Dietikon
Neue Investition: Elektrolastwagen erweitert die Planzer-Flotte

Das Transportunternehmen Planzer hat sich einen Elektrolastwagen angeschafft. Ob sich die Investition wirklich lohnt beantwortet Severin Baer, Mitinhaber von Planzer.

Alex Rudolf
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Repo Planzer
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Die Schmetterlinge und die Geräuschlosigkeit verraten, dass es sich um einen Elektro-Lkw handelt.
Unter der Führerkabine, wo normalerweise der Motor ist, befindet sich die Schnittstelle von Batterie und Führerkabine.
Hinter der grünen Abdeckung verbirgt sich eine der beiden gut geschützten Batterien.
Gleich daneben befindet sich der Stromanschluss.
Für den Fahrer gibt es keine einschneidende Veränderung.
Und der Tachometer ist anders.
Severin Baer, Mitbesitzer der Planzer Transport AG, sieht im Elektro-Lkw eine Investition für die Zukunft.

Repo Planzer

Alex Rudolf

Wäre der Lastwagen nicht mit Schmetterlingen versehen, dann vermutete das ungeschulte Auge womöglich nicht, dass es sich um einen Elektro-Lkw handelt, der durch die Gegend tuckert. Wobei Tuckern der falsche Begriff ist, da der Lastwagen beinahe keine Geräusche von sich gibt. In der Führerkabine sieht alles gleich aus wie bei den anderen Fahrzeugen der Dietiker Firma Planzer, ja gar wie bei den anderen Fahrzeugen jeder anderen Transportfirma. Der Fahrer, jeder fährt in der Regel seinen eigenen Laster, führt seine Fahrerkarte in einen kleinen Schlitz oberhalb der Sonnenblende ein. Als Nächstes dreht er den Schlüssel und es ertönt ein kleines Rumpeln. Anschliessend Stille. Bei der Beschleunigung klingt das 11,5 Tonnen schwere Gefährt wie ein Lift, der sich nach oben oder unten bewegt. «Dies war zu Beginn für die Fahrer gewöhnungsbedürftig, da sich ein Lkw-Fahrer Motorenlärm gewohnt ist», erklärt Severin Baer, Mitinhaber von Planzer. Die beiden Fahrer, die für die Bedienung des ersten Elektro-Lkws von Planzer geschult wurden, hätten sich inzwischen aber an die Neuerungen gewöhnt.

Seit vergangenem April ist der Elektro-Lkw ein Teil der planzerschen Lastwagenflotte — sie umfasst schweizweit rund 1300 Fahrzeuge. Der von der Schweizer Firma Iveco umgebaute Laster kostete rund 500 000 Franken, so Baer weiter. Für diese Summe könnte man drei motorbetriebene Lastwagen anschaffen.

Unter der Fahrerkabine, wo normalerweise der Motor lokalisiert ist, befinde sich die ganze Technik, wie Baer erklärt. Diese verbindet die Batterien — diese sind links und rechts unter dem Hubraum installiert — und die Fahrerkabine. Dort kann jederzeit auf dem Tachometer abgelesen werden, wie viel Energie noch in den Batterien gespeichert ist. Zwar muss der Lkw jede Nacht an die Steckdose angeschlossen werden — optimal ist eine Ladezeit von sechs bis acht Stunden. Doch auch bei jeder Bremsung wird die Batterie rekuperiert, sprich geladen. Dies wirkt sich auf die optimale Nutzung des Elektro-Lkws aus. Denn am besten kann er in städtischen Gebieten für die Feinverteilung von Gütern eingesetzt werden. «Stundenlange Autobahnabschnitte, bei denen kaum gebremst und somit die Batterie geladen wird, dafür ist er nicht geschaffen», sagt Baer. Beachtliche 200 Autobahnkilometer würde das Vehikel ohne Stromanschluss schaffen. Dass er trotzdem besser für kurze Strecken geeignet ist, hat noch einen anderen Grund. «Da er wegen der beiden Batterien-Pakete rund 2,4 Tonnen schwerer ist als andere Fahrzeuge, können wir ihn auch weniger stark beladen», erklärt Baer. Hinzu kommt, dass die Leistung der Batterie nicht stark genug für eine Doppelkomposition ist. Dies heisst, dass er nicht mit Anhänger fahren kann.

Auf die Frage, ob die Zukunft der Transportindustrie von Elektrofahrzeugen geprägt ist, hält man sich bei Planzer jedoch bedeckt. Wie bereits erwähnt seien die Kosten für den Umbau sehr hoch, zudem könne man die Fahrzeuge nicht für jeden Auftrag einsetzen. Auf der anderen Seite könne man bei den Schwerverkehrsabgaben, den Unterhaltskosten und letztlich auch beim Treibstoff einiges einsparen. «Das Fahrzeug lässt sich mit diesen Einsparungen jedoch nicht amortisieren», so Severin Baer. Die Zukunft der Langstreckentransporte liege eindeutig auf der Schiene, sagt er weiter.

Nur mit Öko-Strom rentabel

Auch der Verkehrs-Club der Schweiz (VCS) sieht in Elektro-Lastwagen Potenzial: «Aber der Strom sollte aus erneuerbaren Energiequellen stammen», sagt der Mediensprecher des VCS, Gerhard Tubandt. Auf Anfrage hiess es bei Planzer, dass die Ladestation in Dietikon von einem Strom-Mix betrieben werde, wobei auch Öko-Strom inbegriffen sei. (Sen)

Derzeit ist es ein Megatrend, dass sich Firmen mit Nachhaltigkeitsthemen ein grünes Mäntelchen überstreifen, um in der Öffentlichkeit ein positives Image zu erlangen. Dem ist sich auch Severin Baer bewusst: «Niemand bezahlt mehr für einen Transport, der mit dem Elektro-Lkw ausgeführt würde», sagt er unumwunden. Dass seine Firma ein positives Image erhält, mag ein positiver Nebeneffekt sein. So wurden die Medien über die Neuanschaffung informiert, eine Einweihungsfeier geplant und die beiden Chauffeure darüber instruiert, Interessierten bereitwillig Auskunft zu geben und nicht zuletzt, das Äussere des Lastwagens mit Schmetterlingen versehen. Baer relativiert jedoch: «Wer nachhaltig erfolgreich sein will, der muss auch in moderne Technik investieren», so Baer. So will Planzer der Branche als gutes Beispiel vorangehen. Denn: Werden mehr Elektro-Lkws gekauft, sinkt auch der Preis für das Einzelfahrzeug. Auch der Austausch mit anderen Firmenchefs aus der Transport-Industrie zeigt, dass ein Interesse besteht. «Bereits mehrere Leute sind auf uns zugekommen und wollten genau wissen, welche Erfahrungen wir mit dem Lastwagen machten. Wir konnten stets ein positives Feedback geben.»

Dass das Interesse der Branche an alternativen zum Dieselmotor besteht, dies bestätigt auch Bruno Jäger, Präsident der Kommission Technik des schweizerischen Nutzfahrzeugverbands. «Zwar bleibt der Dieselmotor für die nächsten 10 bis 20 Jahre sicherlich der wichtigste Transportmotor. Was jedoch danach kommt, dies wird sich zeigen», so Jäger. Einerseits sei es nun wichtig, dass man Langzeiterfahrungen sammle, andererseits müsse die Politik Lösungen zeigen, wie Öko-Lastwagen besteuert werden. «Ein Entgegenkommen der Politik ist dazu nötig.»