Rapidplatz Dietikon
Neues Marktkonzept: Ein «Fiirabigmärt» soll mehr Besucher anlocken

Der Dietiker Frischmarkt soll wieder rentieren – und dafür zumindest an einem Tag den Standort wechseln.

Fabienne Eisenring
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Der Frischmarkt auf dem Kirchplatz in Dietikon läuft nicht mehr so gut wie auch schon. Nun soll er sich wandeln.

Der Frischmarkt auf dem Kirchplatz in Dietikon läuft nicht mehr so gut wie auch schon. Nun soll er sich wandeln.

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Es weht ein frischer Wind. Angelockt von duftendem Brot, knackigem Obst und kühlem Bier drängen sich die Kunden vor den Marktständen. Stimmengewirr und Gelächter schallt über den Dietiker Rapidplatz, zusammen mit den Gitarrenklängen eines Strassenmusikers. Ein Tagtraum? Keineswegs. Geht es nach der Vereinigung Zentrum Dietikon, sollen diese Wunschvorstellungen schon diesen Herbst oder spätestens im nächsten Frühjahr Wirklichkeit werden. «Momentan sind wir dabei, in Absprache mit der Standortförderung ein neues Marktkonzept zu schreiben», sagt Sabine Billeter. Sie ist Leiterin der Geschäftsstelle des Vereins, der seit rund 15 Jahren am Kirchplatz die Frischmärkte vom Samstag- und Mittwochmorgen organisiert.

Weniger Besucher

In Gesprächen mit Marktfahrern und Detaillisten hat der Verein das Bedürfnis nach einer Veränderung erkannt. Auch der Stadtrat ist generell angetan davon, die Dietiker Frischmärkte umzugestalten, wie es auf Anfrage heisst. «Würde der Mittwoch- und Samstagmarkt im selben Stil wie jetzt weitergeführt, müssten wir in zwei Jahren aufhören», sagt Billeter. Denn die Besucherfrequenz hat an beiden Markttagen abgenommen. Grund dafür ist laut Billeter zu einem grossen Teil der Generationenwechsel, der bei der Kundschaft erfolgt sei. «Viele ältere Marktgänger mögen nicht mehr kommen oder sind im Altersheim.» Die nachrückende Kundengeneration habe andere Präferenzen: «Regionale und Bio-Produkte stehen heute höher im Kurs als noch vor zehn Jahren.» Viele Leute hätten zudem gegenüber kleinen Märkten die Einstellung, dass sie da «sowieso nichts finden».

«Würde der Markt im selben Stil wie jetzt weitergeführt, müssten wir in zwei Jahren aufhören.» Sabine Billeter, Leiterin der Geschäftsstelle Vereinigung Zentrum Dietikon (VZD)

«Würde der Markt im selben Stil wie jetzt weitergeführt, müssten wir in zwei Jahren aufhören.» Sabine Billeter, Leiterin der Geschäftsstelle Vereinigung Zentrum Dietikon (VZD)

Limmattaler Zeitung

Richten soll das nun der Rapidplatz. Der weitläufige Platz im Herzen des Limmatfelds ist noch jungfräulich in Sachen regelmässige Veranstaltungen. Dorthin zügelt der Mittwochmarkt nach Wunsch der Zentrumsvereinigung, und wandelt sich zum «Fiirabigmärt». Von sechs auf rund 15 Marktstände soll er dafür anwachsen. Beleben werden ihn Dietiker, die nach der Arbeit auf ein Bier, ein Glas Wein oder einen Snack vorbeischauen. Darüber hinaus soll der vorgesehene Tageszeitenwechsel speziell diejenigen ansprechen, die Frischwaren lieber am Abend statt am Vormittag einkaufen möchten. Künftig will der Verein dabei verstärkt auf regionale Produkte setzen, ergänzend zum bestehenden Angebot. Zur Unterhaltung sollen laut Billeter zudem «ab und zu» lokale Musiker oder Strassenkünstler auf dem Platz für Stimmung sorgen.

Umzug zum Velohaus

Die Idee der Zentrumsvereinigung umfasst auch den Samstagmarkt: Er soll von seinem aktuellen Standort zum Velohaus verschoben werden. In der Markthalle entstehe dadurch Platz für andere Angebote, so Billeter. Das sei im Interesse der Bevölkerung. Nahe beim Bahnhof erhofft sich der Verein eine höhere Anzahl Besucher – nicht zuletzt dank dem Flohmarkt nebenan, den man «unbedingt beibehalten» möchte. Dafür spricht die Erfahrung: «Am Frühlings- und Herbstmarkt haben wir gesehen, dass es für beide Märkte positiv ist, wenn sie nahe beieinander stattfinden.»

Zusammenrücken soll mit der umfassenden Markt-Neugestaltung auch die Bevölkerung. Billeters Hoffnung: «Anwohner des Limmatfelds, die vor allem nach Zürich ausgerichtet sind, können auf dem Markt ihren Wohnort und ihre Nachbarn besser kennenlernen.» Dass demnächst Bewegung in Dietiker Märkte kommen könnte, begeistere viele Marktfahrer, sagt Billeter. Es gebe zwar «solche, die den Veränderungen mit Skepsis entgegensehen». Darum stehe jetzt, wie Billeter es ausdrückt, «Klinkenputzen» an. Werbung auf sozialen Netzwerken sowie Plakate und Flyeraktionen sollen das Übrige tun.

Reaktionen sind positiv

«Zunächst aber müssen wir gemeinsam mit der Standortförderung prüfen, ob der Rapidplatz einem Märt standhält», sagt Billeter. Dessen sandiger Boden sei nicht gerade schuhfreundlich und mache eine «Sauerei». In anderen Punkten überzeugt er aber. «Wir schätzen den Rapidplatz als potenziell guten Marktstandort ein», lässt sich Michael Seiler, Leiter der Standortförderung Dietikon, auf Anfrage zitieren. «Im Juni 2016 wurde einmalig ein Frischmarkt auf dem Platz durchgeführt und die Reaktionen darauf waren allesamt positiv.»

Nun überlege man sich, welche Art von Markt am Rapidplatz angebracht wäre, an welchem Wochentag und zu welcher Tageszeit. Genaueres lasse sich erst sagen, wenn das fertige Konzept vorliege. Dieses und die Vollkostenrechnung will der Verein voraussichtlich nach dem Frühlingsmarkt, der diesen Samstag stattfindet, präsentieren.

Schliere Märt: «Geblieben ist nur der harte Kern»

In der Nachbarstadt Schlieren scheint der seit 2012 veranstaltete wöchentliche Markt alles andere als zu florieren: Gerade mal drei Marktfahrer bieten am Samstag auf dem Stadtplatz ihre Waren feil. Gemüse und Salat aus Eigenproduktion gibt es beim Ehepaar Leuzinger vom Ankenhof in Oberengstringen zu kaufen. Mit ihrem Geschäft sind sie gemeinhin zufrieden: «Wir können auf eine treue Stammkundschaft zählen.» Dennoch verkaufen sie ihre Waren am Samstag zusätzlich noch auf dem heimischen Hof. «Wie gut es für uns am Markt läuft, ist abhängig von der Witterung, von Feiertagen und davon, wann im Monat der Lohntag ansteht.»

Einen Stand weiter, beim Limmatbeck, klingt es ähnlich. Für Geschäftsleiter Patrick Binder steht der Umsatz, der am Schliere Märt generiert wird, nicht im Vordergrund: «Wichtig ist uns viel mehr, wahrgenommen zu werden.» Eine solche Einstellung habe nicht jedermann, sagt Christian Meier, Obstbauer und Schlieremer Stadtrat. «Einige Marktfahrer sind abgesprungen, weil der Umsatz für sie nicht befriedigend war.» Geblieben sei nur «der harte Kern». Zwar hätte auch Meier gerne «mehr».

Glücklicherweise sei der Verkauf von Äpfeln, Birnen und Eiern am Märt nicht sein einziges Standbein. Dass dennoch rund 100 Kunden regelmässig an den Schliere Märt kommen, liegt laut Meier an dessen Nischenangebot: «Bei mir findet man eine grössere Auswahl an Äpfeln als bei den Grossverteilern.» Stolze 13 Sorten Lageräpfel liegen bei ihm aus. Nachdem sich der Markt ins Zentrum verschoben hat, beobachtet Meier einen Kundenzulauf. Allerdings: «Optimal ist der jetzige Standort auch nicht, da er für die meisten Arbeitstätigen nicht am Weg liegt.» Wenn der Stadtplatz umgebaut wird, werde man an den Winterstandort vor der Kantonspolizei wechseln. «Am neuen Ort schauen wir, wie wir den Märt aufpeppen können.» Konkrete Aktionen sind im Moment nicht geplant. (FEI)