Schlieren
Neues Schulhaus in Schlieren soll 75,5 Millionen kosten

Für diesen Betrag bekommt die Stadt ein Schulhaus mit 23 Klassenzimmer für 450 Schulkinder. Nun muss das Stadtparlament die 75,5 Millionen genehmigen, bevor dann das Volk über den Kredit abstimmt.

Florian Niedermann
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Das Schulhaus bietet Platz für 23 Klassenzimmer.

Das Schulhaus bietet Platz für 23 Klassenzimmer.

Zur Verfügung gestellt

Der geplante Schulhausneubau der Architekten Graber Pulver in Schlieren West kostet die Gemeinde 75,5 Millionen Franken, wie die Behörden an einer Medienkonferenz mitteilten. Dafür erhält die Stadt ein Schulhaus mit 23 Klassenzimmern für 450 Schulkinder und Gruppenräume für Kindergarten, Unterstufe und Sekundarstufe.

Dazu kommen ein Doppel-Hort, eine Lokalität für die Mittagsbetreuung, ein Psychomotorik-Therapieraum, die Dreifachturnhalle, ein Sportplatz, eine Aula, die auch für öffentliche Veranstaltungen genutzt werden kann, sowie diverse Fach- und Nebenräume.

Schulhaus: Sheddach liefert Energie

Die Anforderungen an die Architekturbüros, die sich um das Projekt in einem Wettbewerb bewarben, waren ausserordentlich hoch. Die «Lernfabrik» der Architekten von Graber Pulver habe sowohl in Bezug auf das Raumprogramm, als auch in städtebaulicher, ökologischer und gestalterischer Hinsicht auf ganzer Linie überzeugt, sagt Finanz- und Liegenschaftsvorsteherin Manuela Stiefel (FDP). Der dreigeschossige Hauptteil des Gebäudes spielt dabei aus optischer wie auch ökologischer Hinsicht eine spezielle Rolle: Das Gebäude, das seine Wärmeenergie vom Schlieremer Energieverbund bezieht, muss dem Minergie-Eco-Standard entsprechen. Auf dem Sheddach wird deshalb eine Photovoltaikanlage installiert, die den Energiebedarf des gesamten Schulhauses decken soll. Die Dachform bilde ausserdem auch eine Referenz an den industriellen Charakter, der Gebäude, die zuvor in diesem Teil Schlierens standen, sagt Marco Graber von Graber Pulver: «Die Lichtführung durch das Dach führt dazu, dass im oberen Stockwerk atelierartige Raumformen möglich werden.»

Falls es die Finanzierungsrechnung zulässt, will die Gemeinde einen Teil der Investition über den Cashflow aus der eigenen betrieblichen Tätigkeit finanzieren. Hauptsächlich wird das Schulhaus allerdings fremdfinanziert werden müssen, wie Finanz- und Liegenschaftsvorsteherin Manuela Stiefel (FDP) sagt: «Eine Neuverschuldung ist unumgänglich. Dafür verfügen wir dann über ein Schulhaus, das der Stadt gehört.» Am Beispiel Dietikons habe sich gezeigt, dass die Bevölkerung es nicht goutiere, wenn eine Gemeinde die Erschaffung von Schulraum outsource.

Vergleich zeigt: Stadt baut günstig

An der Dringlichkeit eines neuen Schulhauses besteht derweil kein Zweifel, wie Stiefel erklärt. Die Stadt rechne damit, dass die Schülerzahl von heute 1757 bis zum Jahr 2020 auf rund 2200 ansteigen werde. «Mit dem Neubau wird also keine Reserve geschaffen, sondern nur der Bedarf gedeckt.»

Beim Betrag von 75,5 Millionen Franken handelt es sich nicht um einen reinen Bau-, sondern um einen Verpflichtungskredit. Darin enthalten sind auch Ausgaben für das Grundstück (10 Millionen Franken) und den Abbruch des bestehenden Gebäudes (rund 1.3 Millionen Franken) auf dem Areal der Züblin AG, die Baunebenkosten, die Überarbeitung des Siegerprojekts aus dem Architekturwettbewerb und der Bau der Gebäude. Das Geld dafür wurde teilweise bereits als Planungskosten gesprochen und ausgegeben, oder als Anzahlung an den Landkauf geleistet.
Der erforderliche Kredit erscheint für ein Schulhaus auf den ersten Blick gross. Ein Vergleich, den die Stadt Schlieren anstellte, zeigt allerdings, dass die Kosten des Projekts im Vergleich mit Schulhausneubauten dieser Grösse relativ tief sind.

Als Referenzprojekt nahm der Stadtrat die Stadtzürcher Schulanlage Blumenfeld, welche in Bezug auf das Gebäudevolumen (62 718 Kubikmeter) und Nutzflächen (6569 Quadratmeter) ähnlich dimensioniert ist, wie das Projekt «Lernfabrik» in Schlieren West (70 785 Kubikmeter/8321 Quadratmeter). Die Stadt Zürich rechnet beim Schulhaus Blumenfeld mit Kosten von rund 1,74 Millionen pro Klassenzimmer. Im Fall der «Lernfabrik» kostet ein Klassenzimmer trotz grösserem Bauvolumen und grösserer Nutzfläche rund 146 000 Franken weniger, nämlich rund 1,6 Millionen.

Kosten dank Verzicht gesenkt

Dass die Kosten für das Schulhaus verhältnismässig tief ausfallen, ist auch dem Verzicht des Stadtrats auf die ursprünglich geplante Schwimmhalle zu verdanken (Ausgabe vom 13. März). Zum einen hätten alleine die Baukosten dafür 7 Millionen betragen, zum anderen hätte ihr Betrieb mit Unterhalt und Betreuung jährliche Kosten von bis zu 600 000 Franken ausgelöst.

Genehmigen Gemeinderat und Stimmvolk den Bau des Schulhausneubaus, so ergeben sich für die Stadt weitere Einsparungen: Angesichts des knappen Schulraums musste die Stadt verschiedene Bauprovisorien erstellen und sich teilweise in privaten Gebäuden einmieten. Die damit verbundenen Kosten von 768 000 Franken pro Jahr würden mit der Realisierung der «Lernfabrik» wegfallen.
Den Verpflichtungskredit von
75,5 Millionen Franken muss nun erst das Stadtparlament genehmigen, bevor das Stimmvolk an der Urnenabstimmung vom 24. November 2013 darüber abstimmt.