Birmensdorf
Neue Asylunterkunft: «Illusorisch, dass es keine Konflikte gibt»

Die Gemeinde stellt die zwei neuen Asylcontainer an der Schürenstrasse vor. Bereits übermorgen ziehen die ersten Bewohner ein. Bis Ende September wird die Anlage voll ausgelastet sein - so wie der Kanton vorschreibt.

Nicole Emmenegger
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Vor der neuen Birmensdorfer Asylunterkunft

Vor der neuen Birmensdorfer Asylunterkunft

Limmattaler Zeitung

Im letzten Sommer verkündete ein Protestplakat auf einer Wiese an der Schürenstrasse in Birmensdorf: «Nicht hier!» Jetzt stehen sie dort: die zwei Asylcontainer, gegen die sich Bewohner aus dem angrenzenden Quartier erfolglos mit Rekursen gewehrt hatten (az Limmattaler Zeitung berichtete). Morgen werden die noch ungenutzten Unterkünfte der interessierten Bevölkerung gezeigt, am 2. September ziehen sechs männliche Asylbewerber ein. Bis Ende September soll die Anlage für insgesamt 24 Personen voll belegt sein.

«Schandfleck» befürchtet

«Wir wollen der Bevölkerung am Tag der offenen Türen zeigen, dass wir unseren Auftrag erfüllt haben», sagt Sozialvorsteherin Annegret Grossen (FDP). Der Auftrag war dreiteilig: Erstens ist Birmensdorf laut kantonalen Richtlinien derzeit verpflichtet, 29 Asylsuchende aufzunehmen – das entspricht 0,5 Prozent der Wohnbevölkerung. Bisher hatte die Gemeinde nur fünf Asylbewerber beherbergt.

Zweitens befürchteten Quartierbewohner, dass die Container einen optischen «Schandfleck» darstellen würden. Mit einem grünen Farbakzent wurden die weissen Container laut Grossen an die Umgebung angepasst – im Hintergrund stehen die grünen Gebäude der Militärakademie. Zu-dem sollen Laubhecken, die zwischen Strasse und Containern gepflanzt werden, künftig für einen Sichtschutz sorgen.

Drittens forderten Anwohner einen Fussweg, der von den Containern durch ein kleines Waldstück zur Urdorferstrasse führt. Dieser ist bereits umgesetzt. «So gelangen die Asylbewerber direkt zum Bahnhof, ohne das Quartier zu durchqueren», so Grossen. Sie ist nach wie vor überzeugt: «Wir haben den besten Standort für die Unterkunft gewählt.» Das Areal sei bereits erschlossen gewesen, was Kosten gespart habe. Zudem würden die Asylbewerber nun zwar am Dorfrand, aber nicht völlig isoliert wohnen.

Da die Gemeinde auf die Anliegen der Quartierbewohner eingegangen sei, habe sich die Stimmung an der Schürenstrasse entspannt, so Gemeindepräsident Werner Steiner (SVP): «Die meisten Kritiker haben sich mit dem Standortentscheid arrangiert.» Vereinzelt habe er noch E-Mails erhalten mit der Idee, die Asylcontainer abseits des Dorfes in der Kiesgrube zu erstellen. «Aber laut Kanton ist das nicht möglich. Die Container müssen innerhalb der Bauzone stehen», so Steiner.

Neu, aber kein Luxus

Die Anlage kostet die Gemeinde rund 580 000 Franken. Ein Blick in einen der beiden Container zeigt: Für das Geld gibt es eine neue Unterkunft, die laut Gemeinderat den energietechnischen Anforderungen entspricht – allerdings «keinen Luxus», wie Sozialvorsteherin Grossen betont. Das Sofa und der Fernseher im kleinen Aufenthaltsraum sind secondhand, in den drei Schlafzimmern bieten je zwei Kajütenbetten vier Schlafplätze. Dazu kommen pro Container eine Küche, zwei Duschen, zwei WCs und eine Waschmaschine mit Tumbler. Im Aussenbereich zwischen den Containern hat der kommunale Werkdienst eine Sitzgelegenheit aus Baumstämmen gezimmert. Die Einrichtung sei einfach zu reinigen und robust, so Grossen.

Kontrollen gegen Fremdschläfer

Betreut werden die 24 Asylbewerber durch die Asylkoordinatoren der Firma ORS Service AG. Für die Finanzierung der Betreuung und der Lebenshaltungskosten der Asylbewerber kommt der Kanton auf. Die ORS Service AG übt seit 1998 das Betreuungsmandat für die Gemeinde Birmensdorf aus. Nach dem Bezug der Unterkunft sind die Asylkoordinatoren vorerst häufig vor Ort: Sie erledigen administrative Arbeiten, vermitteln die Hausregeln, nehmen sich der Sorgen der Bewohner an, organisieren allenfalls Deutschkurse – führen aber auch Kontrollen durch, damit beispielsweise keine Bekannten der Asylbewerber in der Unterkunft übernachten. «Unser Ziel ist es, dass die Bewohner möglichst selbstständig leben», sagt Pavlina Genc, operative Leiterin der Gemeindemandate bei ORS Service.

Erst sechs Monate nach Einreise in die Schweiz dürfen die Asylbewerber gewöhnlich eine reguläre Arbeit ausüben. Das Warten auf den Entscheid über ihren Asylantrag lähmt die Menschen, wie Genc erzählt: «Sie wollen oft gar nichts machen, sitzen viel
vor dem Fernseher, kochen und reden miteinander.» Zu einem regen Austausch zwischen den Asylbewerbern und der Birmensdorfer Bevölkerung wird es deshalb voraussichtlich nicht kommen. «Die Bewohner treffen ihre Bekannten in der Regel in Ballungszentren wie Zürich und nicht auf dem Dorfplatz», sagt Roman Della Rossa, Mediensprecher von ORS Service.

Trotz professioneller Betreuung ist es laut Sozialvorsteherin Grossen «illusorisch, dass es gar keine Konflikte zwischen Asylbewerbern und Dorfbewohnern gibt». Sie verspricht allerdings: «Bei Problemen kann man sich an unsere Sozialabteilung wenden.»

Öffentliche Besichtigung der Asylbewerberunterkunft an der Schürenstrasse in Birmensdorf: am Donnerstag, 1. September, von 18 bis 20 Uhr.