Dietikon
Neue Jugendbeauftragte nimmt Jugendliche gegen Vorurteile in Schutz

Die neue Jugendbeauftragte verbrachte ihre Teenager-Zeit im Limmattal. Sie beobachtet genau, wie sich die neue Generation von ihrer eigenen unterscheidet.

Senada Haralcic
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Engagiert: Marija Vukoja. Haralcic

Engagiert: Marija Vukoja. Haralcic

Senada Haralcic

Vor rund zehn Jahren war Marija Vukoja mit ihren Freunden noch selbst als Teenagerin im Bezirk Dietikon unterwegs. Seit August dieses Jahres ist die 27-Jährige nun Jugendbeauftragte der Stadt Dietikon. Ihr Ziel: Den Teenagern aus der Region Alternativen zum gängigen Zeitvertreib anbieten. Etwa zum klischeehaften «hängen im Shoppi». «Mir ist wichtig, dass wir im Jugendzentrum etwas Kreatives miteinander unternehmen», sagt Vukoja. Ihr erstes Projekt veranstaltete sie in den Herbstferien: Bei den «Girls Days» kreierte Vukoja zusammen mit den Mädchen aus Oberstufe und Mittelstufe unter anderem Salben und Lippenpomaden. Mit ihrem Programm traf «die Neue» gleich ins Schwarze: Die Kurse waren teilweise komplett ausgebucht, das Angebot musste ausgeweitet werden (die Limmattaler Zeitung berichtete).

Sie nimmt es mit Humor

Nun plant Vukoja ihren nächsten Coup: Sie will die Räumlichkeiten des Jugendzentrums heimeliger gestalten, denn die Jugendlichen sollen sich wohlfühlen. Geplant ist «eine gemütliche Sitzecke». Bis dahin herrscht trotzdem jeweils am Nachmittag – von Dienstag bis Freitag – der übliche Treffbetrieb. Unmittelbar nach Türöffnung seien in der Regel nicht viele Jugendliche da, aber dies könne sich schlagartig ändern: Pro Treff kämen an die zehn, zwanzig oder auch dreissig Jugendliche. Das könne man nie genau wissen, erzählt Vukoja und lacht. Sie nehme es mit Humor. Die Jugend von heute sei Generation voller Opportunisten. Vukoja: «Sie sind sehr spontan und halten sich gerne alle Möglichkeiten offen.» Das habe vorteilhafte Seiten, denn so seien sie in Bezug auf neue Situationen anpassungsfähiger. Umgekehrt findet Vukoja dies auch schon mal frustrierend, gerade, wenn sie etwas Aufwendiges planen wolle. «Wenn es um ein neues Projekt geht, kann es sein, dass viele anfänglich begeistert sind und sofort mitmachen wollen. Dann regnet es kurzfristig Absagen, und alles fällt ins Wasser.» Dieses Verhalten ist ihr stark aufgefallen. «Ich denke, als ich ein Teenager war, war alles verbindlicher», so die 27-Jährige.

«Ich machte mir Gedanken»

Doch die Jugendbeauftragte ist ansonsten vorsichtig mit Generalisierungen und Vorurteilen gegenüber der heutigen Jugend. «Als Sozialarbeiterin ist es für mich eine goldene Regel, den Menschen offen und neutral zu begegnen.» Dennoch kenne sie Vorurteile, wenn es um die Dietiker Jugend geht. Sie selbst ist in Unterengstringen aufgewachsen. «Vor meinem Antritt im August machte ich mir ehrlich gesagt ein paar Gedanken. Ich fragte mich, ob es mehr Herausforderungen gibt, als es in anderen Gemeinden der Fall ist.» Es beschäftige sie, ob es beispielsweise überdurchschnittlich viele Reibungspunkte mit den Jugendlichen geben würde oder ob sich die Jugendlichen untereinander oft streiten würden. «Aber das kann ich so nicht bestätigen. Im Gegenteil – ich muss die Dietiker Jugend in Schutz nehmen», sagt sie und erinnert sich gleich an einige Szenen im Jugendzentrum. Vukoja: «Sie akzeptieren es, wenn ich ‹Nein› sage. Ich empfinde den Umgang als sehr respektvoll.» Etwas, was sie sehr überraschte, sei die Hilfsbereitschaft, insbesondere die der Knaben: Wenn die Jugendbeauftragte etwas Schweres heben will, würden die Jungs sofort zur Hilfe eilen.

Thema Littering

Klar gebe es im Jugendzentrum auch jene, die «krass» sein wollen, so Vukoja, doch gebe es diese schliesslich überall. Wenn ein Verhalten zu extrem ausfällt, dann werde mit der betreffenden Person darüber gesprochen. Es gibt auch andere Themen, an denen sie mit allen Jugendlichen arbeiten will. Ein Daueraufreger sei das Littering. Sie müssten lernen, dass sie ihren Abfall nicht einfach liegen lassen dürfen.

Social Media gehöre natürlich ebenfalls zum «täglich Brot» ihrer Arbeit im Jugendzentrum. «In meiner Jugend war das anders. Ich habe beobachtet, dass diese ganzen Profile, Whatsapp-Nachrichten und Mails von den Jugendlichen einiges abverlangen.» Deswegen sei es auch ein Anliegen des Jugendzentrums, den Teenagern aktiv zur Seite stehen, wenn es um die Gefahren der virtuellen Welt gehe. «Und Dank unserer Facebook-Page haben wir auch ausserhalb des üblichen Treffbetriebs einen Draht zu den Jugendlichen», sagt Vukoja. Dies sei ein klarer Vorteil, gegenüber den Jugendzentren, die sie noch vor zehn Jahren besuchte.