Weiningen
Neuer Bericht zum Kindergarten-Neubau zeigt Planungsfehler

Kurz vor der Abstimmung über den Zusatzkredit für den Neubau des Kindergarten Föhrewäldli listet ein Bericht bisherige Fehler auf. Zudem sind sich nicht alle einig, ob die «Gmeind» überhaupt entscheiden darf.

David Egger
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1,34 Millionen Franken Mehrkosten: das geänderte Kindergarten-Neubauprojekt in der Fahrweid. Das ursprüngliche Projekt wies deutliche Mängel auf.

1,34 Millionen Franken Mehrkosten: das geänderte Kindergarten-Neubauprojekt in der Fahrweid. Das ursprüngliche Projekt wies deutliche Mängel auf.

Visualisierung/ZVG

Der Neubau des Weininger Kindergartens Föhrewäldli wird teurer, weshalb es am 4. Mai zu einer ausserordentlichen Gemeindeversammlung kommt. Eine Recherche der Limmattaler Zeitung machte das bereits am 25. März publik. Damals gab der Gemeinderat noch keine Details preis. Jetzt ist klar: Der benötigte Zusatzkredit beläuft sich auf 1,34 Millionen. Zusammen mit dem am 5. Juni 2016 an der Urne bewilligten Baukredit betragen die Totalkosten nun 6,64 Millionen. Im Neubau mit drei Kindergartenräumen enthalten ist auch Platz für eine schulnahe Nutzung, die zu einem vierten Kindergarten umgewandelt werden kann. Dazu kommen vier Wohnungen.

Nachdem die Limmattaler Zeitung über den Zusatzkredit berichtete, fragte ein Ortsparteipräsident beim Zürcher Gemeindeamt nach, ob die Gemeindeversammlung diesen bewilligen kann oder ob nicht wieder ein Urnengang nötig ist. Das Amt schrieb am 28. März, dass eine Urnenabstimmung nötig sei. Der Ortsparteipräsident leitete die E-Mail an die Gemeinde weiter. Diese interpretiert den massgebenden Kommentar zum Zürcher Gemeindegesetz anders und fragte beim Gemeindeamt nach. Da dieses seine Antwort nicht juristisch begründen konnte, hält der Gemeinderat am Vorgehen fest. So steht es in der Präsidialverfügung vom 3. April, mit der die Weisung zur Gemeindeversammlung verabschiedet wurde. Die Weisung ist seit 20. April öffentlich. Dann begann auch die Aktenauflage im Gemeindehaus.

Am 7. April verabschiedete die Rechnungsprüfungskommission (RPK) die Vorlage. Sie empfiehlt die Zustimmung. Um ihre Empfehlung umsichtig fällen zu können, bat sie um einen unabhängigen Expertenbericht. Am 17. März wurde daher ein Architekturbüro mit Erfahrung im Schulbau kontaktiert. Per Präsidialverfügung vom 21. März wurde dann der Auftrag für den Bericht beschlossen.

«Falsch» und «irreführend»

Der am 29. März fertiggestellte Bericht mit 38 Seiten ist lösungsorientiert, listet aber auch die bisherigen Fehler auf. Schon der Titel der 2016 verabschiedeten Baukreditvorlage erntet Kritik: Darin ist – wie auch heute beim Zusatzkredit – von der «Erweiterung» des Kindergartens mit «Aufstockung» für Mietwohnungen die Rede. Entgegen des gängigen Sprachduktus ist aber ein Abbruch und dann ein Ersatzneubau mit erweitertem Raumprogramm geplant. Daher wird der Vorlagentitel als «falsch» und «irreführend» beurteilt. Was allenfalls als Wortfuchserei abgetan werden könnte, ist ein Hinweis darauf, dass 2014 ursprünglich eine Erweiterung und nicht ein Ersatzneubau gefordert wurde.

Auf diesen Standpunkt stellte sich der Architekt des ursprünglichen Projekts gegenüber dem Experten. Beim alten Projekt hätte es wegen mangelnder Fensterflächen an Tageslicht gefehlt und die Raumhöhen waren zu gering. Weiter wurden Normen missachtet, so etwa die Richtlinien des Schweizerischen Kindergärtner-Verbands oder die Empfehlungen für Schulanlagen der Zürcher Bildungs- und der Baudirektion. Ob Letztere eingehalten werden, ist gemäss Experte auch beim neuen Projekt nicht schlüssig, doch habe die Bauherrschaft diese nicht eingefordert. Vor allem die bisher zu geringe Raumhöhe und das fehlende natürliche Licht haben dazu geführt, dass die Baukosten nun höher sind, heisst es in der Weisung. Weitere Faktoren sind etwa die Erdbebensicherheit und zusätzliche statische Sicherungsmassnahmen. Wegen des Expertenberichts musste der Weisungstext redigiert werden, den der Gemeinderat ursprünglich am 28. Februar beschlossen hatte.

«Bauherrschaft trägt Mitschuld»

In ihrem Fazit schreibt die RPK, das Projekt sei nicht optimal geleitet worden. «Die Bauherrschaft, das heisst der Gemeinderat, trägt eine gewisse Mitschuld am bisherigen Ablauf, hat er es doch versäumt, die Kontrollfunktionen wahrzunehmen.» Zugutegehalten werden könne ihm, dass die Defizite vor Baubeginn erkannt und transparent kommuniziert worden seien. Vom neuen Projekt ist die RPK überzeugt, wie sie in ihrem Abschied auch mit Bezugnahme auf den Experten darlegt, der empfiehlt, die Kreditvorlage der Gemeindeversammlung vorzulegen.

Er hält zudem fest, der heutige Generalplaner respektive Architekt erfülle die Voraussetzungen für die Auftragsbearbeitung gut. Weiter empfehlen der Experte und die RPK, dass die Gemeinde einen Profi-Bauherrenvertreter engagiert, der sie gegenüber dem Generalplaner vertritt – damit während des Baus Risiken und Defizite rascher erkannt werden.
Klar ist: Die Kinder in der Weininger Fahrweid brauchen dringend einen neuen Kindergarten. Denn falls die heutigen Container zum Providurium werden, müssten sie im Herbst 2018 aufgerüstet werden – was ebenfalls Kosten auslösen würde.