Schlieren / Dietikon
Neue Quartiere bringen auch neuen Krippen-Boom

Treffen die Prognosen der Schlieremer Regierung zu, dürften sich bald neue Kinderkrippen in der Stadt niederlassen. Der Grund: Das Schlieremer Stimmvolk hat am Sonntag Ja zur Kinderbetreuungs-Vorlage gesagt.

Nicole Emmenegger
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Damit Krippenplätze geschaffen werden, braucht es nebst Subventionen vor allem eines: Kinder. jk/archiv

Damit Krippenplätze geschaffen werden, braucht es nebst Subventionen vor allem eines: Kinder. jk/archiv

Limmattaler Zeitung

Neu erhalten Familien mit einem jährlichen Nettoeinkommen von unter 140'001 Franken Rabatte in allen städtisch anerkannten Betreuungseinrichtungen. Bisher gab es nur rund 30 städtisch subventionierte Plätze in der Kinderkrippe Teddybär.

Weil nun alle Krippen gleich lange Spiesse haben, erwartet der Stadtrat eine Zunahme der Betreuungsplätze. «Angebot und Nachfrage werden steigen», schrieb er in seinem beleuchtenden Bericht.

Drei neue private Krippen

So einleuchtend diese Theorie ist – in der Realität sind die Ursachen für einen Krippenboom vielschichtiger. Das zeigt sich mit Blick nach Dietikon: Dort wurden städtische Gutscheine für die Kinderbetreuung 2009 per Volksabstimmung eingeführt. Auch diese Gutscheine können bei allen Krippen eingelöst werden, mit denen die Stadt eine Leistungsvereinbarung abschliesst.

Fakt ist: Zum Zeitpunkt der Abstimmung gab es in der Stadt drei Krippen des Kinderkrippenvereins und zwei private Krippen. 2010 liessen sich mit dem «Bienehuus» im Industriegebiet, mit dem «Schildkrötli» in der Trio-Überbauung und mit dem «Chinderstern» im Limmatfeld gleich drei neue private Kinderkrippen in Dietikon nieder.

Wichtig: Neuer Wohnraum

Sozialvorsteher Johannes Felber (CVP) führt diesen Boom auf das neue Subventionierungssystem zurück: «Nach dessen Einführung sind sofort neue Krippen nach Dietikon gekommen, bestehende haben ihr Angebot ausgebaut», so Felber.

Eine kleine Umfrage unter Dietiker Krippen stellt den eindeutigen Zusammenhang zwischen dem neuen System und dem raschen Ausbau der Plätze allerdings infrage. Ein weiterer Grund – wenn nicht der Hauptgrund – für die Ansiedlung von Krippen ist das Wachstum der Stadt: «Nein, wir sind nicht wegen der Betreuungsgutscheine nach Dietikon gekommen. Wir wollen in neuen Überbauungen präsent sein, wo es zusätzlichen Wohnraum für Familien gibt», sagt etwa Susanne von Aarburg von der Firma Kidéal AG, die den «Chinderstern» im neu entstehenden Stadtteil Limmatfeld betreibt.

Im ersten Jahr habe ihre Kindertagesstätte noch keine subventionierten Plätze angeboten und habe auf eine entsprechende Leistungsvereinbarung mit der Stadt verzichtet. «Erst seit Januar 2011 kann man Betreuungsgutscheine bei uns einlösen», so von Aarburg.

Dieser Schritt habe sich für die Kita allerdings gelohnt: «Die subventionierten Plätze sind begehrt», sagt von Aarburg. Auch die Nachfrage nach den nichtsubventionierten Plätzen sei gestiegen. Deshalb werde im November eine dritte Betreuungsgruppe in der Kita «Chinderstern» angeboten.

Vierte Krippe wird 2013 eröffnet

Ausgebaut wird auch beim Kinderkrippenverein Dietikon, der seit dem Jahr 1956 mehrere Krippen in der Stadt betreibt. Die vierte Betreuungseinrichtung öffnet im Frühling 2013 ihre Türen – in einer neuen Überbauung, die von der Dietiker Baugenossenschaft Schächli erstellt wird.

Laut Vereinspräsidentin Rosmarie Kneubühler hat auch diese Expansion nichts mit dem neuen Subventionierungssystem zu tun: Die Nachfrage sei schon vor dessen Einführung «riesig» gewesen. Der Verein profitierte damals noch exklusiv von einer städtischen Defizitgarantie und konnte deshalb bereits subventionierte Plätze an-
bieten.