Die Schlieremer Firma Kamoo stellt seit drei Jahren Elektroautos her. Ihr CEO, Sergio Kaufmann, verfolgt derzeit ein Projekt, das weit über die Elektromobilität hinausreicht. Seine Vision: Photovoltaik-Anlagen auf Häuserdächern sollen in Zukunft die gesamte Stromversorgung des Haushalts, die Heizung des Gebäudes und auch die Mobilität der Bewohner - über Elektroautos - gewährleisten.

«Wenn diese drei Elemente abgedeckt werden, ist man als Stromkonsument weniger abhängig vom Anbieter», erklärt Kaufmann. Das Ziel sei es, Gebäudekonzepte umsetzen zu können, die nicht auf eine externe Energiezufuhr angewiesen sind.

Batterien machen es möglich

Den Schlüssel dazu bilden intelligente Batterien, die Kaufmann derzeit entwickelt. Sie sind dazu da, die Sonnenenergie lokal zu speichern und den unterschiedlich hohen Strombedarf im Haushalt im Verlauf des Tages auszugleichen. Bei hoher Sonneneinstrahlung und gleichzeitig tiefem Energiebedarf im Haushalt speist das Speichersystem gar Energie in die allgemeine Stromversorgung ein.

Die Basis dieser intelligenten Energiespeicher bilden ausrangierte Elektroauto-Antriebsbatterien. Diese werden durch Kaufmanns Firma in ein modular aufgebautes Produkt integriert, das in Gebäude eingebaut und den Energiebedürfnissen des Haushalts entsprechend eingestellt wird.

Gesteuert werden diese Batterien über ein Computersystem, das sie «aktiv managebar» macht: Der Energiespeicher kann über das Internet konfiguriert, überwacht und gesteuert werden. Systemprobleme werden dem Eigentümer per Mail gemeldet.

Schliesslich soll das System auch die Einbindung dieser Energiespeicher in Sicherheitssysteme und die für das «active Management» nötige Anbindung an Computer und Internet beinhalten.

Auch Verbrauch muss optimiert werden

Um das Ziel des vom Stromnetz vollständig unabhängigen Haushalts zu erreichen, gehört gemäss Kaufmanns Einschätzung aber mehr dazu als dieses Energiespeichersystem: «Natürlich muss auch der Verbrauch im Gebäude selbst optimiert werden», erklärt er.

«Dazu gehören energieeffiziente Geräte und Beleuchtungen sowie der Verzicht auf unnötige Geräte.» Wenn diese Voraussetzungen gegeben seien, liefere eine Photovoltaik-Anlage eines typischen Einfamilienhauses während des Sommerhalbjahres genügend Strom, um den Bedarf für Heizung, Haushalt und Mobilität abzudecken, so Kaufmann.

Im Winter muss auch mit einem solchen Batterie-System - je nach Ausbaustandard des Gebäudes - Strom vom Netz bezogen werden. Mit einem höheren baulichen Aufwand könnte zwar auch dann auf Strom von aussen verzichtet werden. «Es muss aber nicht in jedem Fall das Ziel sein, gänzlich energieautonom zu leben», erklärt Kaufmann.

Stromversorger zeigen Interesse

Die Motivation zur Verwirklichung seiner Pläne schöpft der Zürcher Geschäftsmann aus seiner Überzeugung, dass in der Schweiz ein Atomausstieg dringend nötig sei: «Dieser Schritt ist richtig, unumgänglich und vor allem auch machbar», erklärt Kaufmann. Mit dem energieautonomen Gebäudekonzept wolle er einen Schritt in Richtung dieses Fernziels ermöglichen.

Sein Projekt stösst auf reges Interesse: «Es sind bereits jetzt zehn Anfragen für mein Batterie-System eingegangen», erklärt Kaufmann. Er rechne mit ersten Umsetzungen bis Mitte 2013. Nicht nur bei Konsumenten stösst Kaufmanns Produkt auf Interesse: Seit dem Atomausstiegsentscheid des Bundesrates seien auch Stromversorger an solchen Neuentwicklungen interessiert, so Kaufmann: «Einige Exponenten aus dieser Branche haben bereits ihre Beteiligung an der Finanzierung meines Systems zugesichert.»