Uitikon entwickelt sich. Grosse Veränderungen stehen vor der Tür, schreibt Gemeindepräsident Victor Gähwiler im Vorwort zum diesjährigen Weihnachtskurier – der trotz seines Namens nichts mit Weihnachten zu tun hat. Da ist der Quartierplan Leuen-Waldegg oder die Überbauung an der Schlierenstrasse. «In Kürze wird sich nicht nur das Gesicht der Gemeinde nachhaltig verändern, sondern auch andere wesentliche Bereiche des Zusammenlebens und der Bevölkerungsstruktur werden nicht mehr so sein wie heute», schreibt Gähwiler. Deshalb habe man Rückschau gehalten auf die vergangenen Jahre, um mit Fakten und persönlichen Berichten Veränderungen darzustellen und zu interpretieren.

Statistik und Interviews

Der Hauptverantwortliche für die Schrift, Professor Hans-Peter Müller, stellte dem statistischen Material die persönliche Betroffenheit einiger Einwohner entgegen. Daraus entstand ein lebendiges Werk, abseits reiner Statistik.

So erinnert sich etwa der 68-jährige Alfred Wismer, dessen Familie seit 1505 im Dorf lebt, wie in den 1950er-Jahren die ersten Auswärtigen nach Uitikon zogen, Mitarbeiter der Siemens, welche die Prokura hatten. «Wir wussten zwar nicht, was das war, aber es hiess wohl etwas Mehrbesseres», sagt Wismer über die Anfänge von Neu-Uitikon als wohlhabende Gemeinde. Zuerst seien die Altreichen gekommen, dann die Neureichen, die etwas undurchsichtig gewesen seien. Heute habe man es vor allem mit seriösen, relativ unauffälligen Geschäftsleuten zu tun.

Hans-Peter Müller teilt seine Datensätze in verschiedene Gruppen auf: Bevölkerung und Soziales, Schule und Bildung, Beschäftigungsstruktur, Bau und Immobilien, öffentliche Finanzen und zum Schluss Politik. So erfährt man beispielsweise, dass in Uitikon ein langfristig positiver Wanderungssaldo ungleich stärker zur Bevölkerungszunahme der letzten 100 Jahre beigetragen hat als das natürliche Wachstum.

Die demografischen Verschiebungen seit 1960 sind enorm. Damals bestand die Bevölkerung aus drei annähernd gleichen Altersgruppen. Menschen über 65 waren mit 6 Prozent eher selten. Mittlerweile haben die über 65-Jährigen die jüngste Altersgruppe überholt, und die Altersgruppe 40 bis 64, die 1960 noch auf dem Niveau der 0- bis 19-Jährigen lag, erreicht nun mehr als den doppelten Umfang. Oder anders gesagt: 1960 waren zwei Drittel der Bevölkerung unter vierzig Jahre alt, heute sind zwei Drittel über vierzig.

Natürlich darf in Uitikon das Geld nicht fehlen. Im Interview sagt Finanzvorstand Markus Hoppler etwas provokativ, der Lebensnerv von Uitikon liege am Paradeplatz, wo die Banken sind. Denn viele Einwohner arbeiten im Finanzsektor, der deshalb wichtig sei für Uitikon. Hoppler: «Geht es dem Finanzsektor schlecht, schlägt das via Steuerausfälle direkt auf unsere eigene Finanzlage durch.»

Fotos der Bosshards

Das grosse, lehrreiche Werk, das einen tiefen Einblick in die Gemeinde gewährt, wird ergänzt durch Bilder aus dem Fotoalbum der seit 400 Jahren ansässigen Familie Bosshard in Ringlikon. Sie zeigen Bilder aus einer längst vergangenen Welt, als Uitikon noch eine arme Gemeinde war. Abgeschlossen wird der Kurier mit der Gemeindechronik 2012 von Gemeindeschreiber Bruno Bauder.