Limmattal

Neuorganisation der Berufsfachschulen: das Limmattal wird zum Logistik-Zentrum

Das Bildungszentrum Limmattal wird bald zur einzigen Ausbildungsstätte für Recyclistinnen und Recyclisten in der gesamten Deutschschweiz.

Das Bildungszentrum Limmattal wird bald zur einzigen Ausbildungsstätte für Recyclistinnen und Recyclisten in der gesamten Deutschschweiz.

Rektorin Claudia Hug sieht die vom Bildungsrat geplante Neuorganisation der Zürcher Berufsfachschulen für das Bildungszentrum Limmattal als grosse Chance.

Im Kanton Zürich werden die Berufsfachschulen von Grund auf neu organisiert. Der Bildungsrat hat die Zuteilung der Berufe an die verschiedenen Schulen neu festgesetzt. Damit sollen sich die Bildungsstätten zu Kompetenzzentren entwickeln. Die Umsetzung soll bis spätestens im Sommer 2023 erfolgen. Bildungsdirektorin Silvia Steiner (CVP) gab den Beschluss am Dienstag bekannt.

Die Neuorganisation betrifft auch das Bildungszentrum Limmattal. Derzeit bietet die Berufsfachschule in Dietikon Ausbildungen in den Berufsfeldern Logistik und Technik an. Dazu gehören die Berufe Logistiker/in EFZ und EBA (zwei- und dreijährige Ausbildung), Polymechaniker/in, Konstrukteur/in, Logistiker/in, Produktionsmechaniker/in, Mechanikpraktiker/in und Messerschmied/in. Künftig wird das Bildungszentrum Limmattal alle Maschinenbauberufe abgeben. Die Lernenden mit dieser Berufsausrichtung werden neu die Berufsbildungsschule Winterthur oder die Berufsschule Rüti besuchen. Zudem wird auch ein Lernender, der sich zum Messerschmied ausbildet, künftig in Winterthur unterrichtet. Betroffen von der Verschiebung sind rund 236 Jugendliche.

Im Gegenzug wurden dem Bildungszentrum die Berufe Recyclist/in, Strassentransport-Fachfrau/-Fachmann und Strassentransport-Praktiker/in zugeteilt. Insgesamt übernimmt das Bildungszentrum Limmattal 99 Lernende im Bereich Strassenbau von der Berufsbildungsschule Winterthur. 103 auszubildende Recyclistinnen und Recyclisten wechseln vom Bildungszentrum Zürichsee Horgen nach Dietikon. Insgesamt handelt es sich um 202 Lernende. Speziell ist, dass das Bildungszentrum Limmattal dann nicht nur die einzige Ausbildungsstätte für angehende Recyclistinnen und Recyclisten aus dem Kanton Zürich, sondern aus der gesamten Deutschschweiz wird.

Weiterhin werden Logistikerinnen und Logistiker im Limmattal ausgebildet. Durch die Neuorganisation reduziert sich die Anzahl von derzeit insgesamt rund 1164 Schülerinnen und Schüler auf 1130.

Neu gibt es keine vierjährige Lehre mehr

Claudia Hug, Rektorin des Bildungszentrums Limmattal, sieht der Reform positiv entgegen. «Für unsere Schule ist die Neuorganisation eine grosse Chance. Es macht uns zu einem Kompetenzzentrum für Logistik, Transport und Entsorgung», sagt Hug. Die neuen Berufe würden die bereits beschulten Logistikberufe ergänzen. Dies sei vor allem angesichts der fortschreitenden Digitalisierung in dieser Branche von Bedeutung, sagt Hug. Schade sei, dass das Bildungszentrum mit dem Beruf Polymechaniker/in eine vierjährige Lehre im Angebot verliere. «Doch im Vordergrund steht, dass wir unsere Lernenden zu einem guten Abschluss bringen, ob es nun eine zwei- , drei- oder vierjährige Ausbildung ist oder nicht.»

Claudia Hug Rektorin

Claudia Hug Rektorin

Verlieren wird das Bildungszentrum aber nicht nur Lernende und Berufe, sondern auch Lehrpersonen. «Es tut weh, lieb gewonnene Kollegen aus dem Team verabschieden zu müssen», sagt Hug. Zehn bis zwölf Lehrkräfte im Bereich Maschinenbau werden das Limmattal verlassen müssen.

Die Kollegen würden bereits einen guten Kontakt zu Lehrpersonen anderer Berufsfachschulen pflegen. Trotz des bevorstehenden Standortwechsels seien sie positiv gestimmt. «Das liegt wohl auch daran, dass man schon seit einiger Zeit von den Plänen des Bildungsrats wusste», sagt Hug. Sie werde sich dafür einsetzen, dass die Lehrpersonen in Horgen und Winterthur einen guten Anschluss erhalten. «Und auch die neuen Lehrpersonen sollen in Dietikon gut ins Team und die Schule integriert werden.»

Recyclisten sollen als erste kommen

Dass man den Maschinenbau abgeben müsse, habe sich bereits seit längerem abgezeichnet, sagt Hug. «Das Limmattal ist kein Maschinenbaustandort mehr. Immer mehr Unternehmen sind abgewandert.»

Die Rektorin kann sich vorstellen, dass man aufgrund der Aufnahme der Transportberufe künftig noch enger mit der Dietiker Firma Planzer zusammenarbeiten werde. Geschäftsleitungsmitglied Nicolas Baer ist bereits Teil der Schulkommission. Wie viele neue Lehrer das Bildungszentrum im Gegenzug für die Berufe in Transport und Recycling erhält, wisse man noch nicht.

Hug hat vor, die Recyclistinnen und Recyclisten auf das Schuljahr 2021/2022 nach Dietikon zu holen. Den Transfer der Lernenden im Bereich Strassentransport wolle man zu einem späteren Zeitpunkt angehen. Man führe bereits Gespräche mit den anderen betroffenen Schulen. Es hänge vieles von den jeweiligen Platzverhältnissen ab. «Die Neuorganisation kann nicht isoliert für eine einzelne Schule betrachtet werden», sagt Hug.

Der Platz für die neuen Lernenden aus Horgen würde aktuell reichen. «Die Strassentransport-Lernenden können wir aber erst aufnehmen, wenn wir die Maschinenbau-Lernenden abgeben können», sagt Hug. Die Umstellung bedeute eine grosse Herausforderung, die mit Vor- und Nachteilen verbunden sei. «Nichtsdestotrotz sind wir zufrieden mit den Plänen des Bildungsrats», sagt Hug. Es sei wichtig, nun mit dem Planen zu beginnen, um allen Betroffenen eine angenehme Umstellung zu ermöglichen. Wenn der Zeitplan und die Umsetzung detaillierter ausgearbeitet seien, werde man die betroffenen Lernenden und ihre Eltern informieren.

Autor

Sibylle Egloff

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