Ohne grosses Aufsehen riss die Mercedes-Benz Automobil AG seit Herbst vergangenen Jahres Teile ihres heutigen Standortes an der Goldschlägistrasse ab und präsentierte am Donnerstagmorgen ihre Pläne für das rund 32 000 Quadratmeter grosse Gebiet zwischen Bern-, Goldschlägi- und Rietbachstrasse. Hier soll ein prägnanter Neubau entstehen. Mit dem Bau will die Mercedes-Benz Automobil AG ein «fortschrittliches Kompetenzzentrum» für Dienstleistungen im Bereich der leichten und schweren Nutzfahrzeuge schaffen.

Die Kennzahlen des neuen Nutzfahrzeug-Zentrums sind beeindruckend. So entstehen bis im Juni 2019 in drei Etappen drei Gebäude, die gesamthaft eine Nutzfläche von 17 000 Quadratmetern haben. Darin werden neben Werkstätten für Lastwagen, Transporter und Busse auch ein Showroom und Büros Platz finden.

Auf den rund 25 000 Quadratmetern Umschwung entstehen Parkplätze und «Verkehrsflächen». Kosten lässt sich die Mercedes-Benz Automobil AG den Bau aus der Feder des Zürcher Architekturbüros Wanner und Fankhauser knapp 50 Millionen Franken.

Für Geschäftsleiter Daniel Bruhin ist dies ein ganz klares Bekenntnis zum Standort Schlieren. Auch zumal das Personenwagen-Zentrum der Mercedes-Benz Automobil AG nur wenige Kilometer entfernt an Zürcherstrasse im Jahr 2011 saniert wurde.

Auch verspricht er sich vom Neubau eine zusätzliche Strahlwirkung, insbesondere gemeinsam mit dem im Jahr 2012 fertiggestellten Tilla-Theus-Bau der AMAG, der direkte Nachbar. «Wir glauben zu 100 Prozent an den Standort Schlieren», so Bruhin.

150 Angestellte bleiben

Bereits seit über 20 Jahren ist die Mercedes-Benz Automobil AG an der Goldschlägistrasse ansässig und beschäftigt rund 150 Personen, wovon 21 Lernende sind. Gemeinsam mit den Filialen in Wettingen, Wetzikon und Horgen verkauft das Unternehmen laut eigenen Angaben jährlich zirka 1000 Nutzfahrzeuge in den Segmenten Vans, Transporter und Lastwagen.

Mit dem Neubau werde sich die Anzahl Arbeitsplätze nicht verändern, wie Bruhin sagt. Der Vorteil liege eher auf Kundenseite, da mit dem neuen Gebäude Arbeitsabläufe und neue Werkstattprozesse effizient abgewickelt werden können. So sei das Ziel, dass der Kunde nach einer Reparatur das Zentrum so schnell wie möglich wieder verlassen könne, sagt er.

Doch hat sich die Nachbarschaft innerhalb der vergangenen beiden Dekaden gewandelt. Auf der anderen Seite der Goldschlägistrasse realisierte Halter Entwicklungen auf dem Färbi-Areal Überbauungen für mehrere hundert Einwohner.

Dass es zwischen den Nachbarn des Wohnquartiers und dem Nutzfahrzeug-Zentrum zu Konflikten, etwa wegen Lärm, kommt, glaubt Bruhin nicht. «Lastwagen, welche die grösste Emission verursachen, werden das neue Zentrum mehrheitlich von Westen her anfahren. «Aus diesem Grund konnten wir auf zusätzliche Lärmschutzmassnahmen wie Schutzwände verzichten», sagt er. Dies auch weil moderne Nutzfahrzeuge in Sachen Lärmemission sehr nahe an Personenwagen seien.

Als Glückstreffer für Schlieren bezeichnet Standortförderer Albert Schweizer das Projekt: «Schlieren ist traditionell eine Autostadt und das wird sie auch bleiben.» Konfliktpotenzial mit Anwohnern sieht Schweizer keines. «In der kantonalen Planung ist bereits ein Gewerberiegel entlang der Bernstrasse vorgesehen. Daher fügt sich das neue Nutzfahrzeug-Zentrum gut in dieses Konzept ein», so Schweizer.