Mittwochabend auf dem Zelgli. Erhard «Hardy» Lüscher steht auf dem Kunstrasenplatz und dirigiert seine Spielerinnen des FC Schlieren. Kurz zuvor hat es stark geschneit, und eine weisse Schicht liegt auf dem Feld. Doch das Wetter hat keine Auswirkung auf Lüschers Motivation. «Ja, weiter so», ruft er seinen Spielerinnen nach einer gelungenen Passfolge zu.

Seit Beginn dieses Jahres ist Lüscher Trainer des Nationalliga-B-Frauenteams. Für den 55-Jährigen aus Schöftland ist nicht nur der Verein neu, sondern auch das Niveau. Die höchste Spielklasse, in der Lüscher bisher ein Frauenteam betreut hat, war die 1. Liga. «Man merkt natürlich, dass hier in Schlieren Spitzenfussball gespielt wird», sagt er. «Das ist für mich schon eine Herausforderung. Aber mein Ziel ist es, einen Club ganz oben zu trainieren.»

Dass die Schlieremerinnen überhaupt auf Lüscher gekommen sind, ist laut Sportchef Antonio Bonito einem Zufall zu verdanken. «Ich hatte noch andere Kandidaten im Visier», sagt Bonito. «Aber Hardy konnte mich mit seiner sympathischen, ehrlichen und direkten Art überzeugen. Zudem war er auch sofort bereit, mit Assistenztrainer Zoran Perak zusammenzuarbeiten.»

Dass Lüscher, wie andere Trainer in dieser Liga, kein A-Diplom, sondern ein B+-Diplom hat, ist für Bonito zweitrangig. «Er hat eine gewisse Lebenserfahrung», so der Sportchef. «Ich glaube, es ist in unserer Situation wichtig, dass wir einen Trainer haben, der genau das mitbringt, Ruhe ausstrahlt und vielleicht auch eine Art Vaterfigur ist.»

Doch kommt Lüscher auch auf dem Platz so rüber? Ja, findet Captain Céline Bürgisser. «Er ist ruhig und überträgt diese Ruhe auch auf das Team», sagt sie. Klar müsse man sich erst noch an den neuen Trainer gewöhnen, aber: «Ich habe einen positiven Eindruck.» Und die Stimmung sei im Team nach wie vor gut – trotz der Ausgangslage.

Kampf gegen den Abstieg

Diese könnte tatsächlich besser sein. Die Schlieremerinnen liegen in der Tabelle zwar über dem Strich, haben aber nur einen Punkt Vorsprung auf den Zweitletzten Küssnacht am Rigi und stecken damit im Abstiegskampf. Seit sechs Partien haben sie nicht mehr gewinnen können. Der Tiefpunkt, zumindest was das Ergebnis anbelangt, war die letzte Partie im vergangenen Jahr, als sie gegen Tabellenführer St. Gallen-Staad gleich mit 0:6 untergingen.

Erhard Lüscher ist neuer Trainer der Nationalliga-B-Frauen des FC Schlieren.

«Wir dürfen auch nichts schönreden. Wir brauchen jetzt natürlich Punkte.»

Erhard Lüscher ist neuer Trainer der Nationalliga-B-Frauen des FC Schlieren.

Lüscher war als Zuschauer dabei. Und sah trotz des deutlichen Ergebnisses auch positive Ansätze. «Das war auch eine sehr dumme Torfolge», sagt er. «Die Schlieremerinnen hatten beispielsweise eine Riesenchance und kassierten dann ein Kontertor. Da wäre mehr drin gelegen.» Auch deshalb ist für Lüscher «nur das Resultat schlecht».

Überhaupt sieht der neue Trainer die Limmattalerinnen bisher unter Wert geschlagen. «Sie sind ein Topteam, das hungrig ist», so Lüscher. Das habe er in den Trainingseinheiten diese Woche schon feststellen können. «Der Einsatz stimmt, motiviert sind die Spielerinnen auch», sagt er. «Aber klar: Wir dürfen auch nichts schönreden. Wir brauchen jetzt natürlich Punkte.»

Punkte, die Lüscher mit einer offensiven Ausrichtung holen möchte. «Meiner Meinung nach braucht man im modernen Fussball zwei Stürmerinnen», sagt er. «Wir wollen nach vorne spielen.» Und das schnörkellos. «Die Zuspiele müssen schnell erfolgen, natürlich möglichst ohne Ballverluste.» Von langen Phasen mit Ballbesitz ist er nicht unbedingt Fan: «Mir ist es lieber, man riskiert auch mal etwas, als dass man sich den Ball hin- und herspielt und so versucht, Punkte zu hamstern.»

Vier Neuzugänge

Die taktische Ausrichtung will Lüscher also anpassen, bei den Trainingseinheiten dagegen möchte er vorerst nicht viel ändern. «Die Spielerinnen wissen beispielsweise, wie man eine Viererkette spielt», sagt er. «Aber wir müssen ein Team formen.» Ein Team, das gewachsen ist.

Denn in der Winterpause konnten die Schlieremerinnen vier Neuzuzüge vermelden: Céline Roth, die mit dem FC Aarau in der vergangenen Saison noch in der Nationalliga A spielte, Andreia Daniela Do Couto vom FC Altstetten aus der 1. Liga, Antje Notter vom Zweitligisten FC Affoltern am Albis und Fluter Agaj, die vom FC Neftenbach aus der 3. Liga gekommen ist.

Ihnen gegenüber steht mit Sara Garcia nur ein Abgang. «Die Neuen haben sich schon gut integriert», sagt Bürgisser.

Wie gut das neu formierte Team schon funktioniert, wird sich am 22. Januar zeigen. Dann ist ein Testspiel gegen die Grasshoppers angesetzt. Oder anders ausgedrückt: Nationalliga B gegen Nationalliga A. Ein harter Brocken also für die Limmattalerinnen gleich zum Auftakt.

Auch in der Meisterschaft werden sie von Beginn weg gefordert. Am 16. Februar spielen sie gegen die Frauen des SC Derendingen Solothurn, die in der Tabelle auf Rang vier liegen. Noch sechs Wochen also bis zum ersten Ernstkampf.

«Das Problem ist, dass die Saison in diesem Jahr wieder früh beginnt», sagt Lüscher. «Sechs Wochen reichen zwar, aber es gibt noch viel zu tun. Und natürlich ist auch ein gewisser Druck da, das spürt man.»

Er ist jedoch überzeugt, dass sein Team zum Saisonstart bereit sein und sich aus der Abstiegszone bewegen wird: «Wir werden es packen.»