Dietikon
Neuer Name, neue Leitung und neue Orientierung: Das BZD schärft sein Profil

Das Berufsbildungszentrum Logistik und Maschinenbau Dietikon bekommt nicht nur einen neuen Namen und eine neue Leitung, es orientiert sich auch neu. Im Fokus: Jeder Schüler soll eine Stelle bekommen.

Gabriele Heigl
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In den nächsten Tagen übergibt René Wyttenbach die Schulleitung an Claudia Hug.

In den nächsten Tagen übergibt René Wyttenbach die Schulleitung an Claudia Hug.

Severin Bigler

In der Medienbranche würde man es einen Relaunch nennen, also die Überarbeitung eines bereits am Markt eingeführten Produktes. Was allerdings mit einem Vorlauf von einem Jahr im Berufsbildungszentrum Dietikon (BZD) aufgegleist wurde, geht weit über eine simple Überarbeitung hinaus.

Etwa vor einem Jahr startete das Projekt F&O (Führen und Organisation) an der Berufsbildungseinrichtung an der Dietiker Schöneggstrasse. Dabei handelte es sich um eine Initiative des Mittelschul- und Berufsbildungsamtes der kantonalen Bildungsdirektion, die sich an alle Mittelschulen und Berufsbildungseinrichtungen richtete. Während das Projekt für die Mittelschulen obligatorisch war, konnten Letztere freiwillig daran teilnehmen.

Schulleiter René Wyttenbach erkannte die Chance des günstigen Zeitpunkts, die Schule neu auszurichten. Denn der 62-jährige Beriker wird nächsten Monat nach 30 Jahren am BZD, davon 13 Jahren als dessen Leiter, in Rente gehen. Bewusst übertrug er seiner designierten Nachfolgerin Claudia Hug die Projektleitung. Hug, bisher Abteilungsleiterin Berufsfachschule, übernimmt am 1. August die Gesamtschulleitung.

Schweizweit grösste Schule

Die Bildungseinrichtung kann sich sehen lassen. An der über 100 Jahre alten Schule werden 1200 Lernende von etwa 70 Lehrpersonen in den Fachbereichen Logistik und Maschinenbau unterrichtet. Den Maschinenbaustandort teilt sich die Schule mit drei Berufsfachschulen im Kanton Zürich; 300 bis 350 Lernende gibt es in Dietikon. Bedeutend grösser ist der Fachbereich Logistik. 800 Lernende aus der ganzen Schweiz erhalten in Dietikon ihre Ausbildung. Damit ist sie die grösste Logistik-Schule der Schweiz. «Die Logistik ist ein starkes Standbein. Wir sind sehr stolz darauf», so Hug.

Dennoch erkannte man am BZD, dass eine neue Standortbestimmung fällig war. «Schliesslich hat sich alles geändert in der Gesellschaft, nur das Schulsystem hinkt dem hinterher», so Hug. Die 44-jährige Rümlangerin verbreitet eine Aura von Kompetenz und Tatkraft. Man merkt, sie begeistert sich für die Arbeit am F&O-Projekt und freut sich auf dessen Umsetzung, auch wenn sie zugibt, dass es ein «strenges Jahr» war. Start war im Januar 2016, die Ergebnisse wurden im Dezember dem Kanton präsentiert. Der gab im März 2017 schliesslich sein OK zur Umsetzung.

Etwas war schon vom Kanton vorgegeben: der neue Name. Die Reduktion von «Berufsbildungszentrum» zu «Bildungszentrum» hatte eine Vereinheitlichung der Berufsbildungseinrichtungen zum Ziel. «Dietikon» durch «Limmattal» zu ersetzen, war der Wunsch der Schule. Hug: «Das Limmattal ist eine wirtschaftlich aufstrebende Region mit Weitblick und grosser Nähe zur Wirtschaft. Das passt zu uns.»

Bekenntnis zu Dietikon

Das bedeute aber keine Abkehr von der Stadt Dietikon. «Wir sind sehr gern in Dietikon», bekräftigt Hug. Der Anschluss an den öV sei bestens, es sei eine angenehme Umgebung, man fühle sich akzeptiert und gut integriert. Für den guten Draht zur Stadt sorgt auch Stadtrat Rolf Schaeren, der nicht nur in der Schulkommission sitzt, sondern auch Mitglied des Projektausschusses war. Nun heisst die Schule also «Bildungszentrum Limmattal», abgekürzt BZLT.

Was sich alles ändert – rundum erneuert in die Zukunft

Das frühere Berufsbildungszentrum Dietikon wartet ab dem kommenden Schuljahr mit einer ganzen Palette von Veränderungen auf:

- Neuer Name: Statt «Berufsbildungszentrum Dietikon» (BZD) heisst die Einrichtung künftig «Bildungszentrum Limmattal» (BZLT).

- Neue Leitung: Nach 30 Jahren am BZD, davon 13 Jahre als Leiter, übergibt René Wyttenbach den Stab an Claudia Hug, die seit 23 Jahren an der Schule unterrichtet, seit neun Jahren als Abteilungsleiterin Berufsfachschule.

- Neue Ausrichtung: Zukunftsorientiert und moderner wird sich das BZLT aufstellen und noch mehr als bisher den Fokus auf die Kernfragen richten: Was verlangt der Arbeitsmarkt? Wie gelingt es, dass alle Schüler eine Stelle finden?

- Neues Logo: Ein technisches Element in Bewegung soll das neue Konzept versinnbildlichen.

- Neue Organisation: Eine neu geschaffene Verwaltungsstelle entlastet die Schulleitung. Das wurde nur ausnahmsweise im Rahmen des Projekts möglich; die Stellenpläne sind seit 2000 eingefroren.

- Neue Raumaufteilung: Die Aula wird vom 3. Stock ins Erdgeschoss verlegt. (GAH)

Deutlich umfangreicher waren die Arbeiten an der Neuausrichtung für die Jahre 2018 bis 2021. In die Projektarbeit mit einbezogen war nicht nur die Lehrerschaft, die in Reflexionsgruppen und Workshops unter externer Moderation arbeitete. Auch die Lernenden wurden nach ihren Ideen gefragt. «Ziel des Projekts war es, zu zeigen, dass wir zukunftsorientiert und modern sind, und wissen, was der Arbeitsmarkt verlangt», so Hug. Da die neue Strategie sich auch in einem zeitgemässen und adäquaten Corporate Design ausdrücken sollte, wurde ein neues Logo erarbeitet. Es zeigt ein technisches Element in permanenter Transformation und soll in verschiedenen Varianten Logistik und Technik symbolisieren.

Im Laufe der Projektarbeit wurden mehrere Handlungsfelder identifiziert, die aufgrund der gesellschaftlichen Veränderungen auf die Einrichtung zukommen. Zum einen sinkt die Anzahl der Lernenden im Bereich Maschinenbau, wohingegen die Potenziale beim Bereich Logistik noch unklar sind; neue Berufe entstehen. Andererseits hat die generell sinkende Dynamik der Wirtschaft grossen Einfluss auf die Berufsfelder des BZLT. Der Fokus bei allen Überlegungen lag darauf, dass jeder Abgänger eine Stelle bekommt. Um das zu erreichen, soll mehr Nähe zur Politik und zur Wirtschaft hergestellt werden. Claudia Hug: «Wir wollen nahe an deren Puls sein, damit die Schule eine gute Lobby hat.»

Der Kanton zeigte sich sehr zufrieden mit den Ergebnissen des Projekts. «Wir haben viel Lob erhalten», freut sich Hug. Der Einrichtung sei gute Kommunikation und Führung, eine starke Kultur und freundliche Atmosphäre bescheinigt worden. Für Hug geht es jetzt an die Umsetzung der Projektziele. Zusätzlich setzt sie sich mit der Frage auseinander, wie zeitgemässer Unterricht am BZLT gestaltet sein soll. Sie spricht von «selbstorganisiertem Lernen» und einer «Öffnung der Lernräume». Ganz klar: Diese Frau hat noch viel vor im BZLT.

Rückblick ohne Wehmut

Derweil heisst es für René Wyttenbach Abschied nehmen, ein Abschied, der ihm zum einen nicht leicht fällt, weil er «ein tolles Team» verlassen muss. Andererseits sei die Arbeit auch ein «Verschleissjob» gewesen. Jetzt freue er sich darauf, wieder mehr Sport zu treiben und seinem Hobby, dem Gesang, nachzugehen. Wyttenbach arbeitete über 40 Jahre für den Kanton, sein Start in den Lehrberuf war in den 1970er Jahren an der Oberstufe Kalktarren in Schlieren.

Auch nach der Arbeit beim BZD kann er nicht von Beruflichem lassen. Er wird sich um sein «Steckenpferd» kümmern, das Coaching von Studienabgängern. Wenn im Laufe des Juli sein letzter BZD-Tag angebrochen ist, wird er ohne Wehmut zurückblicken: «Es ist ein gutes Gefühl, ein bestelltes Haus zu hinterlassen.»