Zum ersten Mal überhaupt wurde gestern am Oetwiler Neujahrsapéro mit Sekt auf das neue Jahr angestossen. Den Grund dafür erklärte Gemeindepräsident Paul Studer (FDP) in seiner Ansprache freudig: «Wir sind erstmals schuldenfrei», sagte er, begleitet von grossem Applaus. Zum neuen Standard wollte er das Anstossen mit Sekt allerdings nicht erheben. Nicht, dass die neu gewonnene Schuldenfreiheit den zusätzlichen Kosten wieder zum Opfer fallen würde, scherzte Studer.

Viele Oetwilerinnen und Oetwiler waren in die Gemeindescheune gekommen, um gemeinsam das neue Jahr einzuläuten. Dazu tischte die FDP-Ortspartei, die zusammen mit dem Gemeinderat eingeladen hatte, einen üppigen Apéro auf. Ein Oetwiler stand gestern besonders im Fokus: der Chräbsenbach. Dem rund zwei Kilometer langen Bach war eine kleine Ausstellung gewidmet, die Paul Studer eigens zusammengestellt hatte. Die dazu passenden Fotos, die den Bach von seiner Quelle bis zur Mündung in die Limmat zeigen, lieferte Studers Sohn Stefan.

Damit der Bach und seine Bedeutung nicht in Vergessenheit gerieten, habe er die Ausstellung organisiert, sagte Studer. Heute dient das Gewässer – das über Limmat, Aare und Rhein bis in die Nordsee fliesst – vor allem als Naherholungsgebiet. Die im Chräbsenbach lebenden Organismen wie Egel und Larven fühlen sich hier ebenfalls wohl. Denn wie die letzten Proben aus dem Frühling 2016 zeigen, ist die Wasserqualität sehr gut. Auch ein «guter Bestand von Bachflohkrebsen» konnte das Amt für Wasser, Energie und Luft bei diesen Tests nachweisen – der Bach wird seinem Namen also immer noch gerecht.

Köbi Alt hat Spuren hinterlassen

Der Chräbsenbach gehörte zu den Lieblingsorten des vor zwei Monaten überraschend verstorbenen Künstlers Köbi Alt. Obwohl die Ausstellung bereits lange davor in Planung war, mündete dieser Zufall in einer schönen, indirekten Erinnerung an den naturverbundenen Oetwiler. Auf einem der Ausstellungsfotos war auch eine von Alts kunstvollen Strohfiguren zu sehen.

Früher war der Bach politisch von grosser Bedeutung. Während Jahrhunderten übten mit Wettingen und Fahr gleich mehrere Klöster ihren Einfluss in Oetwil aus. Bis zur politischen und territorialen Vereinigung im Jahr 1803 markierte der Chräbsenbach die kirchliche Grenze zwischen den Dorfteilen Unter-Oetwil und Ober-Oetwil – Ersteres gehörte zum Kirchenkreis Würenlos, Letzteres zu Weiningen. Ob dieser historischen Relevanz schrieb Paul Studer im Text zur Ausstellung: «Was für Brasilien der Amazonas, ist für Oetwil der Chräbsenbach.»

Zum Abschluss seiner Ansprache gab Studer den Anwesenden einen Ratschlag mit auf den Weg. Die weniger angenehmen Seiten des Lebens würden irgendwann von selbst wieder auftauchen. «Deshalb wenden Sie sich im neuen Jahr dem Schönen zu.»