Es sei genau das, wofür die GLP Schlieren in den vergangenen fünf Jahren gekämpft habe, sagt Songül Viridén bei einem Latte macchiato im Traditionslokal Stürmeierhuus. Die GLP-Gemeinderätin spricht von der Fraktionsstärke, die ihre Partei anlässlich der letzten Gesamterneuerungswahlen erlangte und nun gemeinsam mit dem fünfjährigen Bestehen der Ortspartei feiert.

Die Grünliberalen ernten dieser Tage die Früchte ihrer Arbeit. Diese Woche wählte die Mitgliederversammlung der Schlieremer Ortspartei Viridén zur neuen Fraktionschefin, Neo-Parlamentarier Henry Jager wird Präsident der Ortspartei. Dieses Amt hatte zuvor Andreas Kriesi inne, der als erster Grünliberaler ein Exekutivamt in einer Stadt des Bezirks Dietikon errang. Worauf darf sich Schlieren gefasst machen?

Man habe in den vergangenen Jahren immer wieder festgestellt, dass ein Einsitz in der Geschäftsprüfungskommission (GPK) und der Rechnungsprüfungskommission (RPK) durchaus einen Unterschied mache. Lediglich Parteien mit Fraktionsstärke erhalten Einsitz in diesen beiden Gremien. Drei Mandate im Gemeinderat sind dazu notwendig. Die Grünliberalen, seit 2014 mit zwei vertreten, gewannen nun bei den Wahlen im März deren vier. «Kleine Informationen, Randnotizen und Bemerkungen zwischen den Zeilen gingen oft an uns vorbei oder wir mussten sie uns mühsam zusammensuchen», sagt sie.

Rückt Links-Rechts zur Mitte?

Solche «Das weiss man doch»-Informationen, wie Viridén sie nennt, muss sich nun der Quartierverein (QV) erarbeiten. Mit dem erlittenen Sitzverlust verfügt er nur noch über zwei Mandate. «Die grünliberale Haltung findet nun auch mehr Gehör in den Kommissionen. Der Auftrag der Wähler kann somit besser umgesetzt werden», sagt Viridén. Neben dem QV verloren auch andere. Die SVP musste zwei Mandate abgeben, die EVP eines. Die Grünen und die SP konnten dagegen jeweils einen Sitzgewinn verbuchen.

Um zu erfahren, woraus der Wählerauftrag besteht, genügt ein Blick zurück. Wodurch stachen die Grünliberalen besonders hervor? Jüngst setzte man sich für eine freie Geissweid ein, nachdem Bürgerliche die Idee einer Bebauung vorbrachten. Der Widerstand war erfolgreich. Auch die Initiative für eine erweiterte Begegnungszone auf dem Bahnhofplatz kam zustande, erst kürzlich wurden rund 300 Unterschriften für das Anliegen bei der Stadt eingereicht. Zur Seite hatten die Grünliberalen dabei stets die SP und die Grünen. Dass diese Nähe auch weiterhin fortbestehen wird, will Viridén keinesfalls unterzeichnen. «Die Öffentlichkeit sieht nur, dass sich die Grünliberalen nach links oder rechts orientieren. Vielleicht rücken Linke und Rechte ja auch manchmal in die Mitte?»

Den ökologischen und wirtschaftlichen Aspekt unter einen Hut zu bringen, sei seit der Gründung der Partei der Kern der grünliberalen Bewegung. «Uns ist es wichtig, dass wir unsere Anliegen umsetzen können. Die Kooperationspartner sind dabei sekundär», sagt sie. Die vergangenen Male waren es die Grünen und die Sozialdemokraten. «Es ist aber gut möglich, dass es bald die Freisinnigen oder die SVP sind. Es geht uns um die Sache», sagt Viridén.

Auch sei die Zusammenarbeit mit Links sehr im Mittelpunkt gestanden, weil es sich um Initiativen handelte, die naturgemäss mehr Aufmerksamkeit erhalten würden. Anfang März habe man sich gemeinsam mit der FDP dezidiert für den Stadtsaal-Architekturkredit eingesetzt: «Dies wurde in den Medien jedoch seltener besprochen.»
Abgesehen von der Zusammenarbeit mit anderen Parteien oder Fraktionen wollen die Grünliberalen ihre Themen auch selber setzen. «Wir haben eine genaue Vorstellung davon, wo Schlieren hin soll», sagt die 45-Jährige. Es sei zentral, dass die Stadt für alle lebens- und liebenswert werde. «Die dynamische bauliche Entwicklung lässt sich nicht abwenden, nur in geordnete, vorteilhafte Bahnen lenken.» So setze man sich Ende Jahr anlässlich der kantonalen Abstimmung für die Realisierung der zweiten Etappe der Limmattalbahn dezidiert für ein Ja ein.

Gutverdiener anziehen

Darüber hinaus erarbeitet der Vorstand derzeit ein Programm für die Legislatur-Schwerpunkte. Bereits würden sich jedoch zwei Themen abzeichnen, die man ausser der Nachhaltigkeit ins Zentrum stellen wolle. Einerseits sollten die Rahmenbedingungen für Jungunternehmen noch besser ausgestaltet werden, und andererseits wolle man die Lebensqualität erhöhen, sodass auch gut verdienende Familien nach Schlieren ziehen, anstatt die Stadt zu verlassen, erklärt Viridén. So wolle man eine bessere Durchmischung erreichen. «Dies soll nicht nur realisiert werden, indem wir sicherstellen, dass Kinder bereits vor dem Schuleintritt gutes Deutsch sprechen, sondern auch indem wir städtische Kinderbetreuung allen zugänglich machen.» Zu letzterem Thema richtete Henry Jager in der Fragestunde von dieser Woche bereits ein Votum an Schulvorsteherin Bea Krebs (FDP).Man wolle die Parlamentsarbeit gut machen, versichert Viridén. Sie sei sich durchaus bewusst, dass man den vierten Sitz nur mit geringem Vorsprung gewonnen habe. Aber: «Wir wollen ihn in vier Jahren nicht wieder verlieren.»