Kloster Fahr
Neue Lichter führen auf den rechten Weg

Die neue Signaletik wartet mit Besonderem auf: Sie kann in den liturgischen Kirchenfarben leuchten.

Gabriele Heigl
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Auch am Torbogen, durch den man zur St.-Anna-Kapelle und zum Klostergarten gelangt, werden Stelen errichtet.

Auch am Torbogen, durch den man zur St.-Anna-Kapelle und zum Klostergarten gelangt, werden Stelen errichtet.

Visualisierung: Anex & Roth Visuelle Gestaltung

Ab Mitte Juli lernt man die Klosteranlage Fahr von einer neuen Seite kennen. Dann werden nicht nur die Wege behindertengerecht gestaltet, sondern auch eine neue Aussenbeleuchtung und benutzerfreundlichere Signaletik installiert sein. Die Beleuchtung soll die Wege ums Kloster vor allem sicherer machen. «Dieser Aspekt war uns sehr wichtig. Momentan ist es nachts rund um das Kloster schon sehr finster», so Priorin Irene Gassmann.

Nicht nur die Besucher, sondern auch die Schwestern würden sich manchmal schwertun, ihren Weg zu finden. Ausserdem sollte durch eine neue Beleuchtung auch die Wahrnehmung des Klosters verbessert werden. Priorin Irene: «Man sieht das Klostergebäude nachts nur sehr schlecht.» Die Arbeiten finden im Rahmen der umfangreichen Sanierungen im Kloster statt; sie bilden den Abschluss der Teiletappe «Umgebung».

Der besondere Fokus für die Gestaltung habe auf der sanften Einbettung der Elemente in die Umgebung gelegen, so die Projektleiterin Katrin Kempf der Basler Firma Anex & Roth Visuelle Gestaltung, die mit der Konzeption von Signaletik und Beleuchtung beauftragt wurde. «Die Signaletik-Elemente sollen in den Hintergrund treten und eine elegante und zurückhaltende Orientierungshilfe für den Besucher bieten, ohne vom Kloster selbst abzulenken», heisst es im Konzept der Firma.

«Momentan ist es nachts rund um das Kloster schon sehr finster.»

Irene Gassmann, Priorin des Klosters Fahr

Steuerung per Mobiltelefon

Etwa 15 Stelen sollen als Wegweiser oder Informationstafeln und zugleich als Leuchtelemente dienen. An vier Themeninseln wird dem Besucher Wissenswertes vermittelt über das Leben der Benediktinerinnen, die Gärten des Klosters, die Baugeschichte, die Klosterkirche und den Friedhof. Die Texte erarbeiteten Susann Bosshard-Kälin, Kommunikationsberaterin für die Klostergemeinschaft, Isabel Haupt, stellvertretende Denkmalpflegerin der kantonalen Denkmalpflege Aargau, und Priorin Irene.

Die hauptsächliche Beleuchtungsfarbe der Stelen wird zwar Weiss sein. Aber ausserhalb der Klostermauern können sie auch in den liturgischen Farben leuchten, etwa an Pfingsten in Rot, in der Adventszeit in Violett und dazwischen in Grün. Die Steuerung der Lichtfarbe ist per Mobiltelefon und Computer möglich. Zu der Idee wurden die Anex & Roth-Planer von einem Besuch in der Klosterweberei und den dortigen farbigen Messgewändern inspiriert.

Priorin Irene fand von Anfang an Gefallen an der ungewöhnlichen Idee. «Zusätzlich überzeugt hat mich eine Vor-Ort-Präsentation mit Prototypen. Sogar dimmen kann man die Beleuchtung», freut sie sich. Bei den Planungen war auch kurzzeitig eine Art Terminal im Gespräch, mit dessen Hilfe man auf einem mit dem Klosterserver verbundenen Touchscreen Informationen hätte abrufen können. «Aber das hätte nicht zum Kloster gepasst», meint die Priorin. Stattdessen wird es jetzt einen Gesamtübersichtsplan geben, der am Parkplatz unter einem der Nussbäume aufgestellt wird. Isabel Haupt: «Allen Beteiligten – nicht nur der Denkmalpflege – war es ein Anliegen, etwas zum Kloster Passendes zu entwickeln, was man mit dezent und zugleich bewusst zeitgenössisch beschreiben kann.» Dazu passe auch die Möglichkeit zum Farbwechsel.

Liturgische Farben: Auch Rosa gehört dazu

In der römisch-katholischen Kirche werden diverse liturgische Farben verwendet:

- Weiss, die Farbe des Lichts, wird zu den Hochfesten wie Weihnachten und Ostern, an Erscheinung des Herrn, am Gründonnerstag, an Fronleichnam, Allerheiligen und Christkönig sowie zu anderen Herrenfesten, Marienfesten und zu Festen der Heiligen, die nicht das Martyrium erlitten, getragen.

- Rot, die Farbe des Blutes, Feuers und Sinnbild des Heiligen Geistes, wird zu Pfingsten, am Palmsonntag, Karfreitag, Kreuzerhöhung, an den Festen der Märtyrer und zur Firmung getragen.

- Grün, die Farbe des sich erneuernden Lebens und der Hoffnung, wird in der sogenannten Zeit im Jahreskreis getragen. Darunter werden die Zeiten bezeichnet, deren Liturgie nicht mit der Feier eines der beiden Hochfeste (Weihnachten und Ostern) oder deren Vorbereitung (Advent und Fastenzeit) verbunden ist. Die Zeit erstreckt sich auf die Wochen nach dem Fest der Taufe Jesu bis Aschermittwoch und nach Pfingsten bis zum ersten Adventssonntag.

- Violett, Sinnbild für den Übergang und die Verwandlung, wird in den Busszeiten vor Ostern (Fastenzeit) und Weihnachten (Advent) getragen, als Alternative zu Schwarz auch bei Begräbnisfeiern und an Allerseelen.

- Rosa ist die Aufhellung der Farbe Violett. Sie kann nur zu den Sonntagen Gaudete (3. Adventssonntag) und Laetare (4. Fastensonntag) getragen werden, um den freudigen Charakter der Mittfastentage zur Hälfte der Busszeit zu unterstreichen, wird aber nur noch selten genutzt.

Der Farbenkanon gilt für die Messe, das Stundengebet und Wort-Gottes-Feiern an dem jeweiligen Tag und betrifft unter anderem die liturgischen Obergewänder, die Stola und das Kelchtuch. (GAH)

Statt 20 Leuchtentypen nur 3

Die konzeptionellen Arbeiten für Umgebung, Signaletik und Beleuchtung laufen seit Mitte 2015. Im Rahmen der umfangreichen Restaurierungsarbeiten im gesamten Kloster machte Castor Huser, Gesamtleiter des Klosterumbaus und Inhaber des Badener Architekturbüro Huser, eine Bestandsaufnahme. Sie hat unter anderem gezeigt, dass im Laufe der Jahre viele unterschiedliche Aussenleuchten und verschiedene Schilder und Wegweiser angebracht worden sind.

«Die Planung war nicht einfach», so Huser, dessen Firma auf historische Bauten wie Kirchen, Klöster und Schlösser spezialisiert ist. Die Aussenbeleuchtung von historischen Bauten sei immer sehr anspruchsvoll. Heute gibt es noch etwa 20 verschiedene, zum Teil unpassende Beleuchtungskörper an den Fassaden der Klostergebäude. Die Wahl der richtigen Leuchten wurde durch verschiedene Bemusterungen vor Ort zusammen mit dem Adliswiler Beleuchtungsplaner Mati Lichtgestaltung AG, dem Kloster und der Denkmalpflege festgelegt. Wenn alles umgesetzt ist, wird es nur noch drei verschiedene Leuchtentypen geben, wobei bei den wichtigen Zugängen die Informationsstelen zugleich der Beleuchtung der Eingänge dienen.

Behindertengerechte Wege

Im Zuge der Teilsanierung der Klosterumgebung wird nicht nur der historische Brunnen im Konventhof restauriert. Es werden auch alle Wege rund um das Kloster behindertengerecht gestaltet. Diese Arbeiten gehen Hand in Hand mit der Verlegung der Beleuchtungskabel. Auf den grobkörnigen Kieswegen im Innenhof kann derzeit kein Rollstuhl oder Rollator fahren. Auch der Eingang zur Kirche soll künftig für Behinderte leichter passierbar sein.

Für die Auswahl des richtigen Bodens wurden verschiedene Plätze besichtigt, darunter auch der Stadelhoferplatz in Zürich, der schliesslich bei der Umsetzung als Vorbild diente. Lediglich im Garten wird der grobe Kies erhalten bleiben. Haupt: «Die Denkmalpflege konnte die Idee, die Beschilderung und Beleuchtung ebenso wie die Wegeoberflächen zu erneuern und daraus ein Gesamtprojekt, sozusagen einen einzigen gestalterischen Wurf, zu machen, sehr gut nachvollziehen und entsprechend unterstützen.»

Gemäss Priorin Irene ergänzen sich alle am Sanierungsprozess Beteiligten, also Denkmalpflege, Bauleitung und Kloster, sehr gut. «Es ist ein gemeinsames Werk, und dass wir so harmonieren, schätze ich sehr. Wir sind ein gut eingespieltes Team.» Das bestätigt auch Denkmalpflegerin Haupt. Die konstruktive Zusammenarbeit sehe man an den bisher ausgeführten Massnahmen, die man «in jeder Hinsicht als sehr gelungen bezeichnen darf.»