Die Diagnose ist eindeutig: Schlieren hat zu wenige Pflegeplätze für Senioren. Bereits heute fehlen laut Angaben der Stadt 18Plätze, und das Problem wird in den nächsten Jahren akuter. Die Gegenmittel müssen deshalb schnell gefunden werden.

Sozialvorstand Robert Welti präsentiert jetzt eine neue Idee – noch bevor das Stimmvolk am 13.Februar über die 31 pflegerisch-betreuten Wohnungen an der Bachstrasse urteilt: An der Mühleackerstrasse19 in Schlieren möchte der Stadtrat eine neue Pflegewohnung mit neun Plätzen schaffen. Senioren mit grösserem Pflegebedarf sollen dort betreut werden. Das Konzept sieht vor, dass die Bewohner nach Wunsch und Fähigkeiten beim Kochen oder im Haushalt mithelfen und somit aktiv bleiben.

Mieten statt selber bauen

«Der Stadtrat hat der Abteilung Finanzen und Liegenschaften am Montag den Auftrag erteilt, ein Vorprojekt auszuarbeiten», sagt Welti. Die Vorgaben des Stadtrates erinnern an das Projekt «Bachstrasse»: Die Stadt soll die Pflegewohnung an der Mühleackerstrasse – mit Ausnahme der Inneneinrichtung – nicht selber bauen, sondern sich einmieten. Bauherrin wäre die Gemeinnützige Baugenossenschaft Limmattal (GBL), der die Liegenschaft Mühleackerstrasse19 gehört – nebst den beiden Hochhäusern Mühleackerstrasse12 und 17 und weiteren Gebäuden an der Strasse.

Das einstöckige Gebäude, in dem die Pflegewohnung entstehen soll, stammt aus den 60er-Jahren und wird heute von einer Computerfirma genutzt. Laut Welti ist noch offen, ob es vollständig neu gebaut oder total saniert werden müsste. Auch der Mietpreis für die Stadt stehe noch nicht fest, so der Sozialvorstand: «Wir haben erst Sondiergespräche mit der GBL geführt. Noch ist nichts unterschrieben.»

Kein Objekt im «Hübler» gefunden

Mit der neuen Pflegewohnung würde vis-à-vis des Schulhauses Hofacker ein kleines Senioren-Quartier entstehen. Das Mehrfamilienhaus an der Mühleackerstrasse15 beherbergt bereits 20 pflegerisch-betreute Wohnungen und eine Pflegewohnung. An der Mühleackerstrasse12 und 17 ist die Stadt mit sechs weiteren pflegerisch-betreuten Wohnungen eingemietet.

Laut Welti gibt es mehrere Gründe, warum sich der Stadtrat für die genannte Liegenschaft interessiert: «Die Lage in der Tempo-30-Zone ist sehr schön. Tagsüber hat es Schulkinder im Quartier, und abends ist es ruhig.» Zudem sei die GBL als Partnerin interessant – man habe einen guten Draht zur Genossenschaft, die der Stadt vor einigen Jahren Land an der Sägestrasse abgekauft habe.

Zumindest ein Grund würde gegen ein kleines Senioren-Quartier an der Mühleackerstrasse sprechen: Gemäss einem städtischen Strategiepapier aus den 90er-Jahren müssten sich die Pflegewohnungen dezentral über die Quartiere verteilen. Ein Standort im Osten der Stadt, im Quartier Hübler, war ursprünglich vorgesehen. «Wir haben dort leider kein passendes Objekt gefunden», sagt der Sozialvorstand.

Über den Mietvertrag für die geplante Pflegewohnung an der Mühleackerstrasse wird dereinst das Schlieremer Gemeindeparlament abstimmen. Der Zeitplan ist noch nicht definiert. Aber laut Sozialvorstand Robert Welti soll es angesichts der mangelnden Pflegeplätze «möglichst zügig vorangehen».