Noch ist die Fassade von Baugerüsten umspannt, im Inneren nimmt der Weissdornhof im Quartier Limmatfeld langsam Form an. Zwischen rohen Betonmauern ist eine Wohnung bereits komplett ausgebaut und eingerichtet. Sie soll potenziellen Neumietern eine Vorstellung davon vermitteln, wie ihr zukünftiges Zuhause dereinst aussehen könnte.

Und das Interesse ist daran gross: Rund 150 Leute sind dem Aufruf für eine Besichtigung des Musterheims der Firma Halter Immobilien gefolgt.

Die Besucher schieben sich durch die Flure, öffnen Zimmertüren und Küchenschränke und reden mit den Maklern, die ihnen beflissen Auskunft geben. Auf den ersten Blick lässt sich die Gruppe nicht eindeutig charakterisieren: junge Paare, Einzelpersonen, vereinzelt Eltern mit kleinen Kindern. Auch einige Ältere schauen sich um - trotzdem ist der tiefe Altersdurchschnitt augenfällig.

Interessenten aus Stadt und Agglo

Da sind beispielsweise drei Studenten aus dem Raum Baden, die ihre erste gemeinsame Wohnung suchen: «Dietikon liegt mitten im Dreieck zwischen Baden, Zürich und Mutschellen», sagt einer von ihnen. Man sei schnell an der Uni in Zürich, aber ebenso rasch fürs Fussballtraining in Baden.

Auch das verheiratete Paar Shuo Huang und Zhenzhen Wang sucht nach einer Wohnung in Dietikon. «Im Moment leben wir in Zürich Affoltern. Da wir inzwischen fertig studiert haben, möchten wir nun eine grössere Wohnung», sagt Huang. Die Wahl Dietikon sei kein Zufall. «Es ist besser ans Zentrum von Zürich angeschlossen als Affoltern. Obwohl Dietikon ausserhalb der Stadtgrenze liegt.»

Die gute Verkehrsanbindung an Zürich macht Dietikon zunehmend auch für Stadtzürcher attraktiv. «Ein Grossteil der Interessenten für die Wohnungen kommt aus der Stadt Zürich», sagt Laura Iodice von Halter Immobilien. «Eine weitere grössere Gruppe stammt aus der Agglomeration rund um Zürich.»

Es sei auffällig, so Iodice, wie viele junge Paare - vor allem aus der Stadt Zürich - sich im Limmatfeld umsehen würden.
«Viele suchen sich hier ihre erste gemeinsame Wohnung», sagt dazu der Konzeptentwickler bei Halter Entwicklungen, Andreas Hänsenberger.

Die Mischung machts aus

Was aber bedeutet dies im Hinblick auf die Befürchtung, das Limmatfeld könnte vor allem Schlafstätte für kinderlose Doppelverdiener werden? Denn billig sind die Wohnungen nicht - gerade für Dietiker Verhältnisse. Für 4,5 Zimmer im Weissdornhof zahlt man je nach Lage und Quadratmeter zwischen 2400 und 2900 Franken.

Hänsenberger relativiert: «Familien sind selten die Pioniere bei Neuüberbauungen. Sie kommen oft erst in einer zweiten Welle.» Auch Jasmina Ritz, Standortförderin der Stadt Dietikon, hat diesbezüglich keine Bedenken. «Es wird sicher viele geben, die vor allem wegen der guten Verkehrsanbindung an Zürich hierher ziehen.

Mit den Geschäften und Cafés im Zentrum bietet der Stadtteil aber viel Lebensqualität.» Für die Lebendigkeit eines Quartiers sei eine gute soziale Durchmischung wichtig, so Ritz. Vor allem Familien würden wesentlich zu einem funktionierenden sozialen Austausch beitragen. Dafür fehle es im Limmatfeld derzeit aber noch an der notwendigen Infrastruktur für Familien.

Auch Alteingesessene kommen

Doch nicht nur Auswärtige ziehen ins neue Quartier. «Einige ältere Dietiker denken über einen Umzug ins Limmatfeld nach, wenn die Kinder ausgezogen sind und ihnen das Haus zu gross wird», so Ritz. Auch innerhalb des Quartiers wird bereits rege umgezogen. Eine ältere Frau sagt beispielsweise: «Meine derzeitige Wohnung liegt direkt über dem Abzug eines Restaurants. Deswegen suche ich jetzt nach einer Alternative.» Auch Hänsenberger ist dies aufgefallen: «Offenbar sind einige Mieter auch schon innerhalb des Limmatfelds umgezogen.»