21 Uhr, eine Stunde nach Türöffnung: Die Tanzfläche an der «Hard Soundz» in der Dietiker Stadthalle ist noch fast leer. Die After-Street-Parade-Party für harte Technofans wird erst noch in Gang kommen, denn die Technoparade ums Zürcher Seebecken wird erst gegen 22 Uhr zum Stehen kommen. Richtig los geht es hier erst ab Mitternacht.

Ein paar junge Frauen lehnen sich in der Halle betont locker an die Wand. Manche tragen nicht viel mehr als Netzstrümpfe und Schuhe mit neongrünen Schnürsenkeln. Auch Jugendliche mit dem doppelten Bodymassindex einer Schaufensterpuppe zeigen Haut – viel Haut. Manche entblössen Tätowierungen an allen möglichen und unmöglichen Körperstellen. Die Männer geben sich bedeckter – zumindest jetzt noch. In 7/8-Hosen und T-Shirts wirken sie etwas verloren auf der Tanzfläche.

22 Uhr: Däumchendrehen auf dem Sanitätsposten. Das vierköpfige Samariterteam ist für jeden Fall gerüstet. Es wartet mit Pflaster, Traubenzucker-Lutschtabletten und einem Defibrillator auf Exzesse der Partynacht.

23 Uhr, unter freiem Himmel: Junge Männer mit halb rasierten Schädeln und zu Clownfratzen geschminkten Gesichtern stehen sich in der Warteschlange vor der Stadthalle gegenseitig auf die Füsse. Langsam kommt das Oben-ohne-Partyvolk.

36 Beats in 10 Sekunden. Hier zeigt ein Hardstyle-Tänzer, wie man dazu abgeht

36 Beats in 10 Sekunden. Hier zeigt ein Hardstyle-Tänzer, wie man dazu abgeht

23.20: Ein Gürtel mit Hundeschädel-Schnalle und der Aufschrift «Terror Terror Terror», ein Hingucker selbst in der Hardstyle-Szene, wechselt den Besitzer. Der Verkaufsschlager am Modestand am Rand der Tanzfläche sei allerdings der Kapuzenpullover mit Totenkopfsujet. Schwarz dominiert auf der Tanzfläche, ansonsten scheuen sich die Hardcore-Techno-Fans weder vor knalligen Accessoires noch vor ausgefallener Kleidung. Zebra-Leggings, Militärhosen, zerrissene Jeans, Superman-T-Shirt, gar kein Shirt: Hier definiert man sich nicht nur über die Kleidung.

00.30: Der Bass vibriert im Brustkorb, der Herzschlag beschleunigt sich. Eine Mischung aus Trockeneis und Schweiss beisst in der Nase. Doch das spielt keine Rolle, denn die zierliche DJane Korsakoff aus den Niederlanden bringt die Masse zum Kochen.

Der junge Mann, der in der ersten Hälfte der Nacht die Tanzfläche beherrscht, hat einen fluoreszierenden Nuggi im Mund und verliert ob seinem athletischen Tanzstil ständig den Krempenhut.

02.35: Jetzt übernimmt der italienische «Mad Dog» das DJ-Pult für seinen Liveact und lässt damit die Temperatur in der Halle noch um einige Grad ansteigen. Zeitgleich torkelt eine Minderjährige in orangen Hotpants und mit verrücktem Top in Richtung Damentoilette. Ein Besuch bei der Bar bestätigt die Vermutung: Das Sechsfrankenbier fliesst in grossen Mengen – seit geraumer Zeit auch auf dem klebrigen Boden.

02.40: Pascal reisst sich die Ohropax aus den Gehörgängen. «Ne, ich nehm’ keine Drogen», sagt der 26-jährige Basler mit glasigen Augen. «Nur Alkohol», fügt er an, erhebt den Bierbecher «auf Zürich, Basel und die Schweiz», leert ihn in einem Zug und verschwindet in der fuchtelnden Menge der 2500 etwas anderen Partymäuse. Getanzt wird hier noch bis zum Sonnenaufgang.