Dietikon

Neujahrsblatt: Der porträtierte Dichter ist nicht allen bekannt

Grosses Interesse im Neujahrsblatt.

Grosses Interesse im Neujahrsblatt.

Ein Künstler, ein Gasnetz und ein Römerhof: Der Stadtverein Dietikon hat sein aktuelles Neujahrsblatt präsentiert. Der porträtierte Dichter ist nicht allen bekannt.

«Gib es in ihrem Leben einen Lieblingsort, den sie mit Erinnerungen, Menschen und Gerüchen verbinden?», fragte Otto Müller, ehemaliger Stadtpräsident Dietikons, das Publikum im Gemeindesaal Dietikon zu Beginn der Veranstaltung.

Müller blickte fragend in die Gesichter der Besucher, die anlässlich der Vernissage für die 73. Ausgabe des Neujahrsblatts erschienen waren. «Für Daniel Wirth war es der Geschmack des salzigen Meerwassers, die Mittelmeersonne und die Geräusche des Südens, welches ihn mit seinen Lieblingsorten in Italien verbanden», sagte Müller.

Den Gedichten Wirths wird im Neujahrsblatt ein grosser Teil gewidmet. Um ein Gefühl und einen Einblick in die Vorstellungen des Lyrikers zu erhalten, rezitierte Andri Weidmann, gelernter Buchhändler, eine Auswahl von Wirths Gedichten.

Dabei fiel auf: Im Mittelpunkt der Gedichte steht die Vergänglichkeit und das Leben im Süden Europas. «Daniel war ein sehr nachdenklicher Mensch, aber stets aufmerksam und auffassungsfähig», sagte Fredi Staub, Künstler und langjähriger Freund Wirths. Staub erzählte den Anwesenden von den gemeinsamen Reisen durch Italien und veranschaulichte diese mit zahlreichen Fotos Wirths.

Besucher lassen sich das Neujahrsblatt signieren

So wie die Vernissage begonnen hatte, endete sie auch: mit einer Publikumsfrage. Zu gewinnen gab es eine neue Ausgabe des Neujahrsblatts 2020. «Wie viele Gedichte schrieb Daniel Wirth», fragte Müller. Die richtige Antwort kam aus der hintersten Ecke des Gemeindesaals: «140.»

Beim anschliessenden Apéro nutzen die Besucherinnen und Besucher die Möglichkeit, das gerade erst entstandene Neujahrsblatt von den drei Autoren – Sven Wahrenberger (Beitrag römischer Gutshof), Heini Lüthy (Gasversorgung) und Bernd Steiner (Kommentar Daniel Wirth) – signieren zu lassen.

Die Stimmen zum Inhalt des neuen Neujahrsblatts und der Vernissage fielen unterschiedlich aus. «Der heutige Anlass liess mich schwermütig und bedrückt stimmen», meinte Mäni Roos aus Dietikon. Für ihn fehlte beim Dichter der Zusammenhang zur Stadt – ausserdem hätten ihn nur wenige Dietiker persönlich gekannt. Auch Jean-Pierre Balbiani, alt Stadtrat Dietikon, teilte diese Meinung und fügte hinzu: «Es ist schade, dass der Beitrag über die Dietiker Gasversorgung nicht angesprochen wurde». Ausserdem sei es wichtig, dass das Neujahrsblatt ein Thema aufgreife, das die Identifikation mit Dietikon fördere und idealerweise auch den jüngeren Teil der Bevölkerung anspreche.

Marianne Landolt, ehemalige Dietiker Gemeinderätin, hatten Wirths Gedichte hingegen angesprochen. Insbesondere deshalb, weil sie selbst in Italien lebte und sich mit den Aussagen des verstorbenen Lyrikers identifizieren konnte. «Die Begleitmusik der Limmatchlüppler war sehr fein», sagte Landolt, «und rundete den Anlass schön ab.»

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