfte die Möglichkeit haben, werktags von 6 bis 20 Uhr und samstags bis 19 Uhr geöffnet zu haben. In einem Gesetzesentwurf plant er eine schweizweite Vereinheitlichung der Ladenöffnungszeiten. Besonders die grossen Detaillisten hatten dies gefordert, um mit ausländischer Konkurrenz mithalten zu können. Doch wie sieht es bei den kleinen Läden aus? Eine Umfrage in der Region zeigt ein uneinheitliches Bild: Während einige Ladeninhaberinnen und Ladeninhaber ihre Geschäfte gerne länger öffnen, sind andere strikte dagegen. Die Begründungen für die eine oder andere Haltung sind vielfältig.

Pasquale Aleardi führt an der Wagistrasse in Schlieren seit 29 Jahren sein italienisches Frischprodukte- und Spezialitätengeschäft «Quadrifoglio». Werktags ist sein Laden jeweils bis 17.30 Uhr, und samstags sogar nur bis 16 Uhr geöffnet. Wegen seiner dezentralen Lage würden sich längere Ladenöffnungszeiten nicht lohnen, sagt Aleardi: «Früher hatten wir bis halb sieben geöffnet, aber nach 17 Uhr haben wir selten Kunden im Geschäft. Ab diesem Zeitpunkt lohnen sich die Personalkosten angesichts des Umsatzes nicht mehr.» Für ihn spreche aber auch ein weiterer Grund dagegen, dass alle Detailhändler bis 20 Uhr verkaufen können sollen: «Wenn man eine Familie hat, bekommt hat man so zu wenig Zeit für seine Liebsten. Ich würde auch deshalb keine Angestellten bis 8 Uhr abends arbeiten lassen», so Aleardi.

Auch im Zentrum gibt es Gegner

Auch einige Detaillisten in den Stadtzentren sehen keinen wirtschaftlichen Anreiz dafür, ihre Läden länger offen zu halten. So etwa Miranda Jenny von der Papeterie Jenny AG im Dietiker Löwenzentrum. «Die Nachfrage nach längeren Öffnungszeiten ist bei den Kunden sicher vorhanden. Aber angesichts der Mietpreise für Ladenlokale, der Personalkosten und des Eurokurses wäre es für viele nicht finanzierbar», sagt sie. In diesem Punkt pflichtet ihr auch Ibrahim Dereli vom «Foto Huus» in Schlieren zu.

Befürworter eines neuen Ladenöffnungszeitengesetzes ist Mustafa Kara, der im Schlieremer Zentrum das Lebensmittelgeschäft «Red Apple» führt. Er hat bereits jetzt unter der Woche bis 21.30 Uhr geöffnet.«Wir sehen unsere langen Öffnungszeiten als Kundenservice. Viele Werktätige arbeiten bis 18 oder 19 Uhr. Da sind sie froh, wenn sie zumindest in einem Geschäft der Stadt nach Feierabend noch einkaufen können», so Kara. Wirtschaftlich sei dies allerdings nicht – besonders im Winter kämen nach 19 Uhr kaum noch Kunden in seinen Laden. «Im Sommer, wenn es länger hell ist, verkaufen wir jedoch bis zum Schluss immer noch gut», sagt Kara.

Personalsuche wäre kein Problem

Ähnliche Erfahrungen macht auch Hülya Kartal mit ihrem Lebensmittelgeschäft an der Badenerstrasse in Dietikon. Weil im Winter nach 19 Uhr kaum mehr Kunden in den Laden kommen, ist dann für ihr Personal jeweils Schluss. Im Sommer aber habe man bis 20 Uhr Laufkundschaft, und deshalb auch eine Stunde länger geöffnet, so Kartal. Angestellte mit Familie habe sie keine, erklärt sie: «Weil viele Leute eine Stelle suchen, hätte ich aber sicher keine Mühe, Familienväter und -mütter zu finden, die bereit wären, bis 20 Uhr zu arbeiten.»

Entschieden gegen verlängerte Ladenöffnungszeiten ist der Schlieremer Detaillistenpräsident Philipp Locher. Für Familienbetriebe, die keine Lohnkosten zu tragen haben, sei es kein Problem, später zu schliessen. «Wenn man dazu aber zusätzliches Personal einstellen müsste, wie die meisten Betriebe, die ich vertrete, so bedeutet eine Verlängerung bis 20 Uhr einen starken Anstieg der Personalausgaben», so Locher. Der Verdrängungskampf zwischen Grossisten und kleinen Fachgeschäften würde dadurch nur verstärkt. «Ausserdem erachte ich längere Öffnungszeiten als nicht familientauglich. Die Situation des Personals würde sich verschlechtern», sagt er.