Aesch
«Neue und alte Bewohner sollen in Kontakt kommen»: ein Fest gegen die Anonymität

Unter dem Motto «Alt Aesch trifft neu Aesch» will die Gemeinde am Wochenende den Wandel feiern.

Clara dos Santos Buser
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Bunt, laut und spannend: Ein Kind vergnügt sich an der Chilbi. In Aesch wird der Chilbibetrieb um 13 Uhr aufgenommen.

Bunt, laut und spannend: Ein Kind vergnügt sich an der Chilbi. In Aesch wird der Chilbibetrieb um 13 Uhr aufgenommen.

Limmattaler Zeitung

Das idyllische Dorf wächst. Hatte Aesch 2008 noch nicht einmal ganz 1000 Einwohnerinnen und Einwohner, sind es heute bereits 1300. Bald sollen es noch mehr sein. «Seit etwa zehn Jahren hat sich die Bautätigkeit massiv verstärkt, es wurden sogar neue Quartiere erstellt», sagt Martin Steiner, Mitglied der Kulturkommission der Gemeinde und OK-Präsident des Dorffests. Das Dorffest steht dieses Jahr daher unter dem Moto «Alt Aesch trifft neu Aesch» (siehe Box). «Das Ziel des Anlasses ist, den Zusammenhalt von Aesch zu fördern», sagt Steiner. «Neue und alte Bewohner sollen in Kontakt kommen. Ich sehe es als eine Chance für Neuzuzüger, sich ins Dorfleben einzubringen und sich vielleicht später auch darin zu engagieren.»

Martin Steiner, OK-Präsident des Dorffests «Ich sehe das Dorffest als eine Chance für Neuzuzüger, sich ins Dorfleben einzubringen und sich vielleicht später auch darin zu engagieren.»
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Otto Hofstetter, pensionierter Landwirt «Aesch ist heute eine Schlafgemeinde. Früher redete man miteinander im Dorf, heutzutage wird hier nur noch vorbeigefahren.»
Ilona Bluntschli, Heilpädagogin «Beim ersten Besuch fiel mir die Natur auf. Aesch ist ländlich, übersichtlich, und doch gut erschlossen. Ich schätze die freundlichen und offenen Bewohner.»

Martin Steiner, OK-Präsident des Dorffests «Ich sehe das Dorffest als eine Chance für Neuzuzüger, sich ins Dorfleben einzubringen und sich vielleicht später auch darin zu engagieren.»

Limmattaler Zeitung

Am Freitag eröffnet die Knabenbar des Knabenvereins die Festivitäten, ein vielfältiges Programm ist geplant. Dann am Samstag wird bereits nach dem Mittag der Chilbibetrieb aufgenommen. Um 17 Uhr werden Neuzuzüger im Gemeindesaal empfangen, darauf folgt ein Apéro für neue und alte Aescher. Geplant sind auch diverse Unterhaltungsangebote, unter anderem eine Performance am Vertikaltuch und eine Tanzshow. Traditionsbewusste können auch Aescher Lieder anhören, die Kinder mithilfe des Musikvereins Birmensdorf eingeübt haben. Andere Limmattaler Dörfer sind auch vertreten: Die Tanz-Fabrik Urdorf führt zeitgenössischen Tanz vor. Der festliche Abend wird vom Komiker Philipp Sommerfeld moderiert. Der Sonntag beginnt mit dem ökumenischen Gottesdienst um 10 Uhr. Diverse Aktivitäten folgen bis um 18 Uhr. Das nächste Aescher Dorffest findet in zwei Jahren, also 2020, statt.

Das Dorffaescht findet vom 24. bis zum 26. August statt.

Bauerndorf oder Agglo?

Um Neuzuzüger von alteingesessenen Aeschern zu unterscheiden, reicht nur eine Frage: Kennen Sie Otto Hofstetter? Der ehemalige Landwirt ist ein Urgestein des Bauerndorfes, das seit Hofstetters Geburtsjahr 1925 um einiges gewachsen ist. Aesch hat das ländliche Flair behalten, aber ob es sich heutzutage gut in der Gemeinde leben lässt, ist Ansichtssache. Hofstetter, der das Haus seiner Urgrosseltern bewohnt, sagt: «Aesch ist heute eine Schlafgemeinde.» Früher habe man sich noch begrüsst, heute passiere das seltener. «Ich kenne mich im Dorf nicht mehr aus, alles hat sich verändert.» Der 93-Jährige hat die Entwicklung des Dorfs aktiv mitgestaltet – als Mitglied des Wahlbüros, der Rechnungsprüfungskommission, der Schulpflege und des Gemeinderats. Er erinnere sich noch an seine Jugend, als Stadtzürcher nach Aesch gekommen seien, um seinen frischen Apfelmost zu kaufen. «Heute wird hier nur noch vorbeigefahren.»
Neuzuzügerin Ilona Bluntschli ist anderer Meinung. Sie denkt, dass der Wandel frischen Wind mit sich bringt. «Klar, auch ich fahre mal an den Baustellen vorbei. Das Wachstum von Aesch ist sichtbar.» Wie man allerdings damit umgehe, komme auf die Person selbst darauf an. Bluntschli wohnte mit ihrer Familie in Zürich und wollte vor der Einschulung der Tochter wegziehen. «Eine Arbeitskollegin hat uns Aesch wärmstens empfohlen. Beim ersten Besuch fiel mir die Natur auf. Aesch ist ländlich, übersichtlich und doch gut erschlossen. Ich schätze die Nähe zum Wald, die Tiere und die freundlichen und offenen Bewohner.» Ob sie das Dorffest besuchen wird? «Ja, klar! Meine Kinder freuen sich.»