«Die richtige Plankenordnung war ein ungeheures Schikane-Instrument. Hatte man versehentlich die Zahnbürste falsch ausgerichtet, konnte es passieren, dass ein Vorgesetzter das ganze mühselig errichtete ‹Kunstwerk› herunterriss, und dann begann die Plackerei von vorne.» Es herrschten strenge Sitten, als Robert Müller 1934 die Rekrutenschule in Zürich besuchte. Nicht nur das Erstellen der Zimmerordnung, sondern auch der tägliche Drill durch die Vorgesetzten sowie das eintönige Essen machte dem jungen Burschen zu schaffen.

Niedergeschrieben hat der Dietiker Ehrenbürger, der 2014 seinen 100. Geburtstag feiern würde, seine Erinnerungen im Jahr 1984. Sie waren für seine Enkel gedacht. In leicht gekürzter Form erscheinen sie nun im Neujahrsblatt Dietikon 2014, das heute an einer Vernissage der Öffentlichkeit präsentiert wird.

Neuer Führungsstil hält Einzug

Die diesjährige Ausgabe trägt den passenden Titel «Dietikon - vorwärts marsch!». Sämtliche Beiträge handeln vom Militär. Neben Müller haben mit Hans Tiefenbacher, Josef Wiederkehr und Jon Zehnder drei weitere Dietiker ihre Erinnerungen an den «Dienst» zu Papier gebracht.

Während bei Müller von vielen negativen Erfahrungen berichtet wird, hat sich die Situation 20 Jahre später grundlegend geändert. Nicht der aussenpolitischen Lage, auch der Führungsstil der Offiziere hat sich gewandelt. Hans Tiefenbacher, der damalige Geschichtsstudent und spätere Berufsoffizier, schreibt in seinen Erinnerungen an die RS 1953: «Wie sich im Verlauf der Schule herausstellte, war der Zugführer Lt Matzinger ein kompetenter Teamchef in allen fachlichen
Belangen und Situationen, eine natürliche Autorität mit trockenem Humor.»

Der Dienst wird zum Gewinn

Auch der Bauunternehmer und CVP-Kantonsrat Josef Wiederkehr weiss aus seiner Zeit in der Genie-Offiziersschule 1995 viel Positives zu erzählen. «Uns wurde jedenfalls ein gutes Umfeld geboten», lautet sein Fazit zur Ausbildung als Leutnant. Heute ist Wiederkehr als Oberstleutnant Kommandant eines Katastrophenhilfsbataillons.

Erst letztes Jahr hat Jon Zehnder die Rekrutenschule absolviert. Er berichtet davon, wie er dazu gedrängt wurde, weiterzumachen. Einen Schritt, den er im Nachhinein nicht bereut. «Ich bin nicht unglücklich über meine Situation in der Armee und eigentlich froh, dass ich sozusagen weitermachen musste», schreibt er. Man lerne interessante Leute kennen, und gewinne Freunde, wie man sie sonst nicht habe, so der Systemunteroffizier Auswertung im Rang eines Feldweibels.

Welch ein Gegensatz zu den Erfahrungen von Robert Müller. «Der Zusammenhalt innerhalb der Gruppe war nicht besonders gut. Wir waren allzu verschieden», so der 1997 verstorbene Ehrenbürger. Trotz all dieser negativen Erfahrungen machte Müller Karriere in der Armee. Er wurde Oberst.

Die Vernissage des Neujahrblattes 2014 findet heute um 10.30 Uhr im Stadthaus Dietikon statt.