Der in Schlieren wohnhafte Schauspieler Rolf Sommer bleibt der Schweiz erhalten. Noch im März hätte er sich vorstellen können, für längere Zeit nach Hamburg auszuwandern – eine grosse Produktion lockte Sommer, den man hierzulande von seinen Rollen in Bühnenstücken wie «Ewigi Liebi» oder «Schweizermacher» kennt, dort hin (die Limmattaler Zeitung berichtete). Doch dann kam alles anders: «Das Casting in Hamburg im April lief zwar gut. Zwei Tage nach dem Vorsprechen kam jedoch die Absage», erinnert sich Sommer. Seine Auswanderungspläne scheiterten damit abrupt.

«Früher nahm ich es persönlich»

Wie geht er mit solchen Rückschlägen um? «Im ersten Moment war ich natürlich enttäuscht. Aber Absagen gehören leider zu unserem Beruf. Ich habe mich daran gewöhnt», sagt er. Vor zehn Jahren, als Sommer mit der Schauspielerei begann, habe er es persönlich genommen, wenn er bei einem Casting nicht gewählt worden sei. «Ich empfand das als eine Absage an mein Talent.» Doch heute wisse er, dass dies oft nur bedeute, dass sein Typ für eine Rolle nicht gefragt sei. Schlimmer ist es für Sommer, wenn er das Gefühl hat, bei einem Vorsprechen eine schlechte Leistung gezeigt zu haben, wie er sagt: «Das war aber in Hamburg nicht der Fall.»

Doch dieses Jahr brachte dem gebürtigen Urner auch viel Gutes: Er erhielt von seinem Heimatkanton ein viermonatiges Stipendium in New York zugesprochen. Sechs Wochen besuchte er dort ab Anfang Mai Schauspielkurse am William Esper Studio, einer renommierten englischsprachigen Schauspielschule. Bereits seine Ankunft im «Big Apple» sei überwältigend gewesen, sagt Sommer: «Ich hatte die Wohnung, die mir finanziert wurde, noch nicht mal auf Bildern gesehen. Als ich dann in diese charmante Wohnung an der Upper Westside kam, fühlte ich mich sofort wie zu Hause.»

Auch der Kurs an der bekannten Schule erwies sich als Glücksgriff: Im Gegensatz zu anderen Schauspielschulen fokussiert das William Esper Studio weniger darauf, dass Schauspieler versuchen, Gefühle in ihrem Innern zu erzeugen, um sie auf der Bühne nach aussen zu tragen. Stattdessen sollen sie darauf achten, was um sie herum geschieht und darauf reagieren. «Bei diesem Training habe ich viel lernen können, was mir auch in Zukunft bei der Arbeit helfen wird», sagt Sommer. Gute Erinnerungen wird er auch an seine Klasse behalten. Er habe ab dem ersten Tag an der Schule keinen Veranstaltungskalender mehr angeschaut, sagt der Wahlschlieremer: «Immer wusste jemand von einem Konzert oder einem Theaterstück, das am Abend stattfand. Ich gelangte so in Kellerlokale und andere Orte, die ich sonst nie entdeckt hätte», so Sommer.

Zwei Produktionen in Aussicht

Sich in den Vereinigten Staaten niederzulassen, stand für ihn aber nicht zur Debatte. «Ich konzentriere mich wieder vermehrt auf die Schweiz, wo ich mir ein gutes Netzwerk aufbauen konnte», erklärt er. Und tatsächlich hat Sommer schon wieder alle Hände voll zu tun. Im Juni 2015 wird er erneut im erfolgreichen Stück «Spamalot» mitspielen. Es gastiert dann in Deutschen Theater in München. Danach folgen weitere Produktionen in Zürich. «Ich darf allerdings noch nicht verraten, worum es geht», sagt Sommer.