Schlieren

Neues Wohnkonzept: Im «Storchennest» gibt es fast alles

Die Schlieremer Ecofaubourgs-Siedlung wird zum Kulturtreffpunkt. Die Vernissage zur Ausstellung «Wasserwelten» eröffnet den neuen Wohnort.

Hinter dem geheimnisvollen Begriff «Ecofaubourgs-Futura» verbirgt sich ein Wohnkonzept, das in dieser Form neu ist für Schlieren. Nicht nur wohnen soll man in dieser modernen Überbauung mit dem sympathischen Namen «Storchennest». Zwischen den Gleisen der SBB und der Badenerstrasse ist Wohnraum entstanden, der ein neues Gleichgewicht zwischen individuellen Ansprüchen und gesellschaftlichen Erfordernissen anstrebt und dem sozialen Zusammenleben viel Gewicht gibt. So können die Bewohner Familiengärten mieten, es gibt eine Bar, eine Gästewohnung für Besucher, eine Kinderkrippe und Gemeinschaftsräume. Die Überbauung ist nach Minergie-P-ECO Standards gebaut. Und wer auf ein Auto verzichten möchte, der kann ein Elektrovelo mieten oder von einem Car-Sharing-Projekt profitieren.

Es geht um Wasser. Oder Wein

Mit der Vernissage zur Ausstellung «Wasserwelten» wurde nun auch der Startschuss gegeben für ein kulturelles Programm: Es soll sowohl Mieter wie auch Externe anlocken. In einem der Gemeinschaftsräume präsentiert der Schlieremer Fotograf Henry Jager seine bezaubernden Bilder, die sichtbar machen, was den meisten Menschen verborgen bleibt. Denn wer hat schon Gelegenheit, in den Tiefen des Pazifiks einen Sardinenschwarm zu erleben oder im Gegenlicht einem Mantarochen in die Augen zu schauen? Auch die Bilder von Wassertropfen, in Millisekunden abgelichtet und zu fantasievollen Figuren und Formen erstarrt, könnte das menschliche Auge ohne die Hilfe der Kamera nicht erfassen. Die Ausstellung ist Jagers Beitrag zu kulturellen Begegnungen an seinem neuen Wohnort.

Bis im Dezember folgen weitere Veranstaltungen, die alle irgendwie mit Wasser zu tun haben werden. Oder mit Wein. Denn einmal im Monat wird Frank Sack zusammen mit einem Koch Gäste bewirten und sie in die Welt des Weins einführen. Der Berliner und Weinkenner lebt selber seit Kurzem im Storchennest und ist begeistert vom Konzept Ecofaubourgs-Futura. «Anonymität ist manchmal ja ganz schön. Aber daneben auch die Möglichkeit zu haben, zusammenzukommen, andere Leute und Kulturen kennenzulernen, das ist ganz toll.» Auch Frank Sack hat eine Gartenparzelle gemietet und festgestellt: Gärtnern, das ist Eintauchen in eine ganz neue Welt.

Mehr Skulptur als Gemüse

Noch ist nicht alles fertig im Storchennest. Aber ein grosser Teil der Wohnungen ist vermietet. Da und dort giessen Bewohner ihre Balkonblumen. Kinder kurven mit ihren Dreirädern um die Vernissage-Besucher herum. Noch ein letztes Mal auf die Rutschbahn und dann ab ins Bett. Immer mal wieder rauscht ein Schnellzug vorbei. In den Familiengärten blüht da und dort ein letzter Mohn, der Kopfsalat ist bereits ausgeschossen und sieht einer Skulptur ähnlicher als einem Gemüse. Ringelblumen leuchten in der Abendsonne. Mal stehen die Pflanzen schön ordentlich in Reih und Glied, mal wachsen Blumen und Kräuter wild durcheinander, als hätte der Gärtner aus purer Freude am Leben der Natur freien Lauf gelassen.

«Manche Bewohner entdecken das erste Mal, dass ein Blumenkohl nicht nach unten wächst», sagt Sabine Ziegler lachend. Die alt Kantonsrätin ist Siedlungs-Coach im Storchennest. Sie steht der Mieterschaft mit Rat und Tat zur Seite, hilft beim Vernetzen und organisiert Anlässe. Sie versteht ihren Auftrag auch darin, Lernprozesse anzuschieben. Es gebe viele Tagungen zur 2000 Watt-Gesellschaft. Gebäude würden entsprechend gebaut, die Technologie sei da und es gebe wunderbare Mobilitätskonzepte. «Aber wie erreichen wir eine Verhaltensänderung? Das wird eine der grossen Herausforderung der 2000 Watt-Gesellschaft sein», ist Ziegler überzeugt.

«Ein Coach ist etwas Neues»

Die Umweltwissenschafterin mit Mediationsausbildung wartet nicht, bis die Leute auf sie zukommen. «Es ist eine aufsuchende Arbeit», sagt sie und fügt an: «Ich merke, dass ein Coach für viele etwas Neues und Ungewohntes ist.» Schlieren sei im Wandel und müsse eine neue Identität finden. Konzepte wie das von Ecofaubourgs-Futura seien eine Chance, diesem Ziel näher zu kommen.

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