Kommentar
Nein zur Limmattalbahn hätte das Wachstum nicht aufgehalten

Ein Ja zur Limmattalbahn zum Kanton Zürich durfte erwartet werden, auch ein kritisches Ergebnis im Bezirk Dietikon. Nicht aber, dass das Nein im Limmattal so deutlich ausfällt. Das Stichwort der Stunde heisst: Wachstumsangst. Ein Kommentar.

Jürg Krebs
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Visualisierung des Bahnhofs Dietikon mit der Limmattalbahn

Visualisierung des Bahnhofs Dietikon mit der Limmattalbahn

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Die Limmattalbahn ist ein Symbol dafür, was die Limmattaler derzeit ablehnen: noch mehr Wachstum. Tatsächlich haben vorangegangene Abstimmungen immer wieder deutlich gemacht, welch ungutes Gefühl die hiesige Bevölkerung angesichts zunehmender Arbeitsplätze und ansteigender Bevölkerung hat. Dass das Abstimmungsergebnis im Bezirk Dietikon nicht euphorisch ausfallen würde, durfte angenommen werden. Die Ablehnung fiel aber überraschend deutlich aus, den Ausschlag gab am Ende das Nein in Dietikon und Schlieren.

Jürg Krebs, Chefredaktor der Limmattaler Zeitung

Jürg Krebs, Chefredaktor der Limmattaler Zeitung

Limmattaler Zeitung

Gegner sagen bereits Sätze wie: «Dem Bezirk Dietikon wird die Limmattalbahn aufgezwungen.» Die Befürworter hingegen argumentieren: «Das Limmattal muss zu seinem Glück gewungen werden.» Etwas nüchterner betrachtet gilt: Der Bau der Limmattalbahn ist beschlossen.

Das Nein lässt sich aber nicht alleine mit der Wachstumsangst begründen, sondern auch mit den Auswirkungen des Abstimmungskampfs. Die Gegner beteten in Sozialen Medien und auf Leserbriefseiten monatelang ihr Mantra von der «masslosen Limmattalbahn», kaperten Podien mit der schieren Zahl ihrer Anhänger und überzogen den Bezirk Dietikon mit Nein-Plakaten und -Transparenten. Das alles war gut orchestriert.

Die Befürwortet hingegen glaubten die Argumente auf ihrer Seite zu haben, stiegen spät, wenn nicht viel zu spät in den Abstimmungskampf ein und führten eine Kampagne, die «von oben herab» wirkte. Das wurde am Sonntag bestraft.

Ob die Limmattaler dereinst die Bahn doch noch als Segen empfinden werden oder nicht, das wird die Zukunft zeigen. Ab Ende 2022 soll auch der zweite Streckenabschnitt bis Killwangen in Betrieb gehen. Ende 2019 wird die Limmattalbahn von Altstetten bis Schlieren unterwegs sein.

Wer jedoch geglaubt hatte, mit einem Nein zur Limmattalbahn das Wachstum aufgehalten zu können, täuscht sich. Das Wachstum im Limmattal ist nicht aufzuhalten. Einerseits ist es politisch gewollt und raumplanerisch aufgegleist. Andererseits entscheiden weniger die Behörden als Private über die Entwicklung, letztlich aber das Spiel von Angebot und Nachfrage. Gut ist, dass das Wachstum nun ihn verträgliche Bahnen gelenkt werden kann.

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