Uitikon

Neues Fahrkontrollensystem: So funktioniert der Auto-Zähler vom Üetliberg

Das neue Fahrkontrollsystem soll der Gemeinde Zahlen und Fakten liefern

Langsam nähert sich ein schwarzes Mietauto mit Appenzell-innerrhodischem Kennzeichen dem Fahrverbotsschild an der Üetlibergstrasse in Uitikon und kommt davor zum Stillstand. Die Insassen, englischsprachige Touristen, haben Glück. Denn würde ein Gemeindepolizist ihr Treiben mitbekommen, käme sie dies teuer zu stehen. Zu den 100 Franken für das Befahren der Fahrverbotszone ohne Spezialbewilligung ab der Kreuzung Ringliker-Üetlibergstrasse würden noch 120 Franken für die Missachtung des Halteverbots hinzukommen. Würden.

Aus Sicht der unwissenden Touristen ist glücklicherweise kein Dorfpolizist anwesend, sondern deren Chef: der Uitiker Sicherheitsvorstand Patrik Wolf (FDP). Schnell weist er die Familie zurecht, erklärt dem Vater, wo er sein Auto parkieren kann und wie er anschliessend auf den Üetliberg gelangt, woraufhin das Auto wieder davonfährt. «Uns geht es nicht darum, die Gemeindekassen mit Bussgeldern zu füllen», sagt Wolf. Doch sei es an der Zeit, den Kampf um die Nutzung des Üetlibergs anhand von Zahlen und Fakten etwas sachlicher zu machen und mit dem Einsatz der Kameras den unbewilligten Verkehr zu reduzieren.

So funktioniert der Auto-Zähler vom Üetliberg

So funktioniert der Auto-Zähler vom Üetliberg

Die Nachricht sorgte vergangene Woche für Aufsehen. Uitikon übernimmt das Bewilligungswesen für Fahrten auf den Zürcher Hausberg, das bis anhin vom Kanton vollzogen wurde. Neu können die Zulieferer auf der Website der Gemeinde eine Bewilligung für das Befahren der Üetlibergstrassen einfordern. Jedes Auto, welches das Fahrverbotsschild passiert, wird von vorne und hinten automatisch fotografiert. Diese Angaben werden der Uitiker Gemeindepolizei übermittelt, nach 20 Tagen jedoch automatisch wieder gelöscht.

Die Gemeindepolizei vergleicht die Angaben der aufgezeichneten Autos mit den ausgestellten Bewilligungen. Jene, denen keine Bewilligung erteilt wurde, werden mit 100 Franken gebüsst. Die Uitiker Gemeindepolizei wird – unterstützt durch die Kantonspolizei – trotzdem weiterhin patrouillieren und die Zulässigkeit der Bewilligungen überprüfen. «Beispielsweise wird weiterhin stichprobenhaft kontrolliert, ob Zulieferer wirklich das Mindestgewicht an Ware transportieren oder ob die Sperrzeiten eingehalten werden», so Wolf. Zwar sei das System zur elektronischen Datenverarbeitung (EDV), wo Bewilligungen neu online bezogen werden können, erst seit Anfang Woche im Einsatz, doch werde es bereits rege genutzt.

Ausbau ist möglich

Derzeit sind diese Ausnahmebewilligungen gratis auf der Website der Gemeinde erhältlich. Doch gibt Wolf zu bedenken, dass es auch denkbar sei, dereinst eine geringe Gebühr einzuführen, sodass der Zusatzaufwand kompensiert werde. Dazu müsste aber die kantonale Signalisationsverordnung angepasst werden. Von den Kosten von rund 66 000 Franken für Kamera und EDV-System übernahm der Kanton zwei Drittel, die Gemeinde Uitikon den Rest. Hinzu komme noch der Aufwand für die Gemeindepolizei bezüglich der Kontrolle der erfassten Daten.

Dabei sind noch nicht alle Möglichkeiten des EDV-Sytems ausgeschöpft: So könnte die Gemeindepolizei via Kurzmitteilung informiert werden, wenn ein Fahrzeug die Kamera passiert, um dann zeitgleich kontrollieren zu können, ob eine Bewilligung vorhanden sei. «Nun wollen wir aber erst Daten erheben. Über einen Ausbau können wir uns später Gedanken machen», so Wolf.

Auch strengere Kontrollen bei anderen Zufahrtsstrassen würden begrüsst: Falls sich die Gemeinde Stallikon entscheiden würde, ihren Üetliberg-Zugang ebenfalls kontrollieren zu wollen, würde Uitikon Hand dazu bieten. «Denn es ist ja auch in unserem Sinn, diese beiden Systeme zu verknüpfen.»

Nach einer halben Stunde passiert die Touristenfamilie von vorhin Wolf und die Kamera zu Fuss: «It’s a beautiful day for a walk», sagt dieser: ein schöner Tag für einen Spaziergang. Die Touristen nicken und schlendern den Hügel hinauf.

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